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Palästina · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 146

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Article
Landbesteuerung in Palästina
Date
1928-03-01
Page
Seite 146 (sequence 5)
Language
German
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145 reif sind. Auch eine teilweise Einführung, wie sie ihm anscheinend vor Augen schwebt, würden wir bedauern, weil sie zu einer zu großen Ungerechtigkeit, speziell in Hinsicht auf die jüdische Kolonisation führen würde. Bei dieser Reform müssen wir gegen Aeußerungen des Autors, die dieser in der Weise macht, als ob seine Auffassung nicht anzufechten wäre, Einwendungen erheben. 1. Wenn wir ihn gut verstehen, ist der Autor nicht eingenommen — wenn er es auch nicht deutlich ausspricht — von dem Vorgange in Algier, welcher zwei Systeme kennt: eines für Europäer und eines für Inländer. An sich haben wir am allerwenigsten gegen verschiedene Systeme etwas einzuwenden. Abgesehen von der speziellen Anwendung in Algier, dünkt es uns, daß gerade diese Verschiedenheit Leitgedanke sein muß. Nicht für Araber oder Juden oder Christen, sondern nach den verschiedenen Produktionssphären getrennt. Wenn sich dann die Kategorien Europäer und Inländer mit den verschiedenen Produktionsweisen decken, wie es z. B. in Algier der Fall ist, dann haben wir einen Ausgangspunkt gewonnen, auf dem wir weiterbauen können. Der Autor hat hierin einen Anlauf genommen, doch hat er den Sprung zu kurz gemacht. Beim Aghnam (Viehsteuer) spricht er für eine Abschaffung dieser Steuer (S. 61), er will sie jedoch für die Nomaden (Beduinen) aufrechterhalten. Mit Recht, denn diese sind allein nach dem äußeren Kennzeichen ihres Wohlstandes, das ist nach ihrem Besitz an Vieh, zu besteuern. Es will uns dünken, daß hierin der richtige Weg für Palästina liegt, um die Vermehrung der Einnahmen, die als Folge einer Herabsetzung der großen Besteuerung des Ackerbaues nötig werden wird, zu ermöglichen. Die geringeren Einkünfte würden wir wieder durch die verschiedenen Steuern, hauptsächlich nach äußeren Kennzeichen des Wohlstandes, wettmachen. Die Revenuetaxe würden wir im Gegensatz zum Autor nur später und in sehr spezifizierter sowie primitivster Form anwenden. 2. Der Autor spricht mit viel Gefühl, und gestützt auf Bentham und Stuart Mill, für die Einführung eines steuerfreien Einkommens. Wir bezweifeln stark, daß danach in diesen Verhältnissen gestrebt werden muß. Für eine Einkommensteuer erachten wir ein steuerfreies Einkommen als notwendig, umsomehr, als die Klassen, die darunter fallen, doch ohnehin schon unverhältnismäßig schwer an den indirekten Steuern zu tragen haben. Bei der Unmöglichkeit, eine Einkommensteuer oder etwas ähnliches in Palästina durchzuführen, scheint uns diese Forderung eines steuerfreien Einkommens mehr vom moralischen, als vom fiskalischen Standpunkt zu befürworten zu sein. Die sehr komplizierte Regelung, die der Autor ausgedacht hat, scheint uns wenig praktisch zu sein und nur einen Grund zu neuen Ungerechtigkeiten zu bilden. Es ist doch in Palästina so, daß ärmste Klassen mit ungleichem Minimaleinkommen in den verschiedenen Produktionssphären bestehen, indessen die ärmsten Fellachen wahrscheinlich wenig durch die indirekten Steuern auf Verbrauch und eingeführte Artikel betroffen werden. 3. Eine Anwendung des Oscher" auf das Nettoeinkommen (um den eigenen Verbrauch vermindert oder nicht) findet nicht unsere Zustimmung,, was sich aus dem obenstehenden von selbst ergibt. Wir möchten nur hinzufügen, daß hier die Anwendung von Durchschnitten zu noch mehr Schwierigkeiten führt, als bei der jetzt bestehenden Preisbestimmung des Bruttoproduktes, welche durch ein Restitutionsrecht zu verbessern wäre. Wir sehen ebenso wie der Autor in der Ablösung des Oscher" durch eine Grundsteuer im weiteren Sinne eine Lösung. Mit Recht sagt der Autor im voraus, daß die Durchführung dieser Reform 20 Jahre benötigen würde. Die Trennung des „Oscher" vom „Werko" für Ackerbau und Stadtgrund ist eine sehr wichtige Verbesserung; wenn uns auch scheint, daß die Nachteile der „Land tax" vom Autor wahrscheinlich unterschätzt werden, gerade bei ihrer Unabhängigkeit von Mißernten.

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