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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 38

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 38 (sequence 11)
Language
German
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38 sündere Grundlagen stellen könnten. Jeder mit gesundem Menschenverstand würde nun als Ausweg vorschlagen, daß die Kolonisten Arbeiter einstellen mögen. Wenn sie dazu finanziell nicht in der Lage sind, sollte man lieber ihnen dies ermöglichen, als den Chaluzim eine degradierende Arbeitslosenunterstützung zu zahlen, die sie kaum vor dem Verhungern schützt. Aber nein; da erhebt die palästinensische Logik ihr Veto: »Wir wollen unser Nationalheim ethisch einwandfrei aufbauen und erlauben nicht, daß auf Nationalfondsboden angesiedelte Kolonisten, die selbst alte Arbeiter sind, ihre Chawerim ausbeuten.« Daß man aber von anderen Gesellschaften angesiedelte Kolonisten beinahe auf den Knien anfleht, doch um Gottes Willen jüdischen Arbeitern vor arabischen den Vorzug zu geben, sei hier nebenbei nur als Kuriosum erwähnt. Unzweifelhaft trägt aber die Forderung nach Arbeit ohne Ausbeuter und Ausgebeutete sehr dazu bei, das ethische Niveau des gesamten Jischuws zu heben. Die meisten Ikarim der alten Kolonie, zu denen man mit der Forderung kommt, sie sollten doch die arabische durch jüdische Arbeit ersetzen, antworten, daß sie sehr gern dazu bereit wären. Sie könnten sich nur um alles in der Welt nicht entschließen, ihre jüdischen Stammesbrüder auszubeuten. Bei den Arabern wäre das etwas anderes, weil sie Gojim sind. Und das Schlimmste ist, daß man diesen Kolonisten nicht einmal so Unrecht geben kann. Um nun auf die Frage der Selbstarbeit zurückzukommen: Es kann der allgemeinen Arbeiterorganisation Histadruth kein Vorwurf daraus gemacht werden, daß sie die Forderung der Selbstarbeit zu einer ihrer Doktrinen erhebt, wenn sie damit auch etwas für das praktische Leben Unmögliches fordert. Aber es steht ja jedem frei, aus der Organisation auszutreten, wenn er seine Lebensführung nicht mit ihren Doktrinen in Sinklang bringen kann. Sehr viel bedenklicher aber ist es, wenn unsere nationalen Fonds, der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod Chaluzim nur unter der Bedingung ansiedeln, daß sie sich zur Selbstarbeit veroflichten. Es ist ein ganz schwerer Eingriff in das individuelle Selbstbestimmungsrecht jedes einzelnen Menschen, ihm eine Lebensform aufzuzwingen, die eventuell gar nicht seiner ganzen Weltanschauung entspricht. Prof. Oppenheimer hat schon ganz richtig darauf hingewiesen, daß ein Bauer von 10 Hektar nie ein Kapitalist werden kann und immer Gezwungen sein wird, selbst mitzuarbeiten. Schließlich liegt doch kein Grund vor, zu glauben, daß die Neukolonisten, alles alte Arbeiter, ihre Kameraden schlecht behandeln, oder gar ausbeuten werden. Es ist eine merkwürdige und paradoxe Sache, ein Verbrechen daraus konstruieren zu wollen, daß jemand anderem eine Existenz schafft und dadurch dessen Einordnung in das Land ermöglicht. Es wird doch andererseits niemand einfallen, Kolonisten die aus ethischen Gründen bei der Selbstarbeit verharren, einen Vorwurf daraus zu machen, oder sie gar zwingen zu wollen, Arbeiter zu beschäftigen; es muß eben Gewissensfreiheit für beide Teile geben. Welche bedenklichen Folgen die Selbstarbeit in den Wirtschaften der Moschweh Owdim besitzt, wurde schon im vorigen Abschnitt erwähnt. Der Kolonist ist dadurch zu einer größtenteils unproduktiven Arbeit verurteilt, die seine Kräfte bisweilen weit übersteigt. Er hat nicht die geringste Bewegungsfreiheit in der Betriebsführung und kann viele intensive Kulturen, auch wenn sie noch so rentabel sind, deswegen nicht kultivieren, weil er von der laufenden Arbeit vollständig absorbiert ist.

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