Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Die natürlichen Bedingungen Palästinas und die Zukunft unserer Kolonisation
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
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246 Citruspflanzen gegen salz(chlor)hältiges Wasser ist ungeheuer groß. Schon jetzt erkranken die Bäume mancherorts an versalzenem Wasser. Diese Gefahr, die zweifellos in den niederschlagsärmeren Gebieten noch zunimmt, verdient die aufmerksamste Betrachtung seitens unserer landwirtschaftlichen Institute. .Bodenbeschaffenheit und Bewässerungsmöglichkeit drücken sich in der Besiedlung, insbesondere der arabischen, deutlich aus. Der arabische Orangenbaum hat allerdings nirgends, schon infolge seines geringen Alters, Anlaß zur Neugründung von Ortschaften gegeben. Liegt doch heute noch weit mehr als die Hälfte der arabischen Pflanzungen in der Bannmeile von Jaffa. Wir finden daher den größten Teil der leicht zur Bewässerung geeigneten Böden als vollständiges Brachland ungenutzt vor, da die Kapitalien zu ihrer Bebauung meist erst aus dem Verkauf größerer Anteile gezogen werden können. Dagegen sind die für uns weniger wichtigen schweren Böden größtenteils besiedelt. Ging doch die Besiedlung der Küstenebene in erster Linie vom Gebirge aus. Die randlichen Gebiete der Ebene werden zum großen Teil noch heute von Dörfern, die selbst schon im Gebirge liegen, bearbeitet. Abgesehen von dem dicht besiedelten Lößgebiet östlich von Jaffa sind gerade die inneren Teile der nördlichen Küstenebene, die reich an wertvollen Böden sind, erstaunlich gering besiedelt. Die jüdische Bodenkaufspolitik hat nicht immer diese Tatsachen beachtet. Das vorläufige Scheitern der im Prinzip zweifellos richtigen Soskinschen Pläne beruht wohl auf der Wahl der viel zu schweren und daher unerprobten Böden der Kabara. Der Run, der mit der Tel-Aviver Hausse von 1925 eingesetzt hat, führte zu dem Erwerb des Bodenkomplexes Ramat Gan-Schchunat Borochow-Bnei Brak, der an landwirtschaftlicher Wertlosigkeit seinesgleichen in der ganzen Umgebung suchen dürfte (er besteht zum größten Teil aus den oben geschilderten Krustendünen) und der viel zu isoliert von dem Tel-Aviver Stadtgebiet liegt, als daß er zu dessen Arrondierung beitragen könnte. Der Erwerb solcher Roden erschwert uns naturgemäß später den Erwerb der wirklich wertvollen. Erfreulicherweise können wir feststellen, daß sich unsere Kolonisation in der letzten Zeit auf den hier gezeichneten Weg einzustellen beginnt. In der Tat wird sich der entscheidende Teil unserer Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten in der K ü s t e n e b e n e a b s p i e 1 e n u n d hier wieder wird es die Besitzergreifung der leichten und mittelschweren Böden sein, von denen im entscheidenden Maße das Gelingen unseres ganzen Aufbauwerkes abhängt. Es werden schon wieder Stimmen laut, welche vor einem Orangenboom und einem Ueberhandnehmen der Bodenspekulation warnen. Wir können diese Stimmen aus den Geschehnissen der letzten Jahre heraus verstehen. Aber wir besitzen leider keine Mittel, um den Boden auf anderem Wege, als den des freihändigen Ankaufs zu erwerben und in der ganzen Welt richtet sich eben der Preis eines Gutes nach Angebot und Nachfrage. Daß diese Böden in größeren Mengen überhaupt zum Verkauf stehen, ist ja nur darauf zurückzuführen, daß sie für die Landwirtschaft des Fellachen, soweit er selbst nicht auch Kapital besitzt, um sich Pflanzungen anzulegen, nicht zu gebrauchen sind. Jede, auch die friedliche Eroberung eines Landes kann sich nur so vollziehen, daß der Eroberer zuerst die für ihn besten Böden in Besitz nehmen muß, wenn er nicht zum Heloten des Vorbesitzers werden will.