Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Article
- Das Problem der Teuerung in Palästina
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 116 (sequence 16)
- Language
- German
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116 Europäisierung) — an der Steigerung der Preisniveaus beteiligt waren, läßt sich nicht genau angeben. Sicher ist, daß nur durch das ungünstige Zusammentreffen und Zusammenwirken dieser Faktoren, das bis zur Gegenwart unvermindert anhielt und für diesen Teil des Orients eine neue Epoche seiner Wirtschaftsgeschichte einleitet, die große Preisdistanz zu den Vorkriegspreisen geschaffen wurde. Eine Rückkehr zu diesen Vorkriegspreisen ist nicht möglich, da die heutigen Preise eben auch gleichzeitig ein Ausdruck dieser neu begonnenen Wirtschaftsepoche sind. Selbst wenn es gelingen sollte, mit einer Preisreduktion in anderen Ländern auch das Preisniveau in Palästina auf das Vorkriegspreisniveau dieser Länder zu reduzieren, wäre immer noch ein Abstand zu dem Vorkriegspreisniveau in Palästina vorhanden. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, daß es unmöglich war, der außerordentlichen Preisentwicklung in Palästina nach dem Kriege entgegenzutreten. Man kann zumal der Regierung nicht den Vorwurf ersparen, daß sie in den ersten. Nachkriegsjahren auf diesem Gebiete versagt hat; ja sie hat sogar durch, ein unglückliches System der Einfuhrkontrolle nach der Okkupation, durch hohe Tarife und Frachtsätze die preissteigernden Tendenzen geradezu begünstigt und sich erst nach und nach bereit gefunden, ihre fiskalische Politik zu mildern. Auch in anderen Kreisen hat man wenig Verständnis für eine Politik der Niedrighaltung der Preise und für die Methoden gehabt, die zu diesem Ziele führen sollten. Offizielle zionistische und andere Institutionen, bis zum Kleinhandel herunter, beteiligten sich kritiklos an der Schöpfung neuer Kaufkraft durch eine wirtschaftlich unbegründete Ausgabe von. Wechseln, »Zetteln« und anderem Geldersatz und schufen damit mit eine Voraussetzung für die inflationsähnliche »innere Geldentwertung« auf den städtischen Märkten Palästinas. Auch bei den neuen Einwanderern bestand, wie schon oben hervorgehoben, wenig Klarheit über diese Zusammenhänge. Nicht nur, daß die von ihnen verzehrten Einkommen weit über das Maß dessen hinausgingen, was bei einer gesunden Schichtung und unter entwickelteren Produktionsverhältnissen in einem Lande wie Palästina als wirtschaftlich gerechtfertigt zu bezeichnen ist — niemand erwartet von europäischen. Einwanderern, daß sie sich dem Standard eines Fellachen anpassen <— abgesehen davon, verbrauchten sie in einer Vielzahl von Fällen mehr, als ihre tatsächlichen Geldeinkommen betrugen. Instruktiv dafür ist eine Aufstellung über Verdienst und Ausgaben von 103 Arbeiterfamilien in Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa, die in der oben erwähnten Enquete der P. Z. E. über Lebenskosten aus dem Jahre 1926 näher behandelt wird, Von diesen 103 Familien gaben in dem betreffenden Aufnahmemonat 70. also mehr als die Hälfte, mehr aus als sie verdienten, obwohl es sich um Familienväter mit regelmäßigen Arbeitseinkommen handelte. Leider schweigt sich der Bericht der Exekutive über diesen sehr interessanten. Punkt vollständig aus.*) Das Preisniveau innerhalb einer Volkswirtschaft ist eine Funktion des realen Volkseinkommens. Dies gilt es sich vor Augen zu halten, wenn man die Frage nach der mutmaßlichen künftigen Entwicklung beantworten will. Da Kapitalimport in Form von Investierungen und flüssigen. *J Da der Begriff der Lebenskosten bei der Uneinheitlichkeit der jüdischen Bevölkerung in Palästina recht schwankend ist, wurde in diesen Ausführungen von seiner Verwendung möglichst abgesehen. Es schien zuverlässiger, die Schlüsse aus den Bewerfungen der absoluten Lebensmittelpreise zu ziehen.