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Palästina · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 169

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Article
Der Aufschwung der Industrie
Date
1928-03-01
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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169 schon die neuen. Zölle in Kraft waren, begann die 'Industrie auch nach Aegypten Ware zu schicken. Am 4. November trat »der neue Tarif in Wirkung. In demselben Momat verkaufte die (Firma Lieber einle erste Lieferung Schokolade im Werte von 200 Pfund nach Aegvpten, einen Monat später, im .'Dezember, schickte sie für 600 »Pfund Ware dorthin. Gleichzeitig begannen die Obstkonservenfabrik von J-olis und' diie -Damentastibenfabrik von Goldberg mit Erfolg dorthin zu exportieren. D?. dort palästinensische Waren keinerlei Vorzugsbehandlung genießen, zeigt das, daß sie auch so Schritt halten können, wo ihnen keine besondere Vorzugsstellung eingeräumt wird. Aber sie brauchen dazu einen festen Ruckhalt an einem gesicherten Binnenmarkt, um die Opfer tragen zu können, die .mit dem Eindringen in fremde Märkte verbunden sind. Es kann sein, und es geschieht auch, daß im Inlande teuerere Preise verfangt werdlen als im Ausland. Aber bisher haben sich nach den vorliegenden Marktberichten der Regierung durch die neuen Schutzzölle nur die Zementpreise verteuert., däe biiisiher anormal billig waren, weil diie Auslandsfirmen nach der Gründung der Zementfaibrik „Nesdher" die Preise bis an diie iRentalbilitätsgrenize, wenn nicht darunter, heraibsetzten. Gäbe es keine fescher" und daher keine 'Konkurrenz für die stark syndizierten ausländischen Zemtentfabriken, dann wären die 'Preise heute vielleicht noch höher. Im übrigen aber muß das Land eben eine gewisse Preiserhöhung, natürlich, nur in dien Grenzen des absolut Notwendigen, zum Schutze seiner llindustrie in den ersten Jahren in den Kauf nehmen, besonders da Palästina beute noch ein kleiner Markt ist, wo jede ausländische Industrie eine neuentste.ke.nide Fabrik leicht durch Verkäufe zu Verlustpreisen ruinieren kann. Denn welche Rolle spielen ifür sie die paar tausend Pfund, die sie dabei riskiert? Wenn auch die neuen Zölle schon manche Erleichterungen geschaffen haben, ist trotzdem noch durchaus nicht alles (getan, wiais die Industrie verlangen muß. Manche der neuen Tarifsätze werden sich in der Praxiiis als ungenügend herausstellen, andene Erhöbungen oder Ermäßigungen sind noch notwendig. Ueiberhauipt kann in einem Lande wie Palästinla, wo die Industrie sich erst in der Entwicklung befindet und, wenigstens normalerweise, jedes Jahr neue Industrien entstehen, ein Zolltarif nie „fertig" sein. Jahraus, jahrein wird er sich neuen .'Bedürfnissen /auizupassen haben. Feststehen müssen nur ^ein paar Prinzipien, nach denen die Anpassungen vorgenommen werden, z. B, freie Einfuhr für Rohstoffe, Zölle gegen Auslantdisdumping u. a. m. — generell, Förderung der Industrie. Es scheint, als ob die Regierung jetzt ernsthafter solchen Prinzipien zuneigt. Um ein Beispiel dafür zu geben, wie auch die letzten Zölle d«en Bedürfnissen der Fabrikanten noch nicht gerecht werden, seien hier einige ihrer Wünsche angeführt: Die Möbelindustrie verlangt Herabsetzung der Sätze für Leder zum Beziehen von Stühlen usw. Die Schokoladenindustrie Zollbefreiung von 'Glukose und Herauifsetzung der Zölle für iSchokoilade, Konfitüren und fertigen (Kakao, den sie selbst herstellen will, die Kartounagenifabrikation Heraufsetzung der Zölle auf Pappschachteln und so geht es durch eine ganze Reihe von Industrien fort. (Siehe dazu unsere Meldung „Zolltarifbescihwerden'' unter ,,vOeffeutliche Verwaltung". — Die Red,) Tatsächlich ist der neue Tarif auch von der Regierung noch nicht als endgültig betrachtet worden. Im Colondal Office befindet sich seit längerer Zeit ein niCustoms Codle" für Palästina in Ausarbeitung, der in ein paar Monaten fertiggestellt sein dürfte. Damit erst wird an Stelle des heute noch immer im wesentlichen in Kraft befindlichen, türkischen Zollsystems ein eigenes palästinensisches treten. Inzwischen ist — wie ein Gutes gewöhnlich weiteres Gute nach sich zieht, ähnlich wie das Schlechte weiteres '.Schlechte — ermutigt durdh, ihre Aufwärtsentwicklung und wohl auch durch das günstigere Verhalten der Regierung — zum ersten Male wieder aus allen möglichen kleineren Quellen privates Anlagekapital in die Industrie geflossen. Bekannt sind die der kleinen Tel-Aviver Lokalbank „Aschrai'' von anonymer Seite zur Vergebung an düe Industrie zur Verfügung gestellten viertausend Pfund, die dlann um weitere zehntausend erhöht wurden. (Wir berichteten hierüber in iNr. 1/2, S. 92. — Die Red.) In Wirklichkeit ist auch das noch nicht die Höchstgrenze, sondern es stehen nach Placierung dieses Betrages noch größere Summen bereit. Aber außerdem hat jetzt auch die „Palestine Loan and Building Corporation" der Brandeis-Gruppe die Kreditgewährung an die Industrie aufgenommen, Ebenso wie die „Aschrai" vergibt sie nur kleine (Beträge an Klein- und Mittelbetriebe bis zum Betrage von 200 (Rfund^ cur mit dem Unterschiede, daß die Tel-Aviver Bank sich auf ihre Stadt beschrankt, das Brandeis-Jinstitut dagegen ausschließlich in Jerusalem und 'Haifa arbeitet. Größere Einzelsummen, auch von einigen tausend Pfund, werden jetzt von der „Anglo-Palestine Corporation" des Londoner Economic Board for Palestine, einer Gründung Sir Alfred Monds, Waley Cohens und anderer englisch-jüdischer Financiers, vergeben. Dem ge_ planten Kreditinstitut des (Industriell enverbandes selbst wurden aus Amerika ansehnliche Beträge zugesagt, von denen wenigstens zehntausend Pfund allem Anschein nack als real betrachtet werden können. Diese Entwicklung, die etwa im vergangenem

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