Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien
Date
1928-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379869-2385484--06328-2385740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

59 weiteres auf andere Arbeiter und andere Methoden umgestellt werden konnte. Entscheidend jedoch in der Gestaltung der gegenseitigen Beziehungen zwischen dem jüdischen Kolonisten und dem jüdischen Arbeiter war zweifelsohne eine besondere typische Mentalität, die die Kolonisten kennzeichnete. Es war dies das tief eingewurzelte Vorurteil, daß der jüdische Arbeiter der schweren, physischen Arbeit und den Anforderungen, die die Landwirtschaft an den Körper und die Ausdauer stellt, nicht gewachsen ist. Das Unvermögen des jüdischen Arbeiters, für längere Zeit in den Kolonien Fuß zu fassen — auf die Gründe dieser Erscheinung werden wir noch zurückkommen — mußte zur Festigung dieser Annahme beitragen; Von tiefem Einfluß war auch die den Juden innewohnende Scheu, »balbatische Kinder« (denn als solche werden die jüdischen Arbeiter im Lande betrachtet) zu schwerer, physischer Arbeit heranzuziehen und sie auch als richtige Arbeiter zu behandeln. Der jüdische Kolonist fühlte sich dem arabischen Arbeiter gegenüber ungezwungener und eher als »Herr«, als es bei dem jüdischen der Fall war, der eine andere Behandlung als der auf niedrigerer Kulturstufe stehende arabische Fellach verlangte. Und dies mag in so manchen Fällen das Ausschlaggebende gewesen sein. So standen also die Dinge bis vor kurzem: Einerseits der Kolonist mit der ganzen Bürde objektiver und subjektiver Hemmungen, die ihn daran hinderte, den jüdischen Arbeiter in seiner Wirtschaft zu beschäftigen, andererseits der jüdische Arbeiter, der wohl zu jedem Opfer bereit war, dem jedoch ein einheitliches und durchdachtes Aktionsprogramm fehlte und der sich mit planlosem Eindringen in die Kolonien, meist unter schwierigsten persönlichen Opfern und unmenschlichen Daseinsbedingungen begnügte, dem jedoch die Kraft fehlte, eben dieses Dasein auf die Dauer zu führen. Denn abgesehen von all den aufgezählten, auf beiden Seiten waltenden Faktoren, gab es noch eine spezifische, objektive Schwierigkeit, deren Ueberwindung viel zu große Anforderungen an den Arbeiter stellte: die Arbeit in den jüdischen landwirtschaftlichen Betrieben ist eine saisonmäßige, so daß auf die übliche Arbeitsperiode in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen die ganz oder beinahe ganz arbeitslose Zeit folgt. Dies ist der große Vorsprung, den der arabische dem jüdischen Arbeiter gegenüber hat (von dem niedrigeren Lohn erst gar nicht zu reden). Der Araber ist im großen und ganzen ein »Häusler«, für den die Arbeit in der benachbarten Kolonie eine zusätzliche Einnahmsquelle bedeutet, auf die er nur aushilfsweise angewiesen ist. Nicht so der jüdische Arbeiter, der von seinem Lohn vollkommen abhängig ist und die Kolonie beim Einsetzen der arbeitslosen Zeit schon tags danach verlassen muß. Die letzten vier Jahre brachten eine vollständige Umwälzung auf diesem Gebiete. Infolge der Not der letzten Arbeitslosigkeit 1923—1924. aber auch dem nie aufhörenden inneren Drange der Arbeiterschaft gehorchend, die aus der Erkenntnis heraus, daß die Kolonien als eine ständige Arbeitsstätte für Tausende von Arbeitern ihre Rolle in der jüdischen Volkswirtschaft noch nicht ausgespielt haben und berufen sind, den größten Teil der erhofften Emigrationswelle zu resorbieren, ging man ans Werk. Es galt, zuerst mit der Mentalität des Kolonisten, die diesen ganzen ideologischen Ueberbau des Nichtgeeignetseins des jüdischen Arbeiters schuf, aufzuräumen, ihn an die Tatsache der jüdischen Arbeit zu gewöhnen, die beiderseitigen Beziehungen zu regeln und vor allem dem Kolonisten den Weg zum neuerlichen Rückfall, den er immer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.