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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 37 (sequence 10)
Language
German
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37 pflichtling auf Selbstarbeit von selbst verbietet, da auch die Arbeitsfähigkeit des kräftigsten Mannes ihre Grenzen hat. Zum Schluß sei noch auf einen Punkt hingewiesen, der doch einmal besonders erwähnt werden soll. Gemeint ist die etwas naive Ansicht vieler Personen, daß die Landwirtschaft ein poesieumwobener Beruf sei, an dem man nicht dieselben pekuniären Anforderungen zu stellen brauche, wie an jeden anderen. Sie begründen das etwa so, daß ein Landwirt das sorgloseste Leben der Welt führe, da er aus einer autarkischen Wirtschaft ja den größten Teil seines Lebensunterhaltes entnehmen könne, daß er dadurch von allen Erwerbssorgen befreit sei und ihm endlich die Ausübung der Landwirtschaft an sich solche Befriedigung verschaffe, daß es wirklich unwichtig ist, ob er ein wenig mehr oder weniger verdiene. Er wird ja nie verhungern. Wenn auch vielleicht nicht so kraß, werden viele Leute derartig urteilen, denn in früheren Zeiten traf dies ja auch zum großen Teile zu. Diesen Ansichten muß aber heute energisch entgegengetreten werden. Die Landwirte müssen das Recht haben, durch ihren Beruf dasselbe zu erlangen, wie durch jeden anderen, nämlich eine ihrer erhöhten Arbeitsleistung entsprechende Entschädigung. Die Zeiten müssen vorüber sein, wo die Landwirte vollständig von der Erde und ihren Kaprizen abhängig waren. Das Verhältnis muß wechseln, so daß der Mensch der Herr und die Erde die Dienerin wird, wie diesem gehorcht. Das ist möglich und die moderne Landwirtschaft stellt uns die Mittel dazu zur Verfügung. Allerdings muß man aufhören, den landwirtschaftlichen Beruf und Sentimentalität in einen Topf zu werfen. Es ist einer der schönsten Berufe, das ist unbestritten, aber doch ein Beruf. Die Mindestforderungen, die der Landwirt an diesen stellen kann, sind, daß er ihm bei einer etwa lOstündigen Arbeit täglich ermöglicht, sich nach 25 bis 30 Jahren zur Ruhe zu setzen und den Betrieb seinem Nachkommen zu übergeben. Erfüllt die Landwirtschaft diese Forderung nicht, so verzichte man auf sie und wähle einen anderen Beruf. Alle anderen schönen Sentiments machen nämlich auf die Dauer nicht satt und wenn der Landwirt sein Leben lang arbeiten muß, nur tun seine Schulden zu verzinsen, dann hat er es als Arbeiter bequemer und lebt sorgenfreier. Aber die obigen Existenzbedingungen sind erreichbar, nur muß man der Landwirtschaft anders gegenübertreten und sie als das betrachten, was sie wirklich ist — nämlich ein Geschäft. Wir können alle in dieser Beziehung sehr viel von den amerikanischen Landwirten lernen. Folgerichtig wird dann auch eine so bedenkliche Siedlungsform, wie die heutigen Einzelwirtschaften in den Moschweh Owdim verschwinden und einer gesünderen Siedlungsform, die den obigen Forderungen besser entspricht, Platz machen. III. Das Problem der Selbstarbeit. In Palästina scheint für viele eine besondere Logik zu bestehen, mit der ein gewöhnlicher Durchschnittseuropäer nicht mitkommt. Anders lassen sich nämlich viele seltsame Ansichten, die dort gang und gäbe sind, nicht erklären; so z. B. die Forderung der Selbstarbeit. Man denke doch nur, es gibt heute in dem kleinen Palästina 8000 Arbeitslose, die nahe am Verhungern sind und nichts sehnlicher wünschen, als irgendwie Arbeit zu finden. Auf der anderen Seite gibt es Kolonisten, die bis 16 Stunden täglich arbeiten und die, wenn sie Hilfe nehmen dürften, es nicht nur ein wenig bequemer haben, sondern auch ihren Betrieb auf viel ge~

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