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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Die Fischerei und andere maritime Erwerbszweige in Palästina
Date
1928-05-01
Page
Seite 256 (sequence 6)
Language
German
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256 Fischer geschah insoferne, als sie Garne, namentlich verankerte Netze in tieferes Wasser setzten, auf Grund besserer theoretischer Kenntnisse. Aber weil sie mittellos waren, konnten sie das alte Fischersystem nicht mehr verbessern. Die Bedingungen zur Einführung moderner Fischerei in Palästina. Auf Grund des Oberwähnten wird es klar, daß das schlechte, veraltete System, der Mangel an Organisation und dem nötigen Kapital, die Hauptursachen sind, warum die Schätze an Fischen in Palästina bis jetzt fast gar nicht ausgebeutet worden sind. Die Einrichtung der Fischerei als eines rentablen Wirtschaftszweiges ist eine Sache des Großkapitals und nicht die jener Fischer, deren ganzes Vermögen etliche hundert Pfund ist. Vieles auf diesem Gebiete wird in modernen Ländern durch den Staat gemacht, in Palästina liegen die Dinge anders: hier ist der Initiator gezwungen, die Vorbereitungsarbeit selbst zu leisten. Solche Vorarbeiten sind: 1. Die Hafenwasserkarten zu prüfen, da die vorhandenen längst veraltet sind und bloß für Schiffereizwecke und nicht für die Fischerei hergestellt worden sind. Es ist daher nötig, die Karten auszubessern, mit verschiedenen Tiefenmarken zu versehen, entsprechend den Untersuchungen über die Aufenthaltsplätze der Fische, und mit Bemerkungen über die Natur des Meeresgrundes. Das Maßboot, das für diesen Zweck eigens gebaut werden müßte, soll geeignet sein, in flachem Wasser zu arbeiten, wo es viel Felsen gibt, und dennoch auch der starken Wellenbewegung der tiefen Stellen standhalten können. Es braucht nicht groß zu sein, muiß aber gut zu dirigieren und' standhaft sein. Besonders geeignet sind Verdeckboote, wie sie für den Walfischfang benützt werden (Baleiniere). Ihr Preis ist 350 bis 400 Pfund. Mit Hilfe eines solchen Bootes könnten die Karten in wenigen Monaten ausgebessert werden. Der nächste Schritt wäre die Wahl einer Fischfangbasis, d. h. von Plätzen, wo die Boote ihren Hafen und ihre Reparaturstätte hätten und wo der Fang ausgeladen und aufbewahrt werden könnte. Natürlich müßten solche Stationen nahe den Verkehrswegen, die zu den Märkten führen, aufgeschlagen werden. Sie müßten ausgerüstet sein mit Ankertauen und Piers, Reparaturwerkzeugen, Fischteichen, Salzbassins, Einrichtungen zum Räuchern, Verpackbaracken, Kühlmaschinen etc. Ohne auf die Details einzugehen, kann man annehmen, daß eine solche Station, angelegt für einen Fang von 5 Tonnen im Tage, 5000 bis 6000 Pfund kosten würde. Die Flotte sollte bestehen aus: 2 Segelbooten von je 50 Tonnen (zu je 250 Pfund), ein Dampf¬ und Segelboot von 20 bis 25 Tonnen (500 Pfund), ein Verdeckboot mit Segel oder Dampf betrieben zur Kontrolle der versenkten Netze (200 Pfund), ein kleines Boot (20 Pfund). Die Gesamtkosten der Flotte würden daher für jede Station 1220 Pfund betragen, Die Fiischereiausr-üstung hat zu bestehen <aus zwei 200 Meter-Netzen, ein Grundnetz 400 Meter, verschiedenen Ankernetzen 100 Meter, zwei Schleppnetzen etc., Gesamtkosten 1000 Pfund für jede Station. Zwei Motorwagen sollten zum schnellen Abtransport der verderblichen Ware zur Verfügung sein und spezielle Kühlwagen für lebende Fische verwendet werden. Die Kosten beider Wagen wären 300 Pfund, die der gesamten Station samt Ausrüstung erforderte 3500 Pfund. Nur erstklassige gelernte Arbeit darf verwendet werden. Fachleute sind zur Leitung nötig. Das Personal soll aus 30 Mann bestehen (7 für jedes Segelboot, 5 für das Dampfboot, 3 für das Verdeckboot, 5 für Einsalzen und Räuchern, 2 für die Wagen, 1 für das Büro). Wenn wir einen Durchschnittsgehalt von 12 Pfund per Monat annehmen, ist das eine Auslage von 4320 Pfund pro Jahr. Dies und die Kosten für Salz, Brennmaterial etc. 2000, zu den Anlagekosten gerechnet, bedarf man 10.000 Pfund für eine Station, was ein absolutes Minimum für ein erfolgreiches Arbeiten ist. Das jährliche Einkommen würde diese Summe übersteigen. Ein Fang von 100 Tonnen ergibt 10.000 Pfund*) und tatsächlich würden pro Jahr mehrere 100 Tonnen gefangen werden. *) Der Verfasser rechnet hier mit einem Durchschnittspreis von 10 Piaster per Kilo. Nach dem eben erschienenen Bericht des Landwirtschafts-Departements für 1926 waren die Durchschnittspreise in Haifa und Akko nur 6.2 und 5.5 Piaster. Nur in wenigen Fällen wurden 10 und mehr erreicht. — Die Red.

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