Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 12)
- Language
- German
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55 nach Amerika reiche (Seite 377). Offenbar gibt es Einflüsse, die dieses Grundgesetz permutieren. Es ist nämlich, und das ist die Hauptsache, nicht einzusehen, warum nicht durch Organisation der Arbeiter auf dem privaten Markt einerseits, durch Mindestlohngesetzgebung andererseits (der Druck in dieser Hinsicht auf die Regierung wäre viel wirksamer, wenn arabische und jüdische Arbeiter, organisatorisch verbunden, gemeinsam bei der Regierung in dieser Hinsicht vorstellig würden) die Grundlöhne gesteigert werden können; Die großen Ueberschüsse des Regierungsbudgets, die aus Pachtsummen und Arbeitslöhnen erpreßten, in die Taschen weniger Großgrundbesitzer und Kapitalisten (oder besser: Kapitalrentenbezieher, denn in Palästina gibt es kaum arabische Kapitalisten in europäischem Sinne, d, h. solche, die ihr Kapital volkswirtschaftlich produktiv anlegen) fließenden Mehrwertsummen ergeben beträchtliche Lohnfondsreserven, die heute unproduktiv und vielfach im Ausland ausgegeben werden. A. unterschätzt die dynamische Möglichkeit, die eine weite Kreise umfassende organisierte Arbeiterschaft hätte (ganz abgesehen von der wachsenden Ergiebigkeit der Arbeit und der Produktion), ihre Löhne zu steigern. Wenn er das Beispiel der Arbeiterreserven aus Transjordanien, Hauran und Syrien bringt, so ist dieser Hinweis zwar richtig; allein gerade eine organisierte arabische Arbeiterschaft könnte hier viel wirksamer einen Riegel vorschieben, als eine so reaktionärutopische, im Munde Arlosoroffs besonders merkwürdig klingende Maßnahme, wie die einer Sperrung der Grenzen, während man im Prinzip freie Einwanderung der Juden fordert, Es sollte doch stutzig machen, daß die von Arlosoroff zitierte »5te Alijah«, der Einbruch von Beduinen mit ihren Kamelen in das Tel-Awiwer jüdische Transportgewerbe im Sommer 1925, nicht vermochte, in Jaffa das einheimische arabische Transportgewerbe zu verdrängen, weil die Jaffaer arabischen Kameltreiber sich organisierten und erfolgreich zu wehren verstanden. Ich will im Zusammenhang dieses Aufsatzes meine Polemik gegen A, nicht fortsetzen (trotzdem ich vieles unberührt lassen mußte), sondern nur noch darauf hinweisen, daß der von ihm verteidigte besondere jüdische, sogenannte »Kolonisationslohnstandard« gerade nach seinen eigenen Darlegungen der Gefahr ständiger »Einbrüche« unterliegt; da der jüdische Arbeiter andererseits, wie die Versuche der Herabsetzung des Lohnstandards in den jüdischen Kolonien gezeigt haben, unter keinen Umständen bei den niedrigen Löhnen der arabischen Arbeiter, wie sie heute sind, existieren kann, der »Kolonisationslohn« allein, ohne dauernde Zuschüsse der »Zionistischen Organisation«, sieht man von gewissen Facharbeitern ab, auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist, auch für die uns hier interessierenden Regierungsarbeiten nicht in Betracht kommt, so bleibt (neben den unter allen Umständen zu ergreifenden Mitteln der Erhöhung des jüdischen Reallohnes durch Ansiedlung der Arbeiter am Rande der Stadt, wie sie auch Arlosoroff vorschlägt) der intensive, durchaus mögliche und aussichtsreiche Kampf für Erhöhung des allgemeinen Lohnniveaus im Lande. Eine wichtige Voraussetzung dieses Kampfes, neben anderen, allgemeinen und nationalen Gründen, die aber Hand in Hand gehen, ist die Organisierung der arabischen Arbeiter, gemeinsam mit den jüdischen Arbeitern, wobei die Einheitsorganisation von allen Teilen nur auf der Grundlage autonomer nationaler Sektionen gedacht ist; allein das Gebiet gemeinsamen Kampfes, wie oben erwähnt, bleibt weit genug. Prinzipiell bleibt die Tätigkeit jeder Sektion territorial von der anderen abgegrenzt, auch wenn es gewisse Grenzgebiete und Ein-