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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 39

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 39 (sequence 12)
Language
German
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39 Wir haben schon im Abschnitt über die Intensität gesehen, daß das Grundkapital zu desto höherer Leistung gebracht werden kann, je mehr Betriebskapital und Arbeit oder nur eins von beiden darauf verwendet wird. Durch einen vermehrten Arbeitsaufwand könnte also in den Moschweh Owdim eine bedeutende Produktionssteigerung erreicht werden, was nicht nur für die Kolonisten, sondern für die ganze palästinensische Volkswirtschaft von Wert wäre. Es seien nun kurz die verschiedenen Einwände gestreift, die diesen Ausführungen entgegengesetzt werden können. Es sind das gegenseitige Hilfe der Kolonisten, Mitarbeit der Kinder und Verwandtenhilfe. Was die gegenseitige Hilfe anbelangt, so ist es eigentlich sonderbar, daß sie besonders hervorgehoben wird. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, und nicht nur in Palästina, .sondern in allen Ländern mit einer längeren Tradition gebräuchlich, daß ein Landwirt dem anderen aushilft; nur stellen sich oft praktische Verhinderungen ein. In der Ernte hat z, B. jeder voll für sich zu tun und kann beim besten Willen nicht abkommen, wenn er nicht riskieren will, daß seine eigene Ernte verdirbt. Gegenseitige Hilfe kann also Lohnarbeit nicht ersetzen, es sei denn, daß sich alle Kolonisten ganz eng kooperativ verbinden, wie das im 5. Kapitel vorgeschlagen werden wird. Daß die Kinder ihren Eltern ungefähr vom 12, Jahre an eine wertvolle Hilfe werden können, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung. Aber der Kolonist wird dann von selbst auf fremde Hilfe verzichten, denn den Luxus zu vieler Arbeitskräfte wird er sich nie erlauben können, Das Schwerste ist jedoch, die Kinder erst bis zum 12. Jahre aufzuziehen, Jeder wird wissen, daß der Wirtschaftsanfang am schwierigsten ist und die ersten zehn Jahre den größten Arbeitsaufwand beanspruchen. Man muß da den Mut der Kolonisten bewundern, in dieser Zeit überhaupt Kinder zu haben, denn daß diese in ihrer Kindheit ungeheuer viel Arbeit und Mühe machen, wird wohl allgemein bekannt sein, Kinder können also nur dann zur Lösung der Arbeiterfrage beitragen, wenn sie schon beim Wirtschaftsbeginn ihrer Eltern groß sind, sonst erfordern sie im Gegenteil sehr viel mehr Arbeit, Es bliebe noch übrig, auf die Verwandtenarbeit einzugehen. Diese hat ihre guten und schlechten Seiten. Erstens haben ja gar nicht alle Kolonisten Verwandte, die geneigt sind, bei ihnen zu helfen. Es gibt zwar ein Sprichwort: »Kol jisrael mischpachah«, auf Grund dessen viele Kolonisten Hilfe auch von in diesem Sinne nicht allzu nahen Verwandten finden, aber es bleibt ein großer Rest von gewissenhaften Kolonisten, für die eine Verpflichtung wirklich eine Verpflichtung bedeutet. Das sind dann die Dummen, denen aus ihrer anständigen Gesinnung ein Nachteil erwächst. Die Verwandtenarbeit ist jedoch eine sehr zweischneidige Sache. Es kann sehr oft vorkommen, daß der oder die Verwandte mehr Kosten verursacht, als im Verhältnis Arbeit geleistet wird, lind dann ist der Kolonist der Ausgebeutete, der letztere ist überhaupt ganz abhängig von dem guten Willen seines Verwandten, weil dieser ihm bei jeder Gelegenheit drohen kann, davonzugehen. Daß dadurch oft ein sehr unerfreuliches Verhältnis entstehen kann, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung. Es ist auch gar nicht selten, daß der Kolonist, wenn er nicht allzu charakterstark ist, sehr von seinem Verwandten beherrscht wird, was für die Betriebsführung bestimmt keinen Idealzustand bedeutet. Alle derartigen unerfreulichen Verhältnisse könnten behoben werden, wenn nicht diese sinnlose Verpflichtung auf Selbstarbeit bestände. Denn die Verpflichtung ist in der Tat sinnlos. Um die Interessen

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