Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 4)
- Language
- German
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47 strömenden Kapitalien in die Quellen produktiver Tätigkeit, die Dauerarbeit verheißen, hineinzulenken. Damit ist zugleich gesagt, daß die heute das zionistische Budget und die besten Menschen, die das jüdische Volk ins Land zu senden hatte, verzehrende Arbeitslosenkrise keinesfalls als eine Tatsache anzusehen ist, die unter allen Umständen eintreten mußte; sondern daß mit nicht allzu großen Mitteln, besonders bei richtiger Verwendung in den Zeiten der Hochflut des Kapitaleinflusses und der hohen Arbeitslöhne sowie bei einigermaßen Voraussicht dieses Unglück hätte vermieden, zumindestens eingedämmt werden können (es kommt mir in dieser allgemeinen Betrachtung nicht darauf an, zu erörtern, wen die Schuld an diesem Versagen trifft). So hätte zum Beispiel die Initiative der Arbeiterschaft, die sie seit Jahren in dem historischen Kampfe der Durchsetzung jüdischer Arbeit in den Pflanzungskolonien entfaltet, bei einigermaßen zureichender Unterstützung seitens der zionistischen Organisation mit einem Bruchteil der Mittel, die seit zwei Jahren für Unterstützung ausgegeben werden, zu einer Basierung der Arbeiter in den Kolonien und zu einer weiteren Steigerung ihrer Zahl geführt, statt zu der Katastrophe, vor der sie heute steht, und die gerade jetzt in Petach Tikwah zu einem so schrecklichen Zusammenstoß geführt hat. Und die Ansiedlung von 1000 bis 2000 Familien städtischer Arbeiter am Rande der Stadt auf Grundstücken von 1 bis 2 Dunam, würde, wenn man verstanden hätte, auch nur einen Bruchteil der Löhne in schätzungsweiser Höhe von einer Million Pfund, die allein im Jahre 1925 durch die Hände jüdischer Arbeiter nur in Tel Awiw gingen, in einen Kanal zu leiten und mittels einer relativ geringen Hilfe seitens der zionistischen Fonds für Bodenkauf und Hypothekarkredit (der in jener Zeit der Hochflut vielleicht auch in Amerika oder Polen aus privaten Quellen zu bekommen gewesen wäre) zum Ausbau solcher Arbeitersiedlungen zu verwenden, die Zahl der später der Unterstützung anheimfallenden Arbeitslosen um ein Beträchtliches verringert haben. Allein wer dachte 1925 in den entscheidenden Kreisen daran, solche weitvorausschauenden Perspektiven zu verfolgen, so nachdrücklich auch bereits Anfang 1925 von verschiedenen Seiten vor der herannahenden Katastrophe als Folge des Zusammenbruches der Spekulationshausse gewarnt wurde. Noch eine Bemerkung zum Abschluß dieses Abschnittes, der eine retrospektive Skizze der Ereignisse, die zur Arbeitslosenkrise führten, gibt. Es fehlen nicht Stimmen, die die allzugroße Einwanderung unbemittelter »arbeitender« Elemente in den Jahren 1924—1926 als Ursprung des Uebels anklagen. Diese Ansicht ist in keiner Weise begründet. Das in diesen Jahren ins Land strömende Kapital war durchaus in der Lage, die Zahl der einwandernden Arbeiter zu beschäftigen; nicht nur das; es hatte ohne diese Einwanderimg überhaupt nicht tätig sein können (wenn man nicht auf dem Standpunkt der Beschäftigung nichtjüdischer Arbeiter steht). In der Tat bestand ja auch zwei Jahre lang eher ein ständiger Mangel an Arbeitern.*) Allein Fehler in der allgemeinen Einwan- *} Anmerkung, Mehr als das: die Arbeitereinwanderung selbst vermochte sich in den Kolonien, in der kooperativen Industrie, im Transportgewer.be und den Regierungsarbeiten, auch auf dem arabischen Baumarkt, aus eigener Kraft Quellen der Basierung zu verschaffen, die ohne eine große und organisierte Arbeitereinwanderung nie hätten erschlossen werden können. So wanderten z. B. im ersten Halbjahr 1926, also nach dem Anbruch der Krise in Tel Awiw, noch 1977 Zertifikatsinhaber ein, während die Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum nur um 1670 stieg. Mehr als 3000 Arbeit er einwander er