Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 14)
- Language
- German
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41 schüre »Thecommunistic Settlements in the Jewish Colonisation in P a 1 e s t i n e « (Bulletin of the Palestine Economic Society, Band II, Nr. 3) zu diesen Problemen Stellung nimmt. In sehr interessanten Aufsätzen und durch instruktive Tabellen erweitert er den Einzelfall der Kwuzoth zu der prinzipiellen Fragestellung, ob Großbetriebe überhaupt heute noch Existenzberechtigung haben, was er aber verneint/ Es kann dem Verfasser dabei nicht der Vorwurf erspart bleiben, daß seine Beweisführungen zum mindesten sehr einseitig sind. Sie gleichen mehr einer Verteidigung der Kleinbetriebe als einer objektiven Würdigung der Großbetriebe. Zweck dieser kurzen Zeilen soll es deshalb sein, die Beweisführung des Verfassers zu überprüfen und gegebenenfalls richtigzustellen. Es wäre also zuerst zu untersuchen, ob Großbetriebe heute noch. Existenzberechtigung haben; und wenn ja, wie sie am besten der palästinensisch-jüdischen Eigenart angepaßt werden können. Vorausgeschickt sei noch, daß diese Darlegungen in keiner Weise die Kleinbetriebe in Frage stellen sollen. Beide Betriebsgrößen entsprechen der menschlichen Eigenart und sind deshalb zu fördern. II. Die Gründe für die Entstehung der Großbetriebe sind mannigfacher Art und werden durch die Erklärung, daß kriegerische Stämme sich gewaltsam die unterworfenen Kleinbauern hörig machten, nicht voll ausgeschöpft; eher könnte man sie in dem verschiedenen Willen zur Macht der Menschen überhaupt suchen. Es gibt sehr viele Menschen, die davor zurückscheuen, verantwortlich zu handeln, während andere nach verantwortlicher Tätigkeit streben. So suchten in europäischen Ländern in alten Zeiten die sich unsicher Fühlenden bei Stärkeren Schutz und bezahlten ihnen eine Abgabe, damit diese die Verantwortung für die gemeinsame Verteidigung übernähmen. Daraus entstand allmählich die Hörigkeit. Interessant ist es auch, daß das mosaische Gesetz eine erniedrigende Behandlung für die, im 7. Jahre die Freiheit ausschlagenden Diener vorschreibt — ein Beispiel dafür, wie oft es vorkam, daß die Menschen lieber Diener als Herren sein wollten. Das hat sich auch heute noch nicht geändert — es gibt viele Menschen, die absolut nicht das Bedürfnis nach der vielgepriesenen schöpferischen Leistung in sich fühlen. Sei es, daß sie andere Interessen haben und sich durch den Kampf ums Dasein nicht ablenken lassen wollen, oder daß sie einfach in geistiger Beziehung zu schwerfällig sind und es vorziehen, andere für sich denken zu lassen. III. Klarzustellen ist auch der Unterschied zwischen Groß- und Kleinbetrieb. Nach deutschen Begriffen beginnt der Großbetrieb dort, wo die Leitung und Organisierung der Betriebsführung die Zeit des Leiters vollständig in Anspruch nimmt. Beim Lesen der Broschüre Volkanis gewinnt man den Eindruck, daß für den Verfasser Großbetriebe schon da beginnen, wo fremde Arbeitskräfte zur Hilfeleistung herangezogen werden.*) Demgegenüber stehen aber schon heute viele palästinensische Fachleute auf dem Standpunkt, daß ausschließliche Selbstarbeit in Bauernbetrieben überhaupt wirtschaftlich unmöglich ist. Sie wird auch auf den meisten *) Dies entspricht der Theorie Franz Oppenheimers, ebenso die oben angeführte Lehrmeinung, daß Großgrundbesitz durch Mittel der Gewalt — das »politische« Mittel — entstanden ist. Die Red.