Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 42 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379869-2385482--06308-2385723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

42 Kleinbetrieben dadurch ergänzt und die Beschäftigung von Lohnarbeitern umgangen, daß man sich von wirklichen oder angeblichen Verwandten helfen läßt So rosig, wie der Verfasser die Verhältnisse in den Kleinbetrieben schildert, sind sie in den seltensten Fällen. Der Kleinbauer muß 14 bis 16 Stunden täglich arbeiten, jeden Pfennig zusammenscharren, um nur im Existenzkampf nicht zu unterliegen, Begeht er darin die geringste Vernachlässigung, so beginnt die Verschuldung, die, einmal angefangen, ihr bald nur noch für fremde Leute arbeiten läßt. Wahrhaftig ein köstliches Leben in Freiheit und schöpferische Tätigkeit! IV. Demgegenüber wird in den Großbetrieben nur 10, und wenn die Arbeit sehr drängt, 12 Stunden gearbeitet. Es wird nämlich durch Rationalisierung und Mechanisierung eine viel größere Arbeitsleistung erzielt, Nicht die Spezialisierung der Arbeiter ist das Wichtigste in der Landwirtschaft, sondern die Arbeitsleistung. Auf einem Großbetriebe wird die Hofarbeit von besonderen Leuten verrichtet, so daß die Feldarbeiter längere Zeit hintereinander bei ihrer Arbeit bleiben können. Es geht schneller, wenn bei der Ernte ein Mann nur den Wagen belädt, einer nur fährt, einer nur abladet, als wenn der Kleinbauer mit seinem Gehilfen alle diese Arbeiten hintereinander verrichten muß. Ein Kleinbauer muß einen großen Teil seiner Zeit zu unproduktiven^ Wegen, zum Einarbeiten bei Arbeitswechsel etc. verwenden. Aehnlich ist es mit der Verwendung von Maschinen, Nicht die Größe der Maschinen spielt eine Rolle, sondern die Arbeiterersparnis, die man mit ihnen erzielen kann. Auch da sind Kleinbetriebe im Nachteil Großbetrieben gegenüber, und auch Genossenschaften können den Kleinbetrieben nur einen Teil der Vorteile verschaffen, die Großbetriebe aus ihnen ziehen. Ein weiterer Vorteil der Großbetriebe liegt darin, daß sie im Verhältnis zur Bodenfläche erheblich weniger Gebäude, Zuchtvieh, Maschinen und menschliche Arbeit benötigen, als Kleinbetriebe. Das will sagen, daß jedes Hektar bedeutend weniger Investierungen zu verzinsen hat. Hiezu kommt noch, daß auch die Gestehungskosten selbst pro Bodeneinheit beim Großbetrieb kleiner sind; 20 ha sind pro Hektar billiger als 2 ha. Aus allem dem geht hervor, daß der Großbetrieb imstande ist, die Produkte billiger zu erzeugen, als der Kleinbetrieb. Diese Differenz im Erzeugungspreise trägt die Schuld, daß es für den Kleinbauer so riesig schwer ist, sich zu behaupten. V. Diese Möglichkeiten der Großbetriebe potenzieren sich, wenn letztere sehr fähige Leiter an ihrer Spitze haben. Ein Kleinbauer mag noch so fähig sein, er kommt über die Grenzen, die ihm sein Betrieb zieht, nicht hinweg. Erst mit den höheren Aufgaben wächst der bedeutende Mensch und bekommt Gelegenheit, alle seine Fähigkeiten zu entfalten. Ein Bauer, der jeden Tag schwer arbeitet, wird mit der Zeit gegen alles, was ihn nicht direkt berührt, gleichgültig, während der Gutsleiter in den meisten Fällen einen weiten Horizont hat und dadurch zum Führer der Landwirte sehr geeignet ist. Nicht nur die Versuchsstationen, sondern auch die Gutsbesitzer tragen wesentlich zur Entwicklung der Landwirt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.