Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Frage der Organisation des Milchabsatzes
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 4)
- Language
- German
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69 Kredit zu verkaufen, da sie bloß 30—40% in barem erhalten, den Rest in 3—4 Monatsraten oder Bons des Maschbir. In Tel Awiw ist die Lage noch unbefriedigender, trotz der relativ hohen Preise, welche in den letzten vier Monaten (vor dem 1. Oktober) den Produzenten gezahlt wurden. Diese hohen Preise wurden auf Kosten zum Teil der Emekproduzenten, zum Teil der Konsumenten gezahlt. Bei richtigen Marktmethoden hätten die Konsumenten bloß zehn statt zwölf Piaster per Rottel zu zahlen gehabt und die Produzenten hätten fast denselben Betrag für ihre Milch erhalten können als beim Zwölf-Piasterpreis und außerdem hätten sie die Zahlung vollständig in barem und sofort erhalten können. In Tel Awiw gibt es vier hauptsächliche Verkäufer für jüdische Milch: zwei kooperative und zwei private Händler, die miteinander trotz eines Waffenstillstandes konkurrieren. Diese Milchverteiler, Mechalkim, die Zwischenhändler, kontrollieren den Markt und sie werden so lange die Macht behalten, als das gegenwärtige Konkurrenzsystem bestehen bleibt. Tel Awiw mit seiner Umgebung von Orangenpflanzungskolonien — die nicht Milchproduzenten sind — wird nicht imstande sein, ein maximales Quantum von Emekmilch aufzunehmen, bevor nicht das Marktproblem durch die vereinigten Bemühungen wenigstens der beiden kooperativen Verkäufer gelöst werden wird. Die Regulierung des Milchmarktes hängt enge zusammen mit der Verbesserung der gegenwärtig herrschenden chaotischen Verhältnisse des Marktwesens von Tel Awiw. Jerusalem ist noch in bezug auf Absatz jüdischer Milch in den Anfängen. Die Produzenten von Kirjat Anawim und Ataroth liefern weniger als ein Viertel der in Jerusalem konsumierten Milch. Die Produzenten dieser zwei Kolonien haben sogar ihre Tore denen von Motza (mit einer Ausnahme) verschlossen. Sie sind in ihren Tendenzen monopolistisch. Und gerade Jerusalem kann als großes Milchverbrauchszentrum für die Kolonien im Emek und in Judäa entwickelt werden. Hier ist noch ein großes Feld. Es ist meine persönliche Meinung, daß Jerusalem samt Distrikt den Schlüssel zur Xösung der durch die vermehrte Produktion entstandene Absatzfrage liefern kann. Wenn auch die gegebenen Ziffern nicht ganz genau sind, so bleibt die Tatsache des unbefriedigenden Standes des Marktes für Milch bestehen. Die Schwierigkeiten werden sich durch die Vermehrung der Produktion noch steigern, bis nicht die Produzenten aller Distrikte sich enger zusammenschließen. Der Lokalgeist muß einer mehr nationalen Geistesverfassung weichen. Es ist nötig, großzügiger zu sein und. die Erzeugung sowie das Aufbewahren der Produkte auf eine breitere Basis als bisher zu stellen. Es handelt sich um ein System, bei welchem erreicht werden könnte, daß 1. die Erzeuger den höchstmöglichen Preis erhalten; 2. die Konsumenten bessere Qualität zu billigerem Preis kaufen, wodurch der Konsum gesteigert werden kann; 3. die Kosten des Vertriebes vermindert werden durch Herabsetzung der Zahl der zentralen Verkäufer und Herstellung eines direkten Kontaktes zwischen Produzenten und Konsumenten. Heute erhält der Zwischenhändler 30% und mehr vom Detailverkaufspreis; 4. die Erzeugung von Milchprodukten zunehmen und die Verbesserung der Qualität gesichert werden wird, wodurch der Import vermindert werden kann. Dies kann erreicht werden durch folgenden Vorgang beim Verkauf: Haifa. 1. Alle Produzenten des Emek, Jordantales und Galiläa, ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit, sollten in einer kooperativen Gesellschaft vereinigt werden. Die gegenwärtige Abteilung für Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse muß vom Maschbir abgetrennt werden. Alle Milchproduzenten sollten als Mitglieder zugelassen werden, vorausgesetzt, daß sie sich den Anordnungen der Gesellschaft fügen. 2. Wenn die deutschen Produzenten nicht als Mitglieder zugelassen werden können, muß die von ihnen erzeugte Milch zum Vertrieb (in Kommission) und zur Erzeugung von Milchprodukten übernommen v/erden. Es ist unbedingt nötig, die Verteilung nahezu aller Milch in einer Institution zu zentralisieren.