Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die Entwicklung des Arbeitsmarktproblems in Palästina in den letzten Jahren und die Arbeitslohnfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 3)
- Language
- German
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46 wo die Bautätigkeit eingeschränkt werden muß, ist ihre Wirksamkeit untergraben. Die Bindung der Kapitalien im Häuserbau ist es aber gerade, die — als leichtester Weg des Kapitals — der industriellen Produktion das Betriebskapital entzieht. Häuserbau müßte, wie in allen gesunden Ländern, erst eine Folge der entstehenden Industrie sein, nicht ihr vorangehen,/.. Dies ist nur dort möglich, wo jeder jederzeit auf Kredit lauert und, selbst verschuldet, nicht einziehbare Außenstände besitzt.« Und weiter: ». .. das nationale Kapital ist heute in Palästina infolge seiner Kleinheit nicht mehr in der Lage, die Richtung des Aufbaues genügend zu beeinflussen; dieses Resultat ergibt sich logisch genug«. (W. Preuß: »Die Legion der Arbeit«, »Der Jude«, Jänner 1923, Heft 1, Seite 2.) Es bleibt diesen Worten nicht viel hinzuzufügen, um die Krise von 1926—1927 zu charakterisieren; nur aus dem Taumel der Masseneinwanderung, aus der Hoffnung weiter Kreise, daß diese vierte Alijah das Werk der Besiedlung für dauernd sichern würde, ist es verständlich, daß alle Lehren der Krise von 1923 so in den Wind geschlagen wurden, ein Versagen, das die Bewegung teuer genug zu stehen kommen sollte. Durch die vorübergehende Tabakhausse, die aber tausende Arbeiter in die Pflanzungskolonien führte, und durch die fast über Nacht einsetzende enorme Bautätigkeit speziell in Tel Awiw wurde die Krise von 1923 überwunden; die Organisierung verantwortlicher Akkordeinwanderungsgruppen befestigte zum ersten Male in der Geschichte des Siedlungswerks die Stellung des jüdischen Arbeiters in den Pflanzungskolonien, so daß die Arbeiterzahl in diesen Kolonien innerhalb von zwei Jahren von 500 auf 5000 stieg; 5000 Arbeiter drangen neu ins Baufach ein; allein der Mangel jeglicher fester Basierung der Arbeiter sowohl in der Stadt wie in den Kolonien (sehen wir von schwachen Anfängen ab) machte in dem Moment, als die Kapitalkrise hereinbrach, die gesamten Bauarbeiter über Nacht arbeitslos, ohne die geringste Stütze und den kleinsten Anhaltspunkt einer Existenz auf eigenen Füßen; dieser Prozeß droht infolge der besonderen Umstände der Arbeiten in den Kolonien nun auch die Existenz der Arbeiter dort zu untergraben. Bleiben von den 13.000 Arbeitern, die die 4. Alijah ins Land brachte, 3000, die in Industrie, Handwerk und Transport festen Fuß faßten, davon 800 in kooperativen Arbeiterindustriebetrieben, während die landwirtschaftliche Siedlungstätigkeit bekanntlich in den letzten Jahren, sieht man von der zahlenmäßig kleinen Neuansiedlung des Jahres 1927 ab, stockte. Das ist die Zahlenbilanz der Arbeiterschaft seit 1925, sicherlich nicht die an heroischer Hingabe, kampfesfreudiger Tätigkeit, reich an Erfolgen sowohl als an Niederlagen sowie an Neuschöpfungen jeder Art. Die Wurzeln der Arbeitskrise (und nur mit ihr, als einem wenn auch wichtigen Teilproblem, beschäftigen wir uns hier) liegen in erster Reihe in der Tatsache der mangelhaft produktiven Anlage des durch private Personen ins Land gebrachten Kapitals, obwohl dieses hineingebrachte Kapital als Voraussetzung für seine Tätigkeit die Einwanderung Tausender von Arbeitern erheischte; oder besser und umfassender gesagt: in der unzureichenden Fähigkeit der nationalen Fonds, sei es wegen ihrer unzureichenden Höhe, sei es wegen ihres nicht richtigen Einsatzes im Prozeß des Aufbaues (und zweifellos ist die Unproduktivität des zionistischen Ausgabebudgets ein nicht verzeihliches Vergehen), die ein-