Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Landbesteuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 142 (sequence 1)
- Language
- German
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142 Landbesteuerung in Palästina. (Das neue Buch von Dr. A. Granovsky.) Von Nehemia de Lieme, s'Gravenhage. War halben die englische Ausgabe dieses Buches bereits kurz .angezeigt (Nr. 10/11 1927, S. 558). Inzwischen ist, wie in iNr. 1/2 1928 berichtet, dlie deutsche Ausgabe erschienen. Wir freuen uns, nachstehend einen Auszug aus einer im „Joodschen Wächter" erschienenen Besprechung des Werkes aus ider Feder iNehemiia de Liemes bringen zu können, des langjährigen Leiters dies Keren iKajemet'h und zeitweiligen Mitgliedes der Exekutive, dessen theoretische Kenntnisse in dieser Materie,, über die er zahlreiche Abhandlungen veröffentlicht ibat, außerordentlich geschätzt werden. Die Red. I. In einem anderen Lande — speziell in einem westeuropäischen — würde der Titel „Landbesteuerung" eine Einschränkung beinhalten. In Palästina umfaßt er der Hauptsache nach das gesamte fiskalische System. Der Autor hat das erfaßt und sein Buch ist daher eine kritische Betrachtung des herrschenden fiskalischen Systems. Diesen Unterschied heben wir hervor und müssen im Laufe dieser Besprechung immer wieder darauf zurückkommen, auch dort, wo wir der Meinungsäußerung des Autors mehr oder weniger kritisch gegenüberstehen. Palästina war früher ein Land von überwiegend landwirtschaftlicher Struktur, in welchem häufig „Naturalwirtschaft" herrschte, der Geldverkehr minimal war und Handel und Industrie geringen Umfang hatten. Das fiskalische System hat sich aus der Naturalwirtschaft entwickelt. Der Ausdruck „entwickelt" könnte hier Verwirrung hervorrufen, denn das fiskalische System ist nicht über jenes Stadium hinausgekommen. Auch jetzt noch bestehen die verschiedenen Produktionsstufen nebeneinander. Das hergebrachte fiskalische System ist ein Hemmnis für die eingetretene ökonomische Entwicklung. Eine Aenderung ist schwer möglich, weil, wie gesagt, die ökonomischen Sphären verschiedener Perioden nebeneinander bestehen blieben. Hier liegt das Problem und der Autor ist sich über dessen Kompliziertheit zumeist klar gewesen. Mit vielem Fleiß und großen Kenntnissen behandelt Granovsky nacheinander das fiskalische System im allgemeinen, die verschiedenen Quellen der Regierungseinnahmen, die Geschichte des Zehent, die Nachteile der verschiedenen Steuern und die letzten Aenderungen derselben, die Revision in anderen Mittelmeergebieten, Vorschläge für eine Steuerreform für Palästina und zum Schluß für den Aufbau besonders Wünschenswertes auf fiskalischem Gebiet. Er tut das alles auf solche Art — mit Recht sehr knapp, übrigens mit übersichtlichen Tabellen erläutert — daß jeder Leser (auch der nicht ökonomisch geschulte) sich über den für uns Zionisten so besonders wichtigen Gegenstand eine klare Vorstellung machen kann. Sehr lehrreiche Tabellen geben uns einen Eindruck über die Wichtigkeit von Oscher (Zehent), der Werko (teils Grund-, teils Gebäudesteuer), der Aghnam (Viehsteuer) und der Rassem (Abgabe bei Eigentumsübertragung) für das palästinensische Budget. Man könnte indessen den Eindruck bekommen, besonders beim weiteren Lesen des Busches, daß das die gesamte Last sei, die den Landbau drückt. Dies würde nicht richtig sein und ist auch vom Autor nicht so gemeint, denn deutlich läßt er durchblicken, daß Werko- und Registrationstaxe auch Beziehung haben auf sogenannte ,,urban lands*' (städtischer Boden). Eine Trennung — wenn es die Statistik ermöglicht — wäre erwünscht gewesen. In diesem Zusammenhang ist es uns nicht klar, warum in Tabelle IV (S. 15) der Aghnam nicht aufgenommen ist.