Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 150

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Article
Palästina-Touristik
Date
1928-03-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379870-2385877--06615-2386243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

150 werden, worauf gegessen und ohne weiteren Aufenthalt nach Jerusalem weitergefahren wird« Es folgen ein bis zwei Tage Jerusalem, wobei die Heiligen Stätten der Altstadt, Jordan und Totes Meer, Bethlehem und Hebron besichtigt werden. Dann wird im Sonderzug entweder nach Haifa zurück- oder über Kantara nach Aegypten weitergefahren, wo man nach zwei Tagen Cairo, dann in Port Said oder Alexandrien das Schiff wieder besteigt. Es leuchtet ein, daß man es zweifelhaft finden kann, ob es sich hier um Palästina-Touristen handelt. Es ist eine interessante Tatsache, daß ein sehr erheblicher Teil der Mitreisenden, auch Juden, von der Möglichkeit der Beteiligung am Landausflug keinen Gebrauch machen. In dieser Saison zum Beispiel verzichteten von 351 Passagieren des amerikanischen Schiffes Laurentia 200 darauf, überhaupt an Land zu gehen und zogen es vor, einen vollen Tag ruhig auf dem im Haifa-Hafen liegenden Schiff zu bleiben, ohne den Fuß an Land gesetzt zu haben. Und weitere 50 beschränkten sich auf einen Halibtagsausflug nach Nazareth, worauf sie schleunigst zum Schiff zurückkehrten. Neben diesen „Kreuzfahrern" gibt es freilich auch wirkliche Touristen. Man kann eine Reihe von Typen unterscheiden. Da haben wir zunächst den uns vertrauten Typus des Juden, der, Zionist oder Nichtzionist, jedenfalls an der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina interessiert ist und sie kennen zu lernen wünscht. Diesem Typus sind auch zahlreiche Nichtjuden an die Seite zu stellen, für die eine Fühlungnahme mit den aufbauenden Kräften des Jüdischen Palästina den Hauptreiz der Palästinareise darstellt. Es folgt ein zweiter Typus, der vor dem Kriege allerdings eine weit größere Rolle gespielt hat als jetzt; der christliche Pilger, wie ihn früher Rußland in ungezählten Exemplaren nach Palästina zu schicken pflegte und wie er jetzt noch immer in zahlreichen aus den verschiedensten christlichen Ländern kommt. Alljährlich zum Beispiel kommen viele katholische Gruppen in das Land, ebenso gibt es fast jährlich anglikanische Reisegesellschaften. Weiter kann als gesonderter Typ der Aegyptenreisende gerechnet werden, der Palästina gern als eine kleine Zugabe mitnimmt. Hier rühren wir an eines der Geheimnisse der Palästina- Touristik: Die großen Reisegesellschaften sind mit sehr viel Kapital in Aegypten interessiert, die Nilschiffe sind Privateigentum dieser Gesellschaften, die Mehrzahl der Aktien der großen Hotels sind in ihren Händen. In Palästina hat selbst Cook nur verschwindend wenig Geld investiert. Daraus ergibt sich die Politik der Reisegesellschaften, die stark daran interessiert sind, den Touristen solange als irgend möglich in Aegypten festzuhalten und sehr wenig daran, ihn nach Palästina gehen zu lassen Sie bieten höchstens einige Tage Palästina als kleine Abwechslung. So ist denn auch von diesen Reisegesellschaften bisher nicht das mindeste geschehen, um Paläsüna touristisch zu entwickeln oder eine solche Entwicklung wenigstens von der Regierung zu verlangen, Für die drei oder vier Tage, die Cook seinen Touristen zubilligt, reichen die bestehenden Hotels, Chausseen, Autos und Führer eben au«. Hat Palästina die objektiven Voraussetzungen, um zu einem wirklichen Lande der Touristik zu werden? Besitzt es ferner alle jene Institutionen und Unternehmungen, die dem Touristen den Besuch des Landes zu erleichtern streben? Bei der Beantwortung dieser Fragen muß man sehr sorgfältig zwischen dem unterscheiden, was wirklich vorhanden ist, dem, was sozusagen nur Liebhaiber wert hat und dem, was geschaffen werden kann, aber nicht geschaffen ist, Palästinas Geschichte braucht wahrlich hinter der Geschichte keines einzigen Landes zurückzustehen. Aber während der Italienfahrer am Forum und Colosseum die Größe Roms, in den Uffizien die Zeit der Renaissance lebendig vor sich sieht, während der Aegyptenreisende in erdrückender Füiie die Denkmäler Altägyptens vor Augen hat, bietet Palästina so gut wie nichts, was die Zeit der Propheten oder die Zeit Jesu lebendig vor seinem Auge erstehen läßt. Was die Ausgrabungen Palästinas ergeben haben, bietet dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.