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Palästina · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 166

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Article
Der Aufschwung der Industrie
Date
1928-03-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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166 Industrie bisher ausgegebenen 60.000 Pfund ist auf solche Darlehen zu rechnen. Der Autor selbst spricht davon weiter unten. — Die Red.) Es ist notwendig, tdias an ganz konkreten Beispielen zu zeigen, weil es eben der landläufigen Auffassung widerspricht, die aus ewiger Angst, phantastisch zu scheinen, sich jeimer nach außen hin wegen ihrer scheinbaren (Nüchternheit ((im Vergleich izu .dem „sanguinischen jüdischen Temperament*4) eindrucksstiarken, als „gesunder Konservatismus" etikettierten Haltung gewisser englischer Kreise anpaßt, die in Wirklichkeit ein Produkt der Denkträgheit und der wirtschaftswissenschaftlichen Rückstiändägkeit ist. Es seien daher hier ein paar Ziffern wiedergegeben: Die Zahl der beschäftigten Arbeiter betrug Laut Zensus von bei der Firma Branche Anfang Jänn, 1928 Ende Juli 1926 „Hadar"........Kartonnagenfabrikation 100 52 Silberberg & Son . . . „ 100 31 Silbersiein & Son . . . Strickerei 25 13 „Lodziah"....... „ 140 85 In der Weberei von Weinstein, die kurz nach dem Zensus den Betrieb aufnahm und damals drei' Arbeiter beschäftigte, arbeiten heute fü^undzwanzilg. Die iFialbrik feiner Lederwaren von Golidberg, in der SDaimentaschen hergestellt werden, fing um dieselbe Zeit herum mit etwa zwei Leuten an uind gibt heute fünfundzwanzig Arbeitern Beschäftigung, Die Schokoladenfiafbrik der „Lieber Company", die zur Zeit des Zensus stillstand und vorher, als sie der Firma „(Raanan" .gehörte, nie mehr >a!s 80 bis 90 Leute beschäftigte, hat heute eine Belegschaft von 110 Mann. Generell haben ziemlich alle Fabriken (außerhalb der (Baustoffindustrien, aber auch da einige) sich vergrößert und neue Leute eingestellt. Frumkin vom Merkas-Hiaawodah {Arbeitsdepartement) der „Allgemeinen Arbeiterorganisation" bezifferte an einem Leitartikel im „Dawar" die Zahl der im Jahre 1927 von der 'Industrie neuaufgenommenen Arbeiter auf 1000, Diese Ziffer dürfte eher zu klein als zu groß sein, laiber wenn man noch die in der zweiten 'Hälfte 1926 neueingestellten Kräfte hinzufügt, dann dürfte man ungefähr auf den (hier angegebenen DurchscihniittsproÄentsatz kommien. Es scheint seltsam, daß diese Bewe,gjuiiig gerade in einer Zeit .alliigemeiner Wirtsdhaftsdepression eingetreten ist, in einler Periode, in der mian normaler Weise gerade in der Industrie Stockung und (Rückschritt oder allenfalls gerade ein mühsames Standhalten erwarten sollte. Unter den besonderen Verhältnissen eines gerade in der Kolonisation begriffenen Landes, wie Palästina,, dessen Industrie eben entstanden und noch langst nicht zu den Hauptlieferanten des Warenmarktes geworden war, gelten aber nicht die Erfahrungssätze, die man aus der Geschichite und der Dynamik entwickelter Volkswirtschaften abgeleitet hat. Mit Absicht war vorhin in Parenthese gesagt worden, daß sich die Industrie cum grano salis „unter dem Schutze" der Depression ausgedehnt hat. Während .nämlich in der „guten Zeit", dem „Boom" von 1924/25, der kleinste Detaillist in; der Jaffastraße zu Jerusalem, seine Waren in einer für seine Verhältnisse großen einmaligen oder zweimaligen Bestellung, die für ihn eine spekulative Vorausdiisposition für die ganze Saison war, direkt aus dem Auslände beizog, zwang ihn die Krise wegen der mit ihr verbundenen Krediteinschrärikungen der Auslandslieferanten und! auch weil er das Risiko ihrer Kredite wie der langen Vorausdispositionen zu spüren begann^ seinen Bedarf bei dem 'Inland sfaforikianten zu (decken, wo er jedesmal nur so viel zu bestellen brauchte, wie er geradle nötig hatte, und wo er sich schniell eindecken konnte, ohne über Monate hinaus zu bestimmen. Unabhängig aber von diesen sozusagen ,^^gekehrten" Krisenwirkungen arbeiteten die einer gesunden Industrie immanenten Kräfte weiter, die von der Depression nicht berührt werden konnten. Es erfolgte, natürlich auf die Verhältnisse Palästinas angewandt, das, was maaii in Europa heute,, 'Rationalisierung" nennt,, bis zu einem gewissem Grade auch eine Konzentrierung. Die Fatbrikanten verbesserten ihre Produktion technisch erheblich und den .Marktbedürfnissen entsprechend. Wo keine wirklichen, mit der Produktion vertrauten Fachleute den Betrieb leiteten, ging er in miamehen Fällen in die Hände ibranchekundiiger Besitzer über. «So die „Lodiziah", die vor? dem auch in Zentraleuropa als eine Kapazität des Faches bekannten Moskauer Großkaufmiann Schenker erworben wurde, und die „Raanan", die der Leipziger Kaufmann Lieher übernahm und der er in dem fMlIändier Brinkhaus, früher Direktor einer Schokoladenfabrik von Bensdorp, einen fachmännischen Leiter gab. Diese technische Rationalisierung war und ist natürlich mit erheblichen Kapitalaufwendungen verbunden. Denn sie erlordert gerade hier, wo Fabriken oft von vornherein aus Geldmangel oder aus mangelnder Sachkemntnis ohne genügende oder zweckentsprechende hinrlchtung auf ige stellt wurden, umfangreiche 'Neubestellungen von Maschinen. So hat Lieber in die zeitgemäße Umgestaltung der „Raanan" mehrere tausend Pfund gesteckt, Schenker in die Lodziah, und um nicht nur immer von den Großen zu spre-

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