Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Landbesteuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 3)
- Language
- German
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144 sehen Sinn, als über die Steuer, die dem Kaiser bezahlt werden muß. Der Oscher ist viel älter als der Koran und, wir können es nicht oft genug wiederholen, er hängt eng zusammen mit den Phasen der Produktion. Uebnügens schreckten weder Abd ul Aziz noch sicherlich die heutige türkische Regierung davor zurück, das Recht, Steuer auf religiöser Grundlage zu zahlen, anzugreifen, wenn das die Produktionsverhältnisse rötig machen. Nicht zu vergessen ist dabei, daß in Palästina, wo der Oscher an die ..ungläubige" englische Regierung bezahlt wird, dieser religiöse Charakter gänzlich weggefallen ist. In ökonomischen Angelegenheiten bestimmt der Ursprung einer Einrichtung nicht das Wesen der Sache, wenn seit dem Beginn derselben andere Verhältnisse eingetreten sind. Im politisch-ökonomischen Bereiche gibt der Autor hievon einen unbeabsichtigten Beweis. Anfänglich wurde in den von den Kalifen unterworfenen Ländern den Besiegten nicht erlaubt, den Oscher zu bezahlen, sondern sie mußten eine der Kategorien ,,Kharay" oder ,,Uchr" bezahlen. Dies wurde als eine Demütigung angesehen. Doch dies steht nicht vereinzelt da. Anfänglich waren die ,,Kapitulationen" für die Nicht-Moslems erniedrigende und von der Pforte ausgehende, einseitige Gnadenbriefe. Wenn darin die Rechtssprechung für die Nicht - Moslems extra geregelt war, so war das darum, damit den „ungläubigen Hunden" nicht nach dem Koran Recht gesprochen wurde. Was die Entwicklung aus den Kapitulationen gemacht hat und welche Partei dadurch erniedrigt wurde, ist zu allgemein bekannt, ura darüber hier zu sprechen. Derartiges Ausnahmsrecht steht nicht vereinzelt da; Rom, die Häfen am Mittelmeer, und zum Schluß als Vorbild das Magdeburger Stadtrecht haben, hier religiöser, dort lokalnationaler Ueberlegungen wegen, alle aber um den Handel mit dem Ausland möglich zu machen, derartige Regelungen entstehen und wieder verschwinden lassen. Wichtiger ist, was wir als Ausgangspunkt und richtunggebend betrachten, daß ,,Oscher' und „Zehent" lange vor Moses und Mohammed günstig wirkende Steuern waren, die infolge der ökonomischen Entwicklung fortwährend geändert wurden und die erst durch das Hineinziehen der betreffenden Landeswirtschaften in den Weltmarkt unmöglich geworden sind. Auf eine Prüfung des Materials an diesem Entwicklungsgang hätten wir Wert gelegt und vielleicht hätte dies die Reformierungspläne des Autors beeinflußt. TT. Diese Besprechung würde zu weit führen, wenn wir die folgenden Kapitel ausführlich betrachten wollten. Jede der Landsteuer wird vom Autor kritisch be_ schrieben und zum Schluß werden die Veränderungen im System und in der Anwendung auch außerhalb Palästinas betrachtet. Auch das wurde nicht allein mit großen theoretischen Kenntnissen, sondern auch mit praktischer Erfahrung gemacht. Differenzen in der Auffassung sind hier nur in den Details und in der Würdigung verschiedener Uebelstände möglich, daher nicht von Bedeutung. Mit Freude konstatieren wir dabei, daß Granovsky nicht die übertriebene palästinensische Auffassung teilt, daß der „Oscher" vom Bruttoprodukt, eine Verbesserung der Ackerbauproduktion gänzlich unmöglich macht. Der Autor behandelt das nur nebenbei, doch hat er sich bei diesem Punkt unzweifelhaft über das Gesetz der abnehmenden Rentabilität bei intensiverer Kapitalsinvestition im Ackerbau Rechenschaft gegeben. Gerade wenn man mit dieser Tendenz rechnet, wird man vor einer Uebertreibung der nachteiligen Wirkung einer Brutto-Produktionssteuer bewahrt. Es liegt hier ein Proportionsfall vor, und zwar zwischen der tatsächlichen Zunahme der Produktion per Einheit im palästinensischen Landbau durch die Anwendung der sogenannten europäischen Technik und den dafür nötigen kapitalsintensiven Betriebsformen. Ein wichtiges Kapitel aus den Problemen des Aufbaues.