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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 43 (sequence 16)
Language
German
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43 schalt bei. Sie setzen die Forschungsergebnisse zuerst in die Praxis um, Sie geben die Anregung zur Konstruktion neuer Maschinen, sie haben das Hauptverdienst bei der Viehzucht- Sie können das nämlich, weil ihre Betriebe erheblich elastischer sind als die Kleinbetriebe, was ihnen ein viel großzügigeres Wirtschaften ermöglicht. Durch diese Eigenschaften wären die Großbetriebe eigentlich prädestiniert, die landwirtschaftlichen Pfadfinder Palästinas zu sein. Die Kwuzah, die heute fast ausschließliche Form des Großbetriebes, erfüllt aber diese Aufgabe in keiner Weise. Die Gründe hierfür legt E1 a z a r i- V o 1 k a n i in seiner Broschüre sehr klar und richtig dar. Sie liegen in der Gesamtverantwortung jedes einzelnen Mitgliedes für den Betrieb, wodurch in Wirklichkeit niemand verantwortlich ist. Es ist sehr leicht möglich, daß diese kommunistischen Siedlungen in Zukunft überhaupt aufhören werden zu existieren, weil diese Form den kommenden Generationen vielleicht nicht mehr entsprechen wird. Aber vorläufig ist der Wille zur kommunistischen Kwuzah beim jüdischen Jischuw sehr stark und es wäre Torheit, ihnen das obige Argument entgegenhalten zu wollen, Menschen lassen sich nicht gerne zu ihrem Glücke zwingen, Professor Franz Oppenheimer, der auch die Bedeutung der Großbetriebe anerkennt, schlägt den Ausweg vor, den Kwuzoth einen Administrator zu geben und sie, um die Mitglieder zu höheren Leistungen anzuspornen, gestuft zu entlohnen. Dem steht gegenüber, daß die Kwuzoth kommunistisch leben wollen und sie sich durch einen übergeordneten Administrator in ihrer Freiheit bedroht fühlen würden. Auch ist ein Versuch, den man mit dieser Siedlungsform schon vor dem Krieg gemacht hat (Merchawjah) gescheitert. Ein Ausweg, wie man am besten den Großbetrieb der jüdischen Eigenart anpassen könnte, wäre eventuell der, den Administrator der kommunistischen Gruppe gleichzuordnen. Die Kwuzah kann autonom alle ihre Angelegenheiten, wie Verteilung des Gewinns, Lebensweise, Aufnahme von Mitgliedern usw. regeln, während der Administrator für den eigentlichen landwirtschaftlichen Betrieb verantwortlich ist. Es sind natürlich auch da Differenzen möglich, die gegebenenfalls von dritter Stelle geschlichtet werden müßten, aber wenn die Kwuzah die genügende Reife besitzt, dem Administrator das Leben nicht zu erschweren, und dieser über einigen Takt verfügt, wäre das ein gangbarer Weg. VI, Im Rahmen dieses kurzen Artikels war es leider nur möglich, stichwortartig auf die vielen Probleme einzugehen, die Elazari-Volkani in seiner Broschüre aufrollt. In einem hat er jedenfalls recht: Die Schaffung eines gesunden, jüdischen Bauernstandes ist von höchster Wichtigkeit für die zionistische Kolonisation. Nur dieser Stand kann eine Bevölkerungsreserve bilden, aus der sich das Gesamtvolk immer wieder regeneriert, Doch gebe man unseren Kleinbauern erträgliche Bedingungen. Dazu gehören genügend Boden (mindestens 150 Dun.) und die Möglichkeit, Hilfskräfte für die Arbeit heranzuziehen. Aber, und das sollte hier gezeigt werden, auch Großbetriebe sind wünschenswert, da sie zur Entwicklung der heimischen Landwirtschaft sehr viel beitragen können. Es wäre daher falsch, a priori die Kwuzah zu verwerfen, aus der irrigen Annahme heraus, daß Großbetriebe heute Existenzberechtigung haben.

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