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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 54

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
Date
1928-01-01
Page
Seite 54 (sequence 11)
Language
German
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54 Schaftsformen ins Land zu bringen, zu bekämpfen; dasselbe gilt aber, solange auf seiten der Juden die direkte Berührung mit den Arabern in hervorragendem Maße, wie in den Pflanzungskolonien, im Verhältnis: Arbeitgeber -— Arbeiter erfolgt (während in den Städten, besonders in Tel Awiw, aber auch in Jerusalem und Haifa, beide Teile in sehr weitgehendem Maße autonom und territorial getrennt von einander leben). Die Konstellation »Arbeitgeber — Juden, Arbeiter — Araber« ist auf die Dauer geeignet, im Rahmen des sozialen Gegensatzes auch die nationalen Gegensätze zwischen den arabischen Massen und den Juden erheblich zu steigern. Ich versuchte dann weiter zu zeigen, daß einzig die arbeitenden Schichten beider Völker ihre Beziehungen zueinander frei von sozialen Gegensätzen gestalten können, und daß, wenn irgendwo, und wie überall in der Welt, die natürliche Basis einer künftigen arabisch-jüdischen Verständigung in der Koordinierung der gemeinsamen Interessen der arbeitenden Massen liegt, zwischen denen Gegensätze leicht oder zumindest leichter auszuschalten sind als zwischen anderen Schichten (wobei ich das Utopische und den Unernst einer Bewegung wie »Brith Schalom« betonte). Ich kann diese ganzen Zusammenhänge, die ich im »Kuntres« ausführlich darstellte, hier natürlich nur schlagwortartig wiederholen. Die Voraussetzung einer solchen Verständigung sei das gemeinsame Interesse der jüdischen und arabischen Arbeiter an der Entwicklung des Landes, der Aenderung seiner feudalistischen Agrarverfassung, der Einführung von Arbeiterschutzgesetzen und vor allem der Hebung des Lebensstandards und Kulturniveaus durch Erhöhung des Arbeitslohnes, auch wenn all dies heute den Massen der Fellachen noch nicht bewußt geworden sei, worin aber gerade die Aufgabe des zu schaffenden (inzwischen geschaffenen) Bundes liege. Insbesondere stelle die Erhöhung des Arbeitslohnes ein Problem dar, dessen Lösung mit Erfolg in Angriff genommen werden könne und eine Notwendigkeit sowohl für die Entwicklung der arabischen Massen darstelle, als auch für d i e jüdische Arbeiterschaft die Voraussetzung ihrer Existenz im Lande überhaupt und ihrer Arbeit in der jüdischen Wirtschaft (nicht etwa in der arabischen). Arlosoroff löst aus diesem ganzen Komplex die Arbeitslohnfrage heraus, die in unserem Zusammenhang allerdings von entscheidender Wichtigkeit ist, und verfällt gerade in den Fehler, den er vermeiden will: er behandelt die ganze Frage analytisch, statt dynamisch. Er geht von einem angeblich stabilen, für längere Zeit zumindest feststehenden Lohnniveau aus, das heute für Palästina maßgebend sei (obwohl er selbst, ganz nebenbei, zugeben muß, daß es ein »natürliches« Lohnniveau nicht gibt), und folgert offenbar daraus, daß eine Erhöhung der arabischen Löhne im Lande überhaupt nicht möglich sei, jedenfalls augenblicklich nicht. Er schaltet dabei gänzlich unbegründeter Weise sowohl die empirische Tatsache aus, daß die arabischen Löhne sowohl in der Stadt (eine Statistik z. B. aus Jerusalem vom Jahre 1926 beweist, daß die arabischen Bauarbeiterlöhne, soweit sie nicht ganz primitive Arbeiter betreffen, den jüdischen heute bereits angeglichen sind), wie auch in den Pflanzungskolonien erheblich gestiegen sind; Arbeiter, die früher 10—12 Piaster verdienten, erhalten heute 15—17 Piaster. Aehnliches gilt auch für den rein arabischen Markt. Arlosoroff selbst zeigt, daß die Fellachenlöhne in Palästina höher sind als in Aegypten, trotz der soviel höheren wirtschaftlichen Entwicklung Aegyptens, und widerlegt dadurch die angebliche, von ihm von anderen übernommene Lohnskala, die abgestuft von China bis

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