Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 8)
- Language
- German
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51 chenen Sorideraktion die Gelder aufzubringen, die die Ueberführung von 1000—2000 Familien zur Ansiedlung am Rande der Pflanzungskolonien und der Städte (Schechunoth Ovdim) ermöglichen, wozu nur ein Teil der bei der Vollansiedlung benötigten Gelder notwendig wäre (200 bis 250 Pfund Sterling pro Familie). Auf diese Weise könnte damit gerechnet werden, daß mittels sich lang hinziehender Arbeiten, wie des Hafenbaues in Haifa und der erwähnten Ansiedlung, die Zahl der Arbeitslosen in den Städten so sinken würde, daß der Rest durch lokale öffentliche und andere Arbeiten beschäftigt werden könnte. Es scheint jedenfalls so, daß wir uns einer Lösung der Frage, wenn auch langsam, nähern. Nichts wäre verkehrter, als in diesem Moment die Flinte ins Korn zu werfen und etwa durch plötzlichen Abbruch der Arbeitslosenunterstützung es zu den verzweifelten Folgen kommen zu lassen, die wir im zweiten Abschnitt erwähnten. Die Differenz der Anschauungen zwischen der Arbeiterschaft und der jetzigen zionistischen Exekutive in Jerusalem hat ihre Wurzeln in der Alternative: entweder energische politische und ökonomische Tätigkeit zur Lösung des Problems und Durchhalten bis zu diesem Moment, oder aber erneute Verschleppung der Frage und Ende mit Schrecken, das ja, wie manche glauben, besser als ein Schrecken ohne Ende ist, aber nur dann, wenn es sich nicht um ein lebendiges Werk und um lebende Menschen handelt. Regierung. Wir gehen jetzt dazu über, den Anteil der Regierung, die eine immer wichtigere Rolle in dieser Frage zu spielen beginnt, zu behandeln, sowie einen Teil der Probleme, die damit verbunden sind, zu beleuchten. Die zionistische Exekutive, die insoweit Vollstreckerin der Wünsche weiter Kreise der zionistischen Oeffentlichkeit ist, als ihre politische Tätigkeit zugleich mit energischer Eigentätigkeit der gesamten zionistischen Organisation verbunden ist und nicht nur als Deckmantel für Untätigkeit auf ökonomischem Gebiet dient, überläßt die Lösung der Arbeitslosenfrage in steigendem Maße der Regierung. Und in der Tat hat die Regierung im letzten halben Jahre bereits größere Aktivität auf diesem Gebiete gezeigt (so beschäftigt sie heute in der Umgegend Jaffas gegen 900 Arbeiter); und ihre Tätigkeit wird, wie wir erwähnten, sich noch steigern. Trotzdem bleibt die Haltung der Regierung in dieser Frage für die Zukunft keineswegs eindeutig klar; es hat offenbar den Anschein, als ob in ihr gewisse Gegensätze, wie auch in anderen Fragen, bestehen, die eine eindeutige Haltung verhindern. Auch wenn wir zu glauben berechtigt sind, daß das vorher erwähnte Programm, trotz gewisser Schwankungen in der Haltung der Regierung, zur Ausführung kommen wird, so sei doch nicht verschwiegen, daß ein solches Programm, das die Lösung der Frage größtenteils der Regierung überläßt, auch sehr negative Seiten für uns hat. Wir meinen die politische Gefahr, die in der Ausschaltung der zionistischen Organisation als ausschlaggebendem Faktor der jüdischen Politik im Lande liegt. Es ist ganz zweifellos, daß die Mandatsregierung ebenso wie das Colonial Departement nicht weniger als unsere auf der Lauer liegenden »Freunde« in England aus einer solchen Schwäche sehr schnell ihre Konsequenzen ziehen werden; Anzeichen dafür sind genug vorhanden; siehe z. B, die Aufsätze der halboffiziellen »Near East and India« im Anschluß an das Versagen bei der Lösung des Schul- und Arbeitslosenproblems. So kann auch die größere Aktivität der Regierung, so erfreulich sie auch an und für sich ist, nur begrüßt werden, wenn 4*