Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379869-2385484--06334-2385746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
65 Leistungsfähigkeit der Arbeiter, als auf eine entsprechende Organisation und richtigere Arbeitsmethoden des Amtes zurückzuführen, hauptsächlich auf eine gleichmäßigere Verteilung der für die verschiedenen Arbeitsarten ausgesetzten Preise sowie auf die Partizipierung der Arbeiter an dem für die Aufsicht bestimmten Betrage. Dieses Amt hat also in der Zukunft eine besonders wichtige Aufgabe zu erfüllen, indem es durch Einführung besserer und fortschrittlicher Arbeitsmethoden, ausgiebigere Anwendung von Maschinen, bessere Organisation der Arbeit, Beistellung von entsprechenden Arbeitsgeräten usw. usw., den Arbeiter auch entsprechend schulen und verwenden und ihn durch allerlei Mittel zur gesteigerten Leistungsfähigkeit und Produktivität anhalten wird. Es sei hier auch der Verdienste der genossenschaftlichen und kollektiven Arbeitsundi Lebensgemeinschaften (Kibuzzim und Chawuroth) erwähnt, die durch ihre stramme und zweckmäßige Organisation äußerst viel zur Schulung und Angewöhnung des jungen und unerfahrenen Elementes, das die vierte Alijah ins Land und in die Kolonie brachte, beigetragen haben, und die darum zu einem der wichtigsten Istrumente der Arbeiterschaft in ihrem Kampfe um die Eroberung der Arbeit in den Kolonien wurden. 3. Das gesteigerte Arbeitseinkommen des Koloniearbeiters ist auch besonders dadurch zu erzielen, daß man ihm zu neuen Einkommensquellen verhilft. Wie gesagt, ist das so niedrige Arbeitseinkommen hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß der Arbeiter einen großen Teil des Jahres unfreiwillig feiern muß. Diesem Uebelstand hat man dadurch abzuhelfen gesucht, daß man dem Koloniearbeiter zu einer Hilfswirtschaft verhalf, die seine Lage verbessern sollte, indem sie ihm ermöglichte, seine freie Zeit produktiv in seiner Wirtschaft zu verwenden. Doch damit diese Verbesserung seiner Lage erzielt werden könnte, müßte man diesen Hilfswirtschaften eine Form verleihen, die den Arbeitsmarktverhältnissen der Kolonie vollkommen angepaßt wäre, d. h. daß der Arbeiter diese seine Wirtschaft nur in seiner wirklich freien Zeit zu bearbeiten imstande und nicht gezwungen wäre, gerade während der Arbeitssaison in der Kolonie auch seiner eigenen Wirtschaft nachzugehen, falls er sie nicht vernachlässigen sollte. Nun war man meistens bei Gründung dieser Wirtschaften an die gegebenen Bedingungen gebunden und konnte nur in Ausnahmefällen den erwünschten Erfolg erzielen. Meistens konnten die Hilfswirtschaften nur zu einem Teile ihre Aufgabe erfüllen, und zwar den Arbeitern Arbeit verschaffen, für die ein großer Teil der Koloniearbeiten verschlossen ist. Wo auch dies nicht der Fall war, konnten diese Wirtschaften nur eine sehr problematische und oft nur illusorische Hilfe leisten. Um dieses Problem zu lösen, müßte man nach einem systematisch ausgearbeiteten, den gegebenen Bedingungen angepaßten Plan vorgehen. Dieser Plan müßte naturgemäß — sollte er seine Aufgabe erfüllen— ein auf breiter Basis angelegter Ansiedlungsplan der Koloniearbeiter werden. Denn nur dieser Weg kann die Frage des Ei n d r i n g e n s des jüdischen Arbeiters in die Kolonie und der Eroberung ihrer Arbeitsposition durch ihn endgültig und radikal lösen. Er erfüllt die sehnsüchtigen Erwartungen der schwer um ihre Existenz kämpfenden Arbeiter, die nur in der Erfüllung dieser ihrer Hoffnung auf endgültige Ansiedlung Kraft zur Fortsetzung ihrer Anstrengungen schöpfen. Es ist auch bei den gegebenen Bedingungen der einzige Weg zu einer Massenansiedlung überhaupt, da er mit verhältnismäßig geringen Mitteln hunderten und tausenden Familien einen vorläufigen Stützpunkt zu schaffen imstande ist. Es wird die Aufgabe der 5