Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Article
Palästina-Touristik
Date
1928-03-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379870-2385877--06616-2386244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

151 Laien sehr wenig; was an fnüinmern und Ueberbleibseln noch steht, wie etwa Caesarea, Sebastie, Gerasa ist sehr sehenswert, aber doch nicht mit dem zu vergleichen, was das benachbarte Aegypten zeigt. Gewiß, der religiös empfindende Christ wird durch die Existenz eines Gartens Gethsemane aufs tiefste erschüttert werden, aber auch er wird ein Gefühl des Widerwillens schwerlich unterdrücken, wenn er dem Streit der Konfessionen, die Unechtheit vieler Traditionen, die Geschmacklosigkeit gerade der heiligsten Stätten zu spiüren bekommt. Anders ist es mit der landschaftlichen Schönheit Palästinas, die viel zu wenig bekannt ist, die den Reisenden oft außerordentlich überrascht und ergreift urid die bei geeigneter Propaganda sehr wohl dem Lande viele Freunde zu erwerben vermag. Dazu kann ein weiterer Faktor kommen, über den bisher nur gesprochen wird: Palästina als ,Bade- und Kuraufenthalt. Das Klima von Jericho ist dem von Heliopolis gleich, wertig; die heißen Bäder von Tiberias bieten große Zukunftsperspektiven; TeUAviv kann sehr wohl seine Badesaison haben; der Karmel oder Safed sind ideale kühle Erholungsplätze im Sommer, die übrigens heute etwa von Aegypten her in steigendem Maße aufgesucht werden. Und, last not least, unsere Arbeit in Palästina gibt dem Lande einen Anreiz, den kein anderes Land aufzuweisen hat: Freilich, das Emek als solches ist keine Sehenswürdigkeit, Der Tourist hat schon schönere Dörfer gesehen. Wer aber nicht nur sieht, sondern auch begreift, wer weiß, daß hier ein Volk nach Jahrtausende langer Trennung zur Landwirtschaft zurückkehrt, wer den Zustand des Emek vor der jüdischen Siedlung kannte, wem neue soziale Formen mindestens ein Gegenstand des Interesses sind, für den wird ein Besuch im Emek vielleicht das lohnendste sein, was Palästina zu geben vermag. Palästina ist heute weit besser dazu gerüstet, als vor dem Kriege, Touristen aufzunehmen. Die Eisenbahnverbindung mit Aegypten, zahlreiche saubere Hotels, gute Chausseen, Bahnlinien und Automobile erleichtern die Palästinareise. Freilich bleibt viel zu tun übrig.. Das Chausseenetz reicht noch lange nicht aus, die Hotels sind relativ teuer, ohne doch eine Konkurrenz mit den ägyptischen aushalten zu können. Ueberhaupt sind die Preise während der Saison in Palästina außerordentlich hoch. Die palästinensische Saison ist kurz, der Reisende, der meistens aus Aegypten kommt, wo um die Pessachzeiit herulm die Saison bereits vorbei ist und die Preise relativ niedrig sind, staunt und ist entrüstet, daß er in Palästina im Hotel, fürs Auto oder an seinen Führer mehr zahlen muß als in Aegypten, das, wie bekannt, die größten Luxushotels der Welt aufweist. Aber diese Mängel werden langsam behoben. Die in den letzten Jahren neu gebauten Chausseen (zum Beispiel jene zwischen den judäischen Kolonien, Ferner Safedi-Metullah, Safed - Akko)., die Fremdenführerverwaltung und anderes helfen auch der Touristik. Wenn der Jaffaer Hafen repariert, der Haifaer fertiggestellt sein wird, wenn endlich die beiden fehlenden Hauptstraßen Jaffa - Haifa und die Emek-Chaussee gebaut sein werden, so wird das alles der Entwicklung der Touristik nützlich sein. Mit einem Wort: Palästina hat die Voraussetzungen, um Touristen anzulocken und kann sie in ausreichender Weise aufnehmen, doch kann und muß noch vieles zur Verbesserung geschehen, Das zionistische Interesse an einer Palästina-Touristik ist ein doppeltes: Die Fremdenindustrie kann eine wichtige Einnahmequelle des Landes werden und vom propagandistischen Gesichtspunkt aus sind wir aufs höchste daran interessiert, daß möglichst viele unsere Arbeit sehen und sie lieben lernen. Was haben wir für die Touristik getan? Bisher nicht gerade nichts, aber doch sehr wenig. Man kann es kurz zusammenfassen: Die Ausbildung einer kleinen Gruppe gut durchgebildeter jüdischer Führer, die Errichtung einer Reisegesellschaft mit unzureichendem Kapital, die Begründung des Zionistischen Informationsbüros, das vor allem mit dem propagandistischen Teil der Angelegenheit beschäftigt ist und einen Reiseführer durch das moderne jüdische Palästina herausgegeben hat. Aus den sonstigen Versuchen im 10*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.