Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
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Cl ist ein zweifaches und läßt sich etwa wie folgt formulieren: Wie kann man die materielle Lage des jüdischen Arbeiters festigen, ohne daß sein Arbeitslohn einerseits die Lohnhöhe des arabischen Arbeiters um ein Beträchtliches überragt, andererseits ohne daß sie wesentlich von der üblichen — hauptsächlich städtischen — Lohnhöhe abweicht. Auf den ersten Blick scheint dieses Problem unüberbrückbar. Man ziehe nur in Betracht, daß der Lohn des arabischen Arbeiters um etwa 10 Piaster, der des städtischen Bauarbeiters um 30 Piaster herum und mehr schwankt. Eine nähere Betrachtung läßt jedoch optimistischere Schlüsse ziehen: Die erste Seite des Problems betrifft die Frage des bestehenden Unterschiedes im Lohne des arabischen und des jüdischen Arbeiters und die dadurch entstehende ständige Konkurrenzgefahr seitens des arabischen. Eine allzugroße Spannung zwischen den beiden Lohnsätzen ist auf die Dauer nicht denkbar und in normalen ökonomischen Bedingungen auch nicht durchführbar. Es ist deshalb zu untersuchen, ob und wie groß die erlaubte Spannung sein darf. Bei dieser Untersuchung darf selbstverständlich nicht die effektive Lohnhöhe in Betracht gezogen werden. Ausschlaggebend ist, ob und inwiefern die jüdische Arbeit den betreffenden Betrieb zu Mehrausgaben zwingt. Nun beträgt zwar der jüdische Arbeitslohn effektiv mehr, dagegeen aber hat die jüdische Arbeit den Vorteil, daß sie ohne Aufsicht und mit größerer Verantwortlichkeit ausgeführt wird. Der Araber bekommt seine 8 bis 12 Piaster, doch ist dazu noch ein Aufschlag von mindestens 20 Prozent für die Aufsicht hinzuzurechnen. Ferner ist die Ergiebigkeit der arabischen Arbeit eine viel kleinere als die der jüdischen. Wir konnten Zeugen der interessanten Erscheinung sein, daß im Verlaufe der letzten vier Jahre der Lohn des jüdischen Arbeiters, der anfangs 1924 12 und sogar nur 10 Piaster betrug, eine bedeutsame Steigerung erfahren hat und die Höhe erst von 15, dann von 11V2 und mitunter sogar von 20 Piaster pro Tag erreichte. Allerdings stieg auch der arabische Arbeitslohn von 8 Piaster und weniger, bis 10 und 12, selten auch mehr. Es erwies sich, daß das zeitweilige Sinken des jüdischen Arbeitslohnes, das sich in den ersten Monaten nach dem erneuten Eindringen des jüdischen Arbeiters in die Kolonie eingestellt hatte, nicht, wie es oft angenommen wurde, ein weiteres Sinken des arabischen und in der Folge des jüdischen Lohnes usw. bis ins Absurde mit sich gebracht hatte, sondern daß der jüdische Arbeiter von dem Momente an, wo er ein Faktor auf dem Arbeitsmarkte wurde, auch bestimmend auf seine und seines arabischen Arbeitsgenossen Löhne wirkte. Erleichtert wurde ihm allerdings diese Rolle dadurch, daß über eine gewisse Grenze hinaus der arabische Arbeiter als ein Konkurrent auszuscheiden anfängt. Diese Grenze ist einerseits dort zu ziehen, wo dem arabischen Arbeiter-Häusler der Ertrag seiner in seiner eigenen Wirtschaft angelegten Arbeit mehr zu bringen imstande ist, als ein Arbeitstag beim jüdischen Kolonisten, was besonders in den letzten Jahren mit der zunehmenden günstigen Konjunktur für Orangenpflanzüngen und allerlei landwirtschaftliche Produkte der Fall war, andererseits dort, wo bei ständig zunehmender Aufnahmefähigkeit der Kolonien — als Folge der Intensivierung der Kultur und Anlage neuer Pflanzungen — der Masse der arabischen Arbeiter die kompakte und gut organisierte, im ständigen Wachsen begriffene Masse der jüdischen Arbeiter, die nicht mehr oder nur schwer zu ersetzen ist, sich entgegenstellt. Die beiden Löhne, der des Juden und des Arabers, halten sich also