Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
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64 mit der Liquidierung seiner so schwer erkämpften Bestrebungen und Ziele anfangen müssen. Eine Steigerung seines Einkommens ist nun auf folgende Weise zu erwarten: 1, Die Steigerung seines Reallohnes hauptsächlich durch Beschaffung billiger Wohngelegenheiten, billiger und gut organisierter Küchen und durch allgemeine Sorge für Erleichterung der schweren Lebensbedingungen des Koloniearbeiters in materieller und kultureller Beziehung. In dieser Hinsicht ist bereits so manches geleistet worden, in erster Linie wurde für Wohnungen ziemlich ausreichend gesorgt. 2. Die Hebung des effektiven Arbeitslohnes entweder im Wege der Hebung des Nominallohnes des Arbeiters oder im Wege der Steigerung seiner Arbeitsproduktivität und was daraus folgt, seines Arbeitsertrages. Der erste Weg scheint der einfachste zu sein, ist aber der kompliziertere und der schwierigere. Denn abgesehen davon, daß der Kolonist nur äußerst ungern und nur, wenn er dazu gezwungen ist, in eine Preissteigerung einwilligen wird, und angenommen sogar, daß der Arbeiter sich die Lohnsteigerung durch Zuhilfenahme nationaler Institutionen und des öffentlichen moralischen Druckes oder durch die Kraft eigener Organisation erzwingen kann und wird, so muß bei dieser Steigerung nicht nur das Interesse des Arbeiters, sondern auch das des Betriebes und seiner Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit erwogen werden. Nun gibt es zweifellos eine ganze Reihe von Produktionszweigen (darunter die wichtigsten, wie z. B. der Orangenanbau), in denen eine Lohnsteigerung ohne weiteres möglich ist.*) Dagegen gibt es in der Landwirtschaft noch eine ganze Menge von Arbeitszweigen, in denen eine einfache Steigerung des Lohnes die Unrentabilität des Zweiges nach sich führen würde. Es müßte also entweder von unbeteiligten Faktoren eine gleitende, den verschiedenen Arbeitszweigen angepaßte Lohnskala, festgesetzt werden, oder aber müßte man eine ganze Reihe von Produktionszweigen, falls sie ersetzbar sind (und sie sind es meistenteils), durch andere ersetzen, respektive durch neue Arbeitsmethoden ihre Rentabilität entsprechend heben. Der zweite Weg: die Hebung der Leistungsfähigkeit und der Arbeitsergiebigkeit des Arbeiters, und was daraus folgt, auch seines Arbeitsertrages, hat selbstverständlich seine gewissen natürlichen Grenzen, Daß jedoch in dieser Hinsicht sehr viel zu erreichen ist, ist bekannt. So hat z. B. bei ein und derselben Arbeit, die in denselben Bedingungen durch verschiedene Arbeitergruppen durchgeführt worden ist, eine aus Neulingen bestehende Gruppe einen Arbeitsertrag von kaum 8 Piaster, eine aus Arbeitern, die früher eine entsprechende Ausbildung genossen haben, zusammengesetzte, bereits etwa 14 Piaster, und eine aus alten und erfahrenen Koloniearbeitern bestehende Gruppe sogar 22 Piaster oder mehr erzielt. Aus einem der letzten Berichte des »Amtes für landwirtschaftliche Arbeiten bei der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation« (Misrad kablani) kann man ebenfalls ersehen, daß in den von dem Amte ausgeführten Arbeiten die Arbeiter durchschnittlich einen höheren Betrag als Arbeitslohn erzielt haben, als der in den Kolonien übliche Lohnsatz beträgt. Dieser Ueberschuß ist im obigen Falle weniger auf die gesteigerte *) Bei den Orangenplantationen liegen die Dinge z, B. in sehr abgerundeten und nur approximativen Zahlen, wie folgt: 1 Dunam ertragsfähiger Orangen trägt brutto 20 P. t., davon zirka 70 Prozent, also 14 P. t. netto. Von den Ausgaben sind etwa 65 Prozent Arbeit. Es würde also eine etwa 14 prozentige Steigerung des Lohnes (von \l lA auf 20 Piaster) den Reinertrag urn kaum 3 Prozent kürzen.