Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Der Aufschwung der Industrie
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379870-2385881--06640-2386261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
168 __unter einer Ueberaahl von Teilhabern und den damit meist verbundenen Zwistigkeiten litten, oöfone ihnen ibei ihrem geringen Kiaipital eine Existenz zu gewährleisten, konnten sich durch aille möglichen Arrangements, oft mit Hilfe einer eigens hierfür ^bestehenden Abteilung der „'Hitachdiuth Ba'ale rlataassijaih" (iFaibrikantenvereini^ung), von diesem Allzuviel befreien. Diese Entwicklung wtar besonders wichtig, weil die übergroße Zahl von Familien, die von einem Unternelhmen leiben wollten, viel Schuld an der bedrängten Finanzlage mancher Betriebe und an vorübergehenden Stillegungen hatten. Es kann llieute noch nicht gesagt werden, ob dieser Rationihlisierungsprozeß bereits alles erreicht hat, was -unter den gegenwärtigen Umständen mit den Mitteln, die der Industrie zur Verfügung stehen, erreicht werden konnte. Dazu genügt das bisher vorliegende (Material noch nicht. Aber ziemlich weit muß er schon fortgeschritten sein, denn die Wirkungen sind in der verstärkten Konkurrenzfähigkeit der palästinensischen Industrieerzeugnisse -auf dem Inlandswie auf dem Auslandsmarkt, ausgedrückt in stark vergrößertem Absatz, erkennbar. Ein kleines Unternehmen, wie die Badeofenfabrik „Nechuschtihar15 in Haiia, das von Mär/z bis Dezember 1926 insgesamt 200 Oefen herstellte, oder 22 bis 23 pro Monat, produzierte in den ersten zehn Monaten 1927 321 Oefen oder reichlich 32 pro Monat, eine Steigerung um annähernd 50 Prozent. Die Schokoladenfabrik der ,,Liener-Company", die in den letzten neun Monaten des vergangenen Jahres einen Umsatz von 17.000 Pfund erzielte — nebenbei dieselbe Ziffer, die sie in ihrem iGlanzjiaihre 1925 in den letzten zehn Monaten vor der Stillegung erreichte, als sie noch der „Raanan '-Gesellschaft gehörte, — also etw.a 1417 Pfund pro Monat, 'begann das Jiahr 1928 mit Vorausbestellungen im Werte von 9000 Pfund für die ersten drei Monate, also 3000 Pfund pro Monat. Wenn die Rationalisierunigsbewegung, die technische wie die kaufmännische, diese Erfolge erzielt (bat, dann ist die wirtsabaftspolitische Voraussetzung dazu, die sie erst möglich gemacht hat, durch die Zollbefreiungsverordnung vom Jänner 1926 geschaffen worden. Damals erst wurde eine große Anzahl von Rohstoffen von den Importzöllen befreit, die die Selbstkosten der Fabrikanten unnötig erhöht und an dem Mißerfolg vieler Unternehmungen der vierten Aiijislh einen großen Anteil hatten. Diese Erleichterungen warem an sich noch immer ungenügend, weil sie noch längst nicht allen Rohmaterialien freie Einfuhr, keinen Schutz gegen das Dumping der Auslandsindustrie gewährten und überhaupt den alten, ganz und igar nicht den Bedürfnissen der InLaaidisindustrie angepaßten Zoll generell unberührt ließen. Aber die Schnelligkeit, mit der die (Industrie schon« auf diese Abschlagszahlung reagierte, mitten in der allgemeinen Depression, zeigte, wie ehrlich der K>a,mpf gegen das wirtschaftspolitische Regime der Mandatsverwaltung war, wie falsch es ist, in ihm nur eine Ausrede für die eigene Unfähigkeit zu sehen, um die Schuld am Mißerfolg auf die Regierung abzuwälzen — wie es der Chefsekretär Colone 1 Symes .glauben machen will, und leider auch einige zionistische (Kreise — und welche Verantwortung die Mandatsverwaltung durch die Verschleppung der notwendigen Reformen auf sich geladen hat. Durch die neue Z>o Ii Verordnung vom November 19.27 wird ein Teil dieser überfälligen Aenderungen durchgeführt. Eine Anzalhl von Industrien erhält, wenigstens der Absicht nach, sogar Schutztarife, andere Begünstigungen durch weitere Senkung von Rohstofizölien, so die Fabrikation von Zement, Oelen, Seifen, Möbeln, Schokolade und Konfitüren, Konserven u. a. m. Dadurch hat der Aufschwung um die Jahreswende eine neue Triebkraft bekommen, deren Auswirkungen sclhom. wahrnehmbar sind. Freilich scheinen die Zollerhöhungen auf den ersten Blick ein zweischneidiges Schwert zu sein. Sie konnten normaler Weise die Industrie zur Faulheit verleiten und veranlassen, statt weiter an der Verbesserung und Verbilligung der Produktion zu arbeiten, einfach die Preise aufzuschlagen und sich mit dein Umsatz zu begnügen, den sie erreicht hat. Aber auch hier trifft auf Palästina nicht schematisch zu, was in vollentwickelten europäischen Ländern gilt. Der Fabrikant in Palästina, selbst wenn er nur einen mittleren oder kleineren Betrieb hat, ist bei der heutigen Beschränkung des Binnenmarktes gezwungen, ia,n Export zu denken und sich in den Nachbarlandern Absatz zu suchen, wenn er weiter kommen will. Dort aber muß er die Konkurrenz mit anderen Auslandslieferanten bestehen und das genügt, um sein Rationalisierungsstreben wach zu halten und ihn vor mechanischen Preiserhöhungen zu wiarnen. Bisher ging der Industriewarenexport allerdings hauptsächlich nach Syrien, wo palästinensische Waren keinen Zoll zu zahlen haben, europäische dagegen einer viel größeren, meistens doppelt so holheini, Belastung unterliegen wie in Pallästina selbst. Dort erfreute sich der Tel-Aviver oder Haifaer Fabrikant also praktisch eines größeren Zollschutzes, als in seinem eigenen Lande. Hieraus ließen sich daher noch keine Sclhlüsse über die Konkurrenzfähigkeit seiner Waren* 'gegen die t dir opäi sehen Produkte auf einem Markte ziehen, wo beide gleich behandelt werden. Aber gerade gegen Ende des Jahres, als