Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Die Fischerei und andere maritime Erwerbszweige in Palästina
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 255 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379871-2386453--07025-2386779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
255 wird »Anteil« geheißen. Ein bis zwei Anteile bekommt der Eigner der Geräte für Miete seines langen« Bootes, ein bis zwei für die Netze und ein bis zwei als Beteiligter im allgemeinen, der Inhaber der Geräte bekommt daher fünf bis sechs Teile; ihm liegt also daran, daß viel gefischt wird. Er hat aber auch keineswegs Eile, das Fischereisystem zu verbessern. Zwar begannen in den letzten Jahren, da der acht Monate währende glänzende Versuch des englischen Dampfbootes »Sialcot« sehr geglückt war, und alles überzeugt wurde, daß die rationelle Fischerei große Vorteile hat, auch die arabischen Fischer an Verbesserungen zu denken. Es werden aber noch viele Jahre vergehen, bis diese Vorsätze ausgeführt und zu praktischen Resultaten führen werden. Nicht nur die Fische, sondern auch die Fischer sind Feinde von Neuerungen. Die gewöhnlichen Fischerboote sind nicht größer als 5 bis 6 Tonnen. Die Flanken sind niedrig und ohne Verdeck. Sie werden durch Ruder oder Segel betrieben; aber auch viel kleinere Boote mit 4 bis 5 Rudern sind im Gebrauch. Mit solchen Schiffstypen (ihre Zahl ist fast 200) ist es unmöglich, ins tiefe Meer zu segeln und der Fischer ist gezwungen, in gewisser Hinsicht ein Windwächter und ein Wolkenbeobachter zu sein, weil es ihm nicht bei jedem Wetter möglich ist, seine Arbeit in seinem kleinen Kahn zu verrichten. Außer dieser normalen Art zu fischen gibt es auch arabische Fischer, die zur Ausübung ihrer Arbeit Gift und Sprengstoffe verwenden. Als Sprengmittel werden oft Handgranaten, die vom Krieg zurückgeblieben sind, oder Bomben verwendet; letztere bestehen aus Blechbüchsen, die mit Pulver oder Dynamit gefüllt sind. Die vom Knall der Explosion betäubten Fische kommen auf die Oberfläche und es ist leicht, sie? mit den Händen zu sammeln. Den Ort einer Explosion besuchen die Fische zwei bis drei Jahre nicht mehr und meiden ihn sogar in einer Entfernung von hundert Metern. Der durch solche barbarische Methoden verursachte Schaden ist unschätzbar. Zwar bekämpft die Regierung in letzter Zeit dieses Fischungssystem mit Strafen bis zu sechs Monaten Gefängnis, aber diese Strafsanktion kann die Missetaten nicht gänzlich ausrotten. Auch die Beduinen verwenden Gift am Jordan und Jarmok. Und damit ihnen der Fang gelinge, sperren sie den Strom durch Schleu&ennetze und schütten das Gift ein wenig höher oben auf das Wasser. Die toten Fische kommen an die Oberfläche und werden durch den Strom zum Netz getrieben. Der Schaden, der dadurch angerichtet wird, ist unbeschreiblich. Die Behörden können diese Barbarei nicht bekämpfen, weil sie nicht über genügend Polizeimannschaft verfügen. Die Fischer kämpfen selbst gegen diese Leute und verprügeln sie, wenn sie sie finden. Ein rationeller Fischfang kann in Palästina nur mit großen Booten ermöglicht werden, damit man in tiefes Wasser segeln kann. Dies ist in den letzten Jahren bloß durch die Malta-Fischer versucht worden, die einfache Verdeckboote von 30 bis 50 Tonnen besitzen. Die Konstruktion der Boote ist sehr einfach, aber sie sind im Vergleich mit den in Palästina sonst gebrauchten viel besser. Der Durchschnittspreis eines solchen Bootes ist bloß 200 Pfund. Jüdische Fischergruppen.. Verschiedene Versuche sind unternommen worden, um die Fischereimethoden zu verbessern. Auch die Zionistische Exekutive hat an Fischergruppen gewisse Summen geliehen (in Athlit, Akko, Haifa u;. a.) Die erste jüdische Fischergruppe hat sich im Jahre 1919 in Athlit gebildet. Aber all die Versuche zeigten nur, wie man den Fischfang in Palästina nicht betreiben soll Im allgemeinen kann gesagt werden, daß allen Gruppen die nötigen Behelfe fehlen,, die sie zur Arbeit brauchen, Sie hatten zwar Netze und Geräte, aber keine Boote. Diesbezüglich ist charakteristisch, was der Gruppe in Athlit 1920 zugestoßen ist. Ein großer Schwärm von Makrelen war in die Garne der Gruppe geraten. Und weil ihnen die passenden Boote fehlten, konnten sie die Garne nicht im richtigen Moment, als der Fischdruck den höchsten Grad erreicht hatte, aus dem Wasser ziehen, so daß die Fische samt den Netzen im Meer verschwanden. Ein Fortschritt durch die jüdischen