Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 13)
- Language
- German
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40 des Arbeitnehmers wahrzunehmen, um ihn vor »Ausbeutung« zu schützen, gibt es doch wirklich genug andere Mittel als gerade dies, die Lohnarbeit überhaupt zu unterbinden. Das wäre am Platze, wenn es keine Leute gäbe, die gern arbeiten wollten, und die Mittel unserer Fonds ausreichten, jeden anzusiedeln, der dazu geeignet ist. Leider sind wir von diesem Idealzustand noch ziemlich weit entfernt und es hat keinen Zweck, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Um gar nicht von den gegenwärtigen Arbeitslosen zu sprechen, die noch nicht vom Lande absorbiert sind, wird es für die nächsten Jahrzehnte die wichtigste zionistische Aufgabe bleiben, so viel Juden wie möglich im Lande, sei es als Arbeiter, sei es als Kolonisten, zu verwurzeln. Die Forderung der Selbstarbeit stellt sich dieser Aufgabe entgegen, folglich muß sie vom nächsten Kongreß oder von einer Sitzung des Aktionskomitees abgeschafft und eventuell durch eine andere Bestimmung zum Schutz des Arbeitnehmers ersetzt werden. Keiner würde es z. B. freudiger begrüßen wie der Autor, wenn die Kolonisten sich verpflichten müßten, einen bestimmten Teil ihres buchführungsmäßigen Reinertrages an die Arbeiter, die bestimmte Zeit bei ihnen gewesen sind, zu verteilen. Ergibt sich kein Reingewinn, so ist das der beste Beweis, daß die Arbeiter nicht ausgebeutet worden sind. Zuletzt sei noch ein Punkt gestreift, auf den schon Prof. Oppenheimer und Dr. Ruppin hingewiesen haben, die Frage des landwirtschaftlichen Nachwuchses. Es ist ein sehr wichtiges Problem, den künftig anzusiedelnden Landwirten eine gute Fachausbildung zu geben. Vorläufig hat man sich mit einer kurzen oder längeren Ausbildungszeit^ im Auslande beholfen, wonach die Chaluzim in die Kwuzoth gingen, um sich an die speziellen landwirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas zu gewöhnen. Für die Kwuzoth wird es aber in Zukunft unmöglich sein, dauernd neue Leute aufzunehmen, da sie endlich einmal daran denken müssen, ihre Betriebe auf wirtschaftliche Grundlagen zu stellen. Auch die Pflanzungskolonien, die sehr viel Arbeiter beschäftigen, sind ungeeignet zur Ausbildung von Landwirten. So bleiben also unter heutigen Verhältnissen nur die wenigen ackerbautreibenden Kolonien der Pica in Schomron und Galil, die natürlich nicht im geringsten genügen. Einen großen Schritt zur Lösung dieser sehr brennenden Frage wird es bedeuten, wenn die Siedler der Keren Kajemeth-Kolonien, die meist ausgezeichnete Landwirte sind, dazu veranlaßt werden könnten, Lehrlinge in ihrem Betrieb aufzunehmen, was bis heute durch die Verpflichtung zur Selbstarbeit unmöglich ist. In diesem Falle würden nicht nur die Lehrlinge eine sehr gute Ausbildung erhalten, sondern der Kolonist könnte durch seine Hilfe den Betrieb auf viel rationellere Grundlagen stellen. Hoffen wir also, daß man aus all diesen Erwägungen heraus bald auf die Forderung nach ausschließlicher Selbstarbeit verzichten wird. Zur Frage der Großbetriebe. Angesichts der von Agr. Hirsch in obigen Kapiteln seines Werkes ausgesprochenen Meinung über die Kwuzah, die der von Agr. Elazari-Volkani in seiner jüngsten Broschüre über diese scharf gegenübersteht, baten wir Agr. Hirsch um eine Besprechung derselben, I. Eine der umstrittensten Fragen der zionistischen Kolonisation ist zweifellos die der Kwuzoth als Siedlungsform. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß der bekannte landwirtschaftliche Betriebslehrer, Direktor der Versuchsstation, Elazari-Volkani (Wilkansky) in einer Bro-