Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Landbesteuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 147 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Mit dieser Betrachtung sind die Vorschläge des Autors nicht erschöpft. Man lese das Buch und forme sich seihst ein Urteil. Auch für die jüdische Kolonisation fordert der Autor eine spezielle Befreiung von Abgaben. Wir werden dies hier nicht im Detail besprechen, sondern bemerken nur, daß der Autor seine Argumente zu sehr von Ländern mit viel unbebautem Land entlehnt, die ihre Bevölkerung, aber nicht Ihre Produktionsmethoden verstärken müssen, indem sie eine große Einwanderung zu sich lenken. IV. Wenn wir mit der großen Verschiedenheit des Standard of life und der Produktionsmethoden rechnen, so glauben wir, die Lösüng in der Verschiedenheit der Steuerobjekte — wobei die obligatorische Registration aller Kontrakte und besonders der Pachtkontrakte eine große Rolle spielt — neben der Steuer nach dem äußeren Kennzeichen des Wohlstandes suchen zu müssen. Wenn wir anraten, dieses Buch zu lesen und dem Autor unsere Anerkennung für seine Arbeit, an der wir großes Interesse gefunden haben, aussprechen, so können wir diese Besprechung nicht beenden, ohne auf einen ernsten Mangel zurückzukommen. Es verlangt niemand vom Autor eine separate Betrachtung der Abwälzung, Uebertragung und Amortisation der palästinensischen Steuern. Trotzdem erscheint es uns -als ein großer Fehler, daß diese Punkte überhaupt nicht behandelt oder angedeutet worden sind. Derjenige, der dem Fiskus die Steuer bezahlt, trägt deswegen noch nicht die Last, Er überträgt diese, resp. wälzt sie so ab, wie es eben unter den ökonomischen und politischen Verhltnissen am besten möglich ist. Die Grundsteuer und bis zu einer bestimmten Höhe ist der „Oscher" eine solche, wird zum Teil (zur Differentialrente) amortisiert. (Darunter ist hier gemeint, daß sie ein Faktor bei der Preisgestaltung ist. Anm. d. Red.) Bei einem freien Grundstückmarkt sinkt bei Einführung einer Bodensteuei der Preis um den kapitalisierten Teil der Steuer. Die Steuer vermindert den Rentabilitätswert des Grundstückes oder des Gebäudes. In Palästina wird diese Wirkung nicht in vollem Maße gespürt, infolge der Macht der Effendis sowie der sogenannten Judenpreise, die für Land bezahlt werden und des Fehlens guter Exekutionsbedingungen bei öffentlicher Zwangsversteigerung. Sicher ist dies so, doch ist das nur ein gradueller und kein prinzipieller Unterschied. Für die anderen Steuern gilt das teilweise -ebenfalls jedoch ist dies beim „Oscher'' am deutlichsten. Umgekehrt steigen natürlich die Grundpreise, wenn der ,,Oscher" ermäßigt oder abgeschafft wird; sie haben diese Tendenz, die bis jetzt nicht völlig zur Auswirkung kommen konnte, aber nichtsdestoweniger besteht. Darüber hat der Autor sich und uns in keiner Hinsicht Rechenschaft gegeben. Und doch würde ihm dies auch praktisch dienlich gewesen sein, denn er hätte den Unterschied in der Wirkung deutlich vor Augen. Granovsky wünscht gewisse Produkte, verständlicher Gründe wegen, welche meistens technischer Natur sind (Seite 97), vom ,,Oscher" zu befreien. Er möchte den ~,Oscher" (reformiert) nur für Stapelprodukte, z. B. Orangen und Getreide, verwenden. Auch hiebei ist dem Autor entgangen, daß die Wirkung des „Oscher" hier ganz verschieden ist. Orangen sind hauptsächlich ein Exportartikel. Der „Oscher" kann hier bei guter Organisation des Marktes vielleicht größtenteils auf den Verbraucher, der im Ausland wohnt, abgewälzt werden, Getreide, um diesen Sammelnamen zu gebrauchen, wird einige Monate nach der Ernte für Preise, die auf dem Weltmarkt gangbar sind und häufig unter dem palästinensischen Kostenpreis liegen, verkauft. Unabhängig davon, ob der Landmann diese Produkte selbst verbraucht oder auf den Markt bringt, bezahlt er, ohne Möglichkeit einer Abwälzung, selbst den „Oscher". Sollte dieser in dem Preis von dafür geeignetem Land diskontiert sein oder nicht? Sollte hier die Preissteigerung die Folge der Abschaffung des „Oscher" zugunsten des abwesenden Effendi sein?