Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Das Problem der Teuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 115 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379870-2385872--06572-2386208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
115 tretende Fortschreiten des Landes ohne eine fortgesetzte Zufuhr von Kapitalien nicht möglich ist. Dieser Kapitalimport wird nur kommen, wenn er Hand in Hand mit einer Einwanderung erfolgt, mit anderen Worten: Da Kapitalisierung und Bevölkerungsvermehrung in Palästina als Entwicklungsantriebe unentbehrlich sein werden, wird auch künftig wieder mit einer Kapital- und Immigrationswelle die Tendenz zu höheren Preisen begünstigt werden. Verstärkt wird diese Disposition noch durch das schon oben hervorgehobene Verhältnis zwischen Landesproduktion und Landesbedarf, zwischen realem Volkseinkommen und Bedarf der Volkswirtschaft für Konsum und Produktionszwecke: Wir kommen zum Schluß und fassen zusammen: die Bewegung der Lebensmittelpreise in Palästina nach dem Kriege kann nicht ohne Zusammenhang mit der Bewegung der Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt betrachtet und erklärt werden, Wie oben im einzelnen dargestellt, erreichen diese Preise in der ganzen Welt (abgesehen von den Inflationsländern) ihren Höhepunkt im Jahre 1920 und fallen dann in mehr oder weniger großen Abstufungen bis zum Jahre 1924, wo ein kurzer Aufstieg erfolgt, der seinen Höhepunkt im Winter 1924/25 erreicht. Von da ist wieder ein Abgleiten zu verzeichnen. In Palästina ist die rückläufige Bewegung der Preise im Jahre 1925 schwächer und setzt erst einige Monate später ein, da dort durch die Masseneinwanderung und den Kapitalzufluß des Jahres 1925 preissteigernde Tendenzen entstanden und die entgegengesetzte Entwicklung eine Zeitlang paralysieren konnten. Entscheidend aber für die Beurteilung der palästinensischen Preissituation ist, daß die durchschnittlichen Steigerungen der Lebensmittelpreise gegenüber den Vorkriegspreisen Palästinas vom ersten Nachkriegsjahre an bis zur Gegenwart weit größer sind als in anderen Ländern mit stabiler oder annähernd stabil gebliebener Währung. Während die Indices in diesen Ländern heute meist einen Stand von etwa 140—150 aufweisen, d. h. die Steigerung gegenüber 1914 jetzt etwa 50% beträgt, ist sie in Palästina im Kleinhandel auch jetzt noch über 100%, im Großhandel dagegen sogar noch über 150%. Das gleiche gilt entsprechend für die ersten Nachkriegsjahre, wo die Preise in Palästina das Vier- und Fünffache des Friedensstandes erreichten, während sie anderwärts, wenn nicht inflatorische Preissteigerungen eintraten, kaum das Doppelte der Vorkriegspreise erreichten. Der absolute Stand der Preise ist dagegen heute trotz der relativ höheren Preissteigerung in Palästina nicht erheblich höher als anderwärts (wenn wir von den Produkten absehen, die hier besonders ungünstigen Produktionsbedingungen unterworfen sind). Dies erscheint zunächst auffallend, erklärt sich aber durch den niedrigen Stand der palästinensischen Vorkriegspreise, die bei Errichtung des Preisniveaus der wirtschaftlich entwickelten westlichen Länder bereits eine erhebliche Preissteigerung hinter sich hatten. Zur Erklärung der Preisentwicklung nach dem Kriege hatten wir drei Ursachenreihen herangezogen, die zwar die Hauptrichtung der durch die Weltmarktpreise vorgeschriebenen Entwicklung nicht zu ändern vermochten, aber die für Palästina charakteristischen Ausschläge und Fluktuationen hervorriefen. Mit welchem Maß dabei im einzelnen die oben aufgeführten Faktoren — die Einführung der ägyptischen Währung, die fortgesetzte Zufuhr von Kapitalien und die Vermehrung der Bevölkerung des Landes durch europäische Elemente (und die dadurch bewirkte Strukturänderung vor allem der städtischen Wirtschaftsgebiete im Sinne einer