Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Die neuen Zölle
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 264 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Industrieförderung bringt uns das neue Gesetz ebenfalls ein wenig näher. Nach dW Anfängen, die mit verschiedenen Artikeln in der Zollb-efreiungsVerordnung von 1924 gemacht wurden, werden jetzt die Zölle für verschiedene wichtige Möbelhöker auf die Hälfte, von einem Pfund pro Kubikmeter auf 50 Piaster herabgesetzt; für Papier, abgesehen von Zigareitenpapier, von 3 beziehungsweise 2 Müs per 'Kilogramm auf 8 Prozent vom Werte und für Pappe von 12 Prozent auf ebenfalls 8 Prozent vom Werte, Man hat einzelne der hier als eine Besserung bezeichneten Bestimmungen kritisiert und sie als ungenügend oder sogar schädlich bezeichnet. (Siehe unsere Mitteilung darüber in Nr. 3/4 19218, Seite 180. — Die Red,) So den neuen Schokoladenzoll und die Erhöhung des Tarifs für Leder. Dem ersten warf man vor, daß er die billigeren Sorten relativ stärker treffe als die teureren, dem zweiten, daß er die Entwicklung der hoffnungsvollen Schuh- und Feinlederwarenindustrie hindere. Beides scheint nicht gerecht. Denn die inländische Schokoladenfabrikation arbeitet gar nicht auf der Linie der hochwertigen, sondern auf der der mittleren Qualitäten, wenn diese daher stärker getroffen werden, ist es gerade gut für sie, und wenn der Lederzoll die erwähnten Fabrikationen schädigt, so stützt er dafür die ebenfalls bestehende und sehr existenzberechtigte Gerberei. Aber beide Kritiken rühren trotzdem, wenn auch nicht von der richtigen Seite her, an das eigentliche Problem dieses Tarifs. Sowohl bei dem Schokoladenwie «bei dem Lederzoll zeigt sich nämlich deutlich ein Teil seiner Kompromißöatur (der Versuch eines Ausgleichs) zwischen Industrieschutz und Niedrighaltung der Preise für den Massenverbrauch wichtiger Bedarfsartikel. An sich ist das eine sehr schwere Aufgabe, aber in Palästina ist weder die Zollmauer schon so hoch noch die Industrie schon so verzweigt, daß sich bereits tatsächlich "nicht auszugleichende Widersprüche ergeben. Es ist zum Beispiel nicht einzusehen, warum der Schokoladenzoll nicht wirklich wesentlich stärker erhöht wurde. Denn schließlich ist Schokolade eher ein Luxusals ein Massenbedarfsartikel, und es scheint nicht unberechtigt, zu verhindern, daß ein dauernd an Kapitalmangel krankendes Land hierfür jahraus iahrein relativ große Summen ins Ausland schickt. Um so mehr als auf der anderen Seite aus fiskalischen Gründen ein wirklicher Massenbedarfsartikel wie Zucker mit 60 bis 80 Prozent seines Wertes besteuert und dadurch der Schokoladenwie der ganzen Süßwarenindustrie eine große Last aufgebürdet wird. Hier scheint in der Tat nur die Alternative zu bestehen, entweder die Gerberei schutzlos zu lassen oder die Schuhfabrikation zu treffen. Praktisch stimmt aber auch das nicht. Denn es gibt den dritten Weg, auch die Schuhzölle heraufzusetzen. Aber hier könnte man wirklich einwenden, daß dadurch ein Massenbedarfsartikel getroffen und die Lebenshaltung, damit die Löhne und die Kaufkraft der Konsumenten getroffen wird. In Wirklichkeit aber liegen die Dinge doch nicht so, daß wirklich schon eine spürbare Erhöhung der Lebenshaltungskosten erfolgt, wenn tatsächlich e i n unentbehrlicher Gebrauchsartikel eine Zollerhöhung erfährt, dazu gerade noch ein solcher wie Schuhe, den sich ohnehin der bürgerliche Durchschnittsmensch nicht mehr als etwa zweimal im Jahr kauft. Nehmen wir an, daß der Tarif hierfür selbst verdoppelt würde, so würde das eine Mehrbelastung für den Gesamtpreis von etwa 10 Prozent ausmachen. Wer sich also heute zwei Paar gute Schuhe für zusammen zwei Pfund pro Jahr kauft, hätte dann eine jährliche Mehrausgabe von 20 Piastern oder vier Mark, was auch für einen Arbeiter nicht ernsthaft ins Gewicht fällt. Diese Beispiele sind so ausführlich behandelt worden, um zu zeigen, daß der neue Tarif in seinem Bestreben, keine Erhöhung der Lebenskosten herbeizuführen, zu dogmatisch verfährt und die an sich tichtige Theorie nicht elastisch genug an die Wirklichkeit Palästinas anpaßt. Tatsächlich aber liegen bei uns, wo noch nicht eine große Anzahl von Industrien mit einander widersprechenden Interessen zu schützen ist, die Dinge noch viel einfacher — so einfach, daß bei einer mehr den realen Verhältnissen angepaßten Konstruktion des Tarifs auch bei einem stärkeren Zollschutz für die wenigen unentbehrlichen Ar-