Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Der Aufschwung der Industrie
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
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167 chen, die kleine KorMaibrik von Davidsohn, die bisher überhaupt handwerksmäßig arbeitete, 'bekommt jetzt erst eine Maselhineneinrichtimg. Es fragt siclh daher, woher das1 Geld zu diesen Verfoesseruinlgen, die ebenfalls in den meisten Fabriken durchgeführt wunden, genommen wurde, da doch die bisher einzige Kapitalsquelle der Industrie, das Handels¬ und Industriedepartement der Zionistischen Exekutive, kaum nennenswerte Mittel bereitstellen konnte? Und hier 'kommt man zu einem sehr interessanten Punkt: Während nämlich einige wenige, kapitalkräftige oder durch Besitz Wechsel in kapitalskräftige Hände gekommenen Betriebe diese Beträge aus ihren von vornherein vorhandenen Kapitalien zahlen konnten, mußte der .größte Teil es aus seinen Betriebseinnahmen aufbringen. Daß heißt ia!ber, er hat Geld verdient, und es in der Verlbesserung und Erweiterung seines Betriebes angelegt. Da ihm nämlich von nirgends anders her Geld zugeflossen ist, bleibt das die einzige Möglichkeit. Dies ist d!ie beste Widerlegung der üblichen Annaihme, daß der Klein- und 'Mitteliadustrielle in Palästina nur gerade so dahinsiecht, höchstens sein Geld verlieren ikiann und daher 'keine Existenzberechtigung hat. Wie dieser Eindruck zustande kommt und wie er sogar den Fabrikanten seihst gefangen nimmt, ist sehr einfach erklärt: Gerade weil der Fabrikant seinen Verdienst zur Ausdehnung und Vervollkommnung seines Betriebes betniufczt, ihn also in das Geschäft steckt, und ihn nicht (aufißt, wird seine persönliche Existenz sehr mühevoll, zum wenigsten nicht leichter. Er spürt in seinem Privatleben keinen Fortschritt und im iGeschläiftsleben überwiegt gefühlsmäßig für ihn der psychische Druck, den die Schuld' aus der auf Abzahlung im Laufe von ein paar Monaten igekauften Maschine uinldJ das ungenügende Betriebskapital auf ihn ausüben, die technische Erleichterung oder den gestiegenen Umsatz. Dies liegt vor allem daran, daß der palästinensische Fabrikant gewöhnlich aus kleinen Verhältnissen stammt, ein „Selfmademan*4 ist, und die Geheimnisse der kaufmännischen Bilanzrechnung nicht sehr gem&u kennt. Für ihn ist nicht das Verdienst, was er in den Betrieb gesteckt hat, sondern das, was er ausgeben kann. Neben der teclhnischen hat sich gleichzeitig eine (kaufmännische [Rationalisierung vollzogen. Der Einkauf dies Rohmaterials geschieht heute schon viel öfter aus erster Quelle statt aus irgend einer Zwischenstation. Die „iScihemen" in Haiifa bezieht ihre Kopra nicht mehr aus Marseille, sondern aus Colombo auf Ceylon. Eine kleinere Tel-Aviver Eisengießerei, die früher ihr Roheiseau aus zweiter oder dritter Hand bei einem palästinensischen. Händler oder Kommissionär kaufte, Ibeizieht es jetzt direkt ab Werk in Europa. Welchen Unterschied das ausmacht, zeigen genade die verschiedenen Preise, die dieses kleine iUnternelhmen da» Rohmaterial kostete. Für eine Tonne Roheisen zahlte es Ende 1924 12.— Pfund, Ende Mai 1927 &—- Pfund, November 1927 5.35 Pfund und AnIfang 1928 4.50 Pfund. Mit der Preisentwicklung des Roheisens im allgemeinen hat das nichts zu tun, denn eine Tonne Gießereiroheisen kostete im Dezemiber 1924 89.— Goldmark und Mitte Jänner dieses Jahres 88.— Goldlmark, (Fraclhtbasis lOberhausen, d, Ih. ah Rheinlandl. iEs ist vielmehr das Resultat des iStrebens, möglichst an die besten Bezugsquellen heranzukommen. Zum Teil liegt es auch daran, daß man heute schon in vielen Fällen nicht erst dann kauft, wenn man muß, sondern die günstigste Gelegenheit wahrzunehmen sucht. So bekommt heute die Schemen 'bereits zweimal wöchentlich Telegramme von London und von Hull mit den letzten Preisnotierungen für Kopra. In ähnlicher Weise hat dasselbe Unternehmen, desseini (Einkaufspreise für Eisen wiedergegeben wurden, seinen Koksibeizug von 7.— Pfund Ende 1924, auf 6.27 P'iund Anfang 1927 und 3.75 Pfund Anfang .dieses Jahres verbilligt Man (braucht nicht erst zu erläutern, was eine solche Unkostensenkung für die Rentabilität eines Betriehes (bedeutet. Ueher die Zusaimmenschlußbewegung, die Hand in Hand mit dieser Rationalisierung ging und teilweise ihre finanzielle und produktionstechnische Voraussetzung bildete, ist einiges schon aus der Tagespresse bekannt geworden. So die Bildung des Spritsyndi'kates. das die kleinen, weniger modernen 'Betriebe stilleigte »und die Erzeugung in der am besten eingerichteten und größten Fabrik von Duischnitz und Eysler konzentrierte. (Ueber die Verhältnisse in der Spiritusindtastrie unterrichtete der Artikel von ID,'r. Cohn in Nr. 6/7, S. 320. — Die Red.) Ebeinlso such die Verschmelzung dreier kleiner Wehereien unter Mithilfe der Zionistischen Exekutive und eines kleinen, lokalen Finanzinstitutes, der „Bank Bne Brak", durch die der Handbetrieb von dem mechanischen Webstuhl abgelöst werden konnte. Außerdem laber ist die Kooperative für Metallverarbeitung „Oman-Mathecheth", die Eisenbeton herstellt, mit einigen kleinen, allerdings nicht zur Industrie sondern zum Handwerk zählenden Werkstätten vereinigt worden, die bis dahin mehr vegetierten als lebten, und nur den kleineren Teil der Woche arbeiteten. Heute sind im ,,Oman-Mathechetih"' ununterbrochen etwa 40 Leute gegen 19 zur Zeit des letzten Zensus Mitte 1926 tätig. .(Hierbei müssen natürlich die Fusionen in Betracht gezogen werden, alber das spielt keine große Rolle, da ja «die aufgenommenen Werkstätten praktisch mehr stillstanden, als (arbeiteten.) Zwischen zwei bekannten größeren Unternehmungen sind Verschmelzungsverhandlun.gen im Gange. Andere Betriebe, die — für die Entstehungsgeschichte der Industrie Palästinas typisch 11*