Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 wieder unter dem Vorwand fand, daß der jüdische Arbeiter nicht zur Hand sei, zu versperren. Die Vorbedingung dazu war, ein massenhaftes Eindringen in die Kolonien zu ermöglichen (nicht zuletzt, um auch dem lüdischen Arbeiter den nötigen Rückhalt, den er nur in seiner großen Zahl finden konnte, zu verschaffen) und mit der Tat augenscheinlich zu beweisen, daß der jüdische Arbeiter seiner Aufgabe gewachseh sei. Die sich in der Tabakarbeit des Jahres 1924 bietende Gelegenheit wurde dazu benützt, die ersten 1500 Arbeiter aus den Städten und der eigens dazu beorderten Einwanderung (den Anfang der vierten Alijah) in die Kolonien zu überführen. Ein entsprechendes Programm der öffentlichen Arbeiten, die in der folgenden Arbeitslosigkeitsperiode ausgeführt worden sind, verhinderte ein Rückströmen der ersten Welle und brachte nur noch neue Kräfte in die Kolonie. Die anschließende nächste Arbeitssaison befestigte die im ersten Anprall eroberten Positionen, stärkte das Zutrauen zu der jüdischen Arbeit. Die folgenden Jahre, die einen nie dagewesenen Aufschwung der jüdischen Kolonien mit sich brachten,*) halfen auch endgültig dazu, das Eis der Vorurteile zu brechen und den jüdischen Arbeiter zu einem integralen Bestandteile der Kolonien zu .machen. Zu einem ebenbürtigen Bürger und Mitglied der Gemeinde wurde er allerdings bis heute noch nicht. Wohl ist die Frage seiner Eignung als Arbeiter vollkommen zu seinem Gunsten entschieden. Die jüdische Arbeit wird ja sogar von manchen arabischen Orangenpflanzern der arabischen vorgezogen und es gelingt der jüdischen Arbeiterschaft, immer neue, bis jetzt noch nicht eroberte Zweige der Landwirtschaft für sich zu gewinnen. Doch mit dem Zusammenbruch der seinerzeit geschaffenen Theorie der Minderwertigkeit des jüdischen Arbeiters als Arbeiter traten scharf die politischen Gegensätze auf. Die Furcht vor der immer wachsenden Zahl der jüdischen Arbeiter und deren steigendem Einfluß auf das kommunale Leben der Kolonie hat es mit sich gebracht, daß allzu oft das ökonomische Uebergewicht des Kolonisten ins Treffen geführt wird, um durch wirtschaftliche Repressalien den Arbeiter aus der Kolonie zu verdrängen und seinen Einfluß zu schwächen, des großen nationalen Schadens, die eine derartige Politik mit sich bringen muß, ungeachtet.**) IL Das massenhafte Eindringen der jüdischen Arbeiter in die alten Kolonien hat aber erst die psychologischen Voraussetzungen und Ausgangsbedingungen zur Lösung der Frage geschaffen. Parallel mit dieser erwähnten Aufklärungs- und Rechtfertigungsarbeit um den guten Ruf des jüdischen Arbeiters mußte auch die Schaffung der ökonomischen Grundlagen des ganzen Eroberungswerkes angestrebt werden. Dieses Problem *) Dies nicht zuletzt auch dank dem jüdischen Arbeiter, der als Konsument das erarbeitete sowie das ihm von der zionistischen Organisation zufließende Geld in der Kolonie konsumierte. Bemerkenswert ist der Umstand, daß diejenigen jüdischen Kolonien, in die der jüdische Arbeiter noch nicht einzudringen vermochte, fast ausschließlich auf ihrem niedrigen Vorkriegsstand geblieben sind — trotz der anhaltend günstigen und steigenden Konjunktur für alle landwirtschaftlichen Produkte. **) Die letzten Ereignisse in Petach Tikwah und die durch nichts zu rechtfertigende Taktik der Kolonisten, die trotz keiner oder beinahe keiner Preisunterschiede und der großen Arbeitslosigkeit, die im Lande und in der Kolonie herrscht, ungeachtet, die jüdische Arbeit beim Orangenpflücken ablehnen, oder zumindest nichts tun, um sie zu sichern. Als Grund wird vielfach von Seiten der Kolonisten ihre negative Beziehung zu der Arbeiterorganisation — also ein politischer Faktor — angeführt.