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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 62

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
Date
1928-01-01
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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62 die Wage, wenn sie auch nicht gleich hoch sind Diese Tatsache wurde schon öfters bewiesen, und zwar immer dort, wo der jüdische Arbeiter oder seine Organisation umfassende Arbeiten in Gänze zur Ausführung in eigener Regie übernahm. Die Kalkulationen wurden meistenteils entsprechend den effektiven Ausgaben des Auftraggebers bei Zugrundelegung des arabischen Lohnsatzes ausgearbeitet und ergaben den ausführenden Arbeitergruppen oft einen sogar höheren als den üblichen jüdischen Lohn. Daher kann man sagen: Der jetzt bestehende L o h n u n t e r s c h i e d ist vom Standpunkte des Arbeitgebers kein wesentlicher und kann nicht als ein Vorwand für das Nichtbeschäftigen des jüdischen Arbeiters benutzt werden. Der Kolonist tut es zwar, aber nur um in seinem politischen Kampf gegen den jüdischen Arbeiter denselben in Schach zu halten. Eine unmittelbare Gefahr von dieser Seite, solange keine einseitige übermäßige Steigerimg des jüdischen Arbeitslohnes eintritt, ist nicht zu befürchten und jedenfalls kann sie durch das Rezept einer gemeinschaftlichen jüdischen und arabischen Organisation nicht beseitigt werden. Die dadurch angestrebte Gleichmachung beider Lohnsätze zum Zwecke ihrer gemeinsamen weiteren Steigerung ist — von allen anderen Schwierigkeiten und Bedenken, die dagegen zu erheben sind,*) abgesehen — eher ein Umweg. Sie würde schon im Vorhinein zu einer Ungleichheit zugunsten des arabischen Arbeiters und zum Schaden des Betriebes führen, ohne daß dabei dem jüdischen Arbeiter geholfen wäre und ohne das man dadurch den arabischen Kameraden gegenüber bei etwaigen berechtigten sozialen Forderungen gerecht geworden wäre. Eine gemeinschaftliche Organisation dagegen, die eine gewisse Spannung zwischen den beiden Löhnen, was vom wirtschaftlichen Standpunkt das einzig zulässige wäre, aufrechterhalten wollte, ist organisatorisch jedenfalls undenkbar und eine derartige Lösung liegt auch keinesfalls in der Linie der Intentionen der Verfechter dieses Gedankens. Der zweite Teil des oben angeführten Problems betrifft die Frage des unverhältnismäßig niedrigen landwirtschaftlichen Lohnsatzes im Vergleich zu dem städtischen. Er berührt schon viel tiefer die Frage der Existenzmöglichkeit des jüdischen Arbeiters in der Kolonie überhaupt und die Frage der Gefahr, in der sich das Werk des Eindringens in die Kolonien dadurch befindet, daß jede günstigere Konstellation auf dem Arbeitsmarkte das Abfluten der mit Mühe in die Kolonien gebrachten Arbeiter zurück in die Städte zur Folge haben könnte, Theoretisch besteht zwar wohl die Möglichkeit, daß der Arbeiter bei einem Lohn von zwischen 17% bis 20 Piaster sein Auskommen in der Kolonie findet. Zeigen doch die Kostenaufstellungen verschiedener Arbeitergruppen, daß ihre Totalausgaben sich ungefähr auf 9 bis 11% Piaster pro Tag und Mann belaufen. In Wirklichkeit jedoch ist die Rechnung eine wesentlich andere. Etwa 25 Prozent aller Kibuzmitglieder verrichten innerhalb der Gruppe allerlei Hilfsarbeiten, wie Kochen, Wäsche waschen, Ordnung halten, Kinderpflegen etc. Aus den arbeitenden Kibuzmitgliedern muß man immer einen Teil als krank ausscheiden. Verringert werden ferner die Einnahmen dadurch, daß ein großer Teil der Arbeiten in Akkord übergeben wird und die noch sehr kleine Arbeitsergiebigkeit der noch nicht gelernten Arbeiter recht oft entscheidend mit in die Wag- *) Siehe den Artikel Arlosoroffs in Nr. 8/9 dieser Zeitschrift.

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