Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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63 schale fällt; Hauptsächlich wird aber die Bilanz durch die Tatsache ständig wiederkehrender Arbeitslosigkeit verschlimmert. Normal werden in einer Pflanzungskolonie von den zwölf Monaten des Jahres nur gegen acht als Arbeitsmonate bezeichnet, doch auch während dieser acht Monate (in die auch die ganze Regenperiode mit hineinfällt) gibt es eine ganze Menge unfreiwilliger Mußetage (Regen, Feiertage, Konkurrenz anderer Arbeiter und sonstige natürliche Störungen im normalen Arbeitsbetriebe). So ist es nicht übertrieben, wenn die Vertreter der landwirtschaftlichen Arbeiter die durchschnittliche Einkommenhöhe des Koloniearbeiters mit 180 bis 220 Piaster monatlich beziffern, was einem Tageseinkommen von 6 bis 7 Piaster oder einem Fehlbetrag von 3 bis 5 Piaster pro Tag und Mann entspräche.*) Es ist auch nicht übertrieben, daß es oft Tage und ganze Wochen gibt, wo das Gros der Koloniearbeiter sich mit 2 bis 3 Piaster täglich begnügen müssen und buchstäblich von einer dünnen Suppe und oft nur Brot e r s a t z leben. Ein Wunder der Ausdauer, der Hartnäckigkeit und einer echten chaluzischen Seelenverfassung ist es, das den jüdischen Arbeiter all diesen Schwierigkeiten Trotz bieten und in schwierigsten materiellen und kulturellen Bedingungen das Werk des Eindringens in die Kolonien bereits das fünfte Jahr fortsetzen läßt. Klar muß es auch sein, daß ohne materielle Hilfe der zionistischen Organisation, die die Bemühungen der Arbeiterschaft auf diesem Gebiete auf Schritt und Tritt begleitete, das Ausharren während der vier verflossenen Jahre überhaupt unmöglich gewesen wäre,- und daß ein etwaiges Sichzurückziehen der zionistischen Organisation von der weiteren Stützung des Werkes ernsteste Gefahren für sein Gelingen in sich bergen kann. An dieses Problem der Sicherung der bloßen Existenzmöglichkeit dem jüdischen Arbeiter in der Kolonie reiht sich — wie gesagt — die Sorge, die Kluft zwischen dem landwirtschaftlichen und dem städtischen Arbeitslohn wenigstens in einem gewissen Maße überbrückt werde, um das Abfluten des Arbeiters vom Lande in die Stadt zu verhindern. Der städtische Arbeitslohn übersteigt nämlich oft den landwirtschaftlichen um das Doppelte und mehr. Wohl muß man auch bei diesem Vergleich nicht die nominelle Lohnhöhe, sondern den realen Lohn in Betracht ziehen. Es wird sich dann immer herausstellen, daß trotz der größeren Teuerung mancher Produkte auf dem Lande der Realarbeitslohn am Lande doch höher ist, als der entsprechende Nominallohn. Der Lebensstandard des landwirtschaftlichen Arbeiters ist nämlich schon an sich durch das Leben am Lande bescheidener, als in der Stadt und so manche Ausgaben, die in der Stadt einen bedeutenden Posten für den Arbeiter darstellen, schrumpfen auf dem Lande oft auf ein Minimum zusammen. Weiter ist das Auf-dem-Lande-Leben meistens die Folge gewisser ideologischer Einstellung und Ziele, hauptsächlich des Strebens nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung und Kolonisation, die bei dem Großteil der Koloniearbeiter ein genügendes Aequivalent für die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten des städtischen Lebens sind. Immerhin, will man ernstlich an das Gelingen dieses Werkes, dessen volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung nicht erst bewiesen zu werden braucht, denken, so muß man an die Lösung dieses Problems, der Hebung des landwirtschaftlichen Arbeitereinkommens schreiten. Ohne eine ökonomische Grundlage wird der Koloniearbeiter früher oder später *) Das Durchschnittseinkommen in Petach Tikwah für den Monat Oktober wurde mit 105 bis 180 Piaster berechnet.