Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Die Fischerei und andere maritime Erwerbszweige in Palästina
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 257 (sequence 7)
- Language
- German
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257 Das abgelegte Kapital, falls es von Anfang an voll verfügbar ist und das Unternehmen geschäftlich geführt wird, kann daher sehr hohe Gewinne abwerfen. Verschiedene maritime Industrien. Für die Ausbeutung der Reichtümer des Meeres bieten sich so mannigfaltige Aussichten, daß es unmöglich ist, diese im Rahmen eines einzigen Artikels zu besprechen. Die maritimen Industrien sind mit dem Fischen und der Schiffahrt nicht erschöpft, es gibt eine ganze Reihe anderer aussichtsreicher Zweige, die wir hier kurz besprechen wollen Schlammlager, Die Flüsse waschen besonders während der Regenzeit die feineren Teilchen des Bodens ihrer Uferbänke weg und lagern diese zusammen mit zersetzten Wurzeln, Blättern, Wasserpflanzen und Fischexkrementen und -resten im Flußbett ab. Durch vieltausendjährige Anhäufung solcher Rückstände ist die als Schlamm bekannte klebrige Masse entstanden. Teilweise ist dieser Schlamm bis ins Meer mitgeführt worden, der größte Teil jedoch verbleibt in den Flußbetten und bildet an manchen Stellen große Anhäufungen. Die besondere Düngewirkung dieser Masse ist wohlbekannt. Diesbezüglich genügt es, die Fruchtbarkeit des Niltales zu erwähnen und die Tatsache, daß in Kalifornien der Schlamm, der mechanisch aus den Flüssen gewonnen wird, zur Düngung in Gemüsegärten Verwendung findet. Schlammdünger könnte in Palästina eine ungeheure Rolle spielen. Es kann genügend aus den Flußbetten gewonnen werden, um die Sandbänke, die jetzt brach und unbepflanzt daliegen, in der Höhe von mehreren Zentimetern zu bedecken. Gleichzeitig würde ein Teil der Flüsse vertieft werden, so daß sie schiffbar gemacht werden würden. Außer dem Flußschlamm besitzt Palästina enorme Werte in angehäuftem Meeresschlamm, der tatsächlich von den Flüssen stammt. Nach der Hauptzeit der Westbrandung bilden sich Sandbarrieren, die die Mündungen der Flüsse verstopfen. Diese werden jedoch wieder aufgebrochen, wenn die Flüsse in das Meer rückfluten und dabei wird der Schlamm auf dem Meeresgrund abgelagert. Man hat berechnet, daß die 21 Flüsse, die zwischen Akko und Askalon ins Meer münden, jährlich 120.000 Tonnen Schlamm mitführen. Um eine Vorstellung von der ungeheuren Menge zu bekommen, die so abgelagert wird, muß man sich nur diese Tätigkeit, durch 5000 Jahre fortgesetzt, vor Augen halten (dabei muß man bedenken, daß die Flüsse in der früheren Zeit, als Palästina noch bewaldet war, viel mehr Wasser als jetzt geführt haben müssen). 1921 machte ich auf der Strecke Haifa—Tantura und später zwischen Athlit und Caesarea Untersuchungen, 1925 im Jarkon bei Jaffa, die aMe dasselbe Ergebnis hatten: überall fand ich bedeutende Schlammablagerungen. Die Schiffsanker sind in den Häfen von Haifa und Jaffa immer von einer schwärzlich-grünen Schicht bedeckt. All dies beweist, daß der Sand, der die Schlammbänke bedeckt, nur in dünner Schichte liegt. Schlamm wird nicht soweit ins Meer geführt wie Kies, infolge seiner klebrigen kolloiden Beschaffenheit. Außerdem bringt die Strömung von Alexandrien Nilschlamm an unsere Küste mit; sie ist 15 Meter tief, V* Meile breit und hat eine Geschwindigkeit von drei Kilometer per Stunde. Den Verlust von unterwegs abgerechnet, werden alle 24 Stunden 20 Tonnen Schlamm abgelagert. Während bloß 200 Tagen des Jahres (abgerechnet das Abtreiben der Strömung durch Winde) werden 4000 Tonnen Nilschlamm entlang der Paiästinaküste abgelagert. Selbst angenommen, daß die Hälfte weggewaschen wird, müssen die durch Tausende von Jahren angehäuften Mengen enorm groß sein. Die großen Lager in Fluß und See könnten mit großem Erfolg ausgebeutet werden. Sie wären besonders dazu geeignet, die an der Küste gelegenen Dünen mit einer Schicht zu belegen, die heute nicht nur unkultivierbar sind, sondern, da mit Treibsand bedeckt, derzeit eine Gefahr bedeuten. Außer der Umwandlung von unfruchtbarem Gelände in wertvollen und fruchtbaren Boden, würde durch die Beseitigung des Schlammes die Küste für die Schiffahrt ge-