Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 5)
- Language
- German
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48 derungspolitik (die Einwanderer kamen, dank der Zertifikatspolitik der Regierung immer mindestens ein halbes Jahr später, als man ihrer am dringendsten bedurfte), das erwähnte Versagen der nationalen Fonds bei der Produktivierung der Arbeitskräfte, schließlich die bis in die letzte Zeit hinein dauernde vollkommene Passivität der Regierung allen Arbeiter- und Arbeitsfragen gegenüber verhinderten die Lösung der Frage im richtigen Momente und führten dazu, daß die Arbeitslosenfrage zu einer Bedrohung der gesamten Aufbauarbeit und der produktiven Verwendung der nationalen Fonds wurde. 2, Wodurch gewinnt die Arbeitsibsenfrage eine solche Bedeutung und worin besteht ihre Tragweite? Es ist nötig, diese Frage auf zuwerfen, denn sie unterliegt allzuleicht einer Bagatellisierung, die schon erheblichen Schaden angerichtet hat. Nimmt man sie aus dem Gesamtkomplex der Probleme Erez Israels heraus und argumentiert man so: schließlich seien 4000 oder 6000 oder 8000 Arbeitslose, an den Zahlen Europas gemessen, nicht von so erheblicher Bedeutung; die Hauptsache sei, daß Landwirtschaft und Industrie sich entwickelten (und in der Tat ist die Entwicklung in den Pflanzungskolonien von augenfälliger Bedeutung, und auch die Industrie bewegt sich in der letzten Zeit zweifellos in aufsteigender Linie); dann müsse man eben, wenn es nicht anders ginge, die Arbeitslosen opfern. Diese ganz offen vorgeschlagene oder aber von anderen nicht ausgesprochene, aber verstohlen gehandhabte oder angestrebte Lösung des Problems übersieht, daß 8000 im Lande bereits vorhandene Menschen, sehen wir von allen eigentlich selbstverständlich sein sollenden humanitären Regungen ab, einen Aktivposten unserer Arbeit darstellen, der uns bereits ungeheure Aufwendungen selbst an Kapital gekostet hat (Ueberführung ins Land mit Unterstützung der Fonds, Ausstattung mit Arbeitsgeräten, Unterstützung während der Arbeitslosigkeit); vor allem aber droht uns so der Verlust des großen nicht abzuschätzenden Kapitals, das in die Anlernung Tausender von Menschen im Baufach und in anderen Facharbeiten hineingesteckt wurde, so daß wir bei einer Erneuerung des Aufbauprozesses im Falle der Abwanderung auch nur eines beträchtlichen Teiles dieser Menschen mit diesem Prozeß wieder ganz von vorne beginnen müßten, da es ja Facharbeiter dieser Art im jüdischen Volk nach wie vor kaum gibt. Es ist aber auch in Betracht zu ziehen, daß eine Entfernung dieser Massen aus dem Lande, insoweit sie überhaupt möglich ist (Mangel an Auswanderungsländern, fehlender Wille zur Auswanderung trotz aller Not, Paßschwierigkeiten, Fehlen jeglicher Eigenmittel zur Auswanderung usw.) die zionistische Organisation ebenfalls enorme Mittel kosten würde, die auf nicht weniger als 150.000 Pfund Sterling einzuschätzen wären. Auch die Neueinwanderung größerer Arbeitermassen im Moment des Neubeginnes der Aufbauarbeit würde wiederum große Summen erfordern, schließlich würde die Entfernung von 3000 Arbeitern allein aus Tel Awiw (die ja schließlich doch leben) den Ruin weiterer konnten, trotz einer Arbeitslosigkeit von 6400 Menschen, in diesem Zeitraum Arbeit finden, teils in den Kolonien, teils in neugegründeten kooperativen und privaten Industriebetrieben, teils in Regierungsarbeiten (Arbeiten, die sich größtenteils nur die frischen Kräfte der Neueinwanderer erschließen konnten). Auch heute könnten, das ist eine feststehende Tatsache, organisierte Gruppen von Neueinwanderern in den Kolonien Arbeit finden, so schwer verständlich das auch dem mit der Dynamik des palästinensischen Lebens und der Chaluziuth nicht Vertrauten erscheinen mag.