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Palästina · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 143

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Article
Landbesteuerung in Palästina
Date
1928-03-01
Page
Seite 143 (sequence 2)
Language
German
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143 Auch noch eine zweite Unterlassung kann man nicht entschuldigen, die beim weiteren Studium als ein ernstes Gebrechen auffällt: Es werden später derartig« Ziffern, die unter dem Eindruck des ersten Kapitels entstanden sind, gebraucht, um die Lasten zu illustrieren, die den palästinensischen Land'bau (hier im weitesten Sinn genommen) drücken. Nirgends im Buch erscheint deutlich, daß der Autor sich genügend vor Augen gehalten hat, daß derjenige, der dem Fiskus die Steuer bezahlt, darum noch nicht an und für sich den Steuerdruck trägt. Steuer wird übertragen, abgewälzt — und für eine Studie über Grundsteuer, sei mit großem Nachdruck daran erinnert — amortisiert. Besonders wenn man sich mit der Reform des fiskalischen Systems beschäftigt, möge man, wie schwer die Materie auch sei, und wenn es auch ausgeschlossen ist, ihr bis in die äußersten Konsequenzen nachzugehen oder die Grenzen zu bestimmen, hierauf in großem Maße seine Aufmerksamkeit richten. Wir fühlen diesen Mangel als eine große Lücke dieser ökonomischen Studie und kommen noch darauf zurück. (Wir bemerken hiezu, daß Dr. Granovsky in dem Aufsatz im vorliegenden Heft über „Werko" die Abwälzung sehr genau in Rechnung zieht. Die Red.). Wir glauben doch nicht fehl zu greifen, wenn wir die wichtige Studie Granovskys als eine ökonomische ansehen, die die Erneuerung des Steuerwesens Palästinas fördern will. In diesem Zusammenhang — und wir beschränken uns in dieser Besprechung auf die Hauptsachen — würden wir eine andere Zusammenstellung dieses Buches vorgeschlagen haben. Wir stimmen dem Autor in der Meinung bei, daß eine historische Uebersicht über Oscher und Werko schwer außer acht gelassen werden kann. Der Unterschied in der Anschauungsweise zwischen ihm und uns, der auch zu einer Verschiedenheit der Schlußfolgerungen führen wird, hat zur Folge, daß wir einer anderen historischen Uebersicht den Vorzug gegeben haben würden. Die Darstellung der Entstehung der verschiedenen Land- und Steuerkategorien in den einzelnen mohammedanischen Ländern könnte vielleicht nicht gut entbehrt werden. Die diesbezüglichen Auseinandersetzungen des Autors zeigen eine große Belesenheit und sind ein Gewinn für die zionistische Literatur, wenn auch noch Platz für eine andere Auslegung bestimmter Tatsachen übrig bleibt, Im Prinzip jedoch ist es für den praktischen Reformator nicht so sehr von Bedeutung, daß zum Beispiel der Oscher mit religiösen Bräuchen verbunden ist, oder daß die Trennung der steuerpflichtigen Gebiete in Kategorien, die Folge der Eroberung (Bildung einer Art von Lehenssystemen) und Ausbreitung des Kalifats ist. Mehr Bedeutung besitzt in großen Zügen die historische Entwicklung des Zehent in überwiegend naturalwirtschaftlichen Gemeinwirtschaften, die auf Ackerbau beruhen, in Ländern, wo daneben noch eine Industrie zur Entwicklung kommt, oder auch, wo der Ackerbau seinen stabilen und primitiven Charakter verliert und zum Schluß dort, wo die Landesproduktion von Getreide in den Weltmarkt einbezogen wird. Gerne hätten wir es gesehen, wenn dies der Autor in großen Zügen auch für Gebiete außerhalb des Mittelmeerbeckens entwickelt hätte, und sicher wäre ihm diese Aufgabe nicht zu schwer gefallen, weil dies hauptsächlich an den Phasen der Produktion darzustellen ist und gegeneinander wenig abweicht. Auf diese Weise hätte der Autor wahrscheinlich auch eine wertvolle Einsicht für die Revision des Steuerwesens Palästinas gewonnen. Solange über Landreform in Palästina geschrieben werden wird, wird der 142. Vers der 6, Sure des Koran gegen eine Revision ins Treffen geführt werden Der Autor teilt mit Recht nicht die Meinung Ruppins, welcher der Ansicht ist, daß sich die mohammedanische Bevölkerung mehr oder weniger religiöser Ursachen wegen, gegen eingreifende Verändjerungen im Steuerwesen, speziell im Osch er. auflehnen würde. Zu Unrecht beruft man sich auf diese Koranstelle, denn jener Vers spricht über den Zehent nicht so, wie dies die Thora tut, imperativ, sondern im evangeli-

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