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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 35

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 35 (sequence 8)
Language
German
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35 sie ihr Vieh nicht verhungern lassen wollen. Wir haben es aber an anderer Stelle schon einmal gesagt, daß sich so kleine Wirtschaften den Luxus der Extensität nicht erlauben können, weil Extensität Landüberfluß zur Voraussetzung hat. Sie brauchten, um in der gegenwärtigen Form existieren zu können, wenigstens die doppelte Bodenmenge. Auch ist ein Maultier für 100 Dunam Boden nicht voll ausgenützt. Normalerweise rechnet man für ein schweres Tier bei dieser extensiven Bewirtschaftung 150 bis 200 Dunam Boden. Es tritt dadurch von vornherein eine erhebliche Belastung der Erzeugungskosten ein. Ueberhaupt ist es dieser große unproduktive Ballast, den jeder Kolonist mit sich schleppt wie teuere Maschinen, komplizierte Bodenbearbeitung etc., der die Betriebe gezwungenermaßen unrentabel machen muß. Man bedenke doch nur, daß jeder Betrieb jährlich 1200 äg. Pfd. für Boden und Inventar verzinsen und 700 äg. Pfd. für Inventar amortisieren muß. Es seien nur 500 äg. Pfd. ä 5 Prozent und 700 äg. Pfd. ä 6 Prozent gerechnet, so ergibt das schon 67 äg. Pfd. jährlich, ohne Berücksichtigung der laufenden Betriebsunkosten. Unsere Kolonisten in den Moschweh Owdim gehören zu den unglücklichen Leuten, denen wohl ein Reservoir zur Verfügung steht, die aber gezwungen sind, mit einem Sieb daraus zu schöpfen, so daß der größte Teil unterwegs verloren geht. Könnte man jeden Betriebszweig für sich ohne diesen Wirtschaftsballast nehmen, so würde sich das Bild ganz erheblich ändern. Als Beispiel sei nur die Milchwirtschaft genommen. Auf bewässerbarem Boden genügen zirka 10 Dunam zur Ernährung von 4 guten Kühen, das ist ein Fünftel der dafür nötigen unbewässerten Bodenfläche. Außerdem ist in ersterem Falle der Milchertrag viel höher, da die Kühe das ganze Jahr hindurch mit Grünfutter ernährt werden können. Es gibt sogar noch krassere Gegenstücke. Bei den heutigen hohen Milchpreisen existieren in den Städten viele Abmelkwirtschaften mit nur 4 Kühen oder sogar weniger, die das Futter kaufen und vom Milchertrag eine gute Existenz haben. Warum stehen sich also die Kolonisten nicht besser? Es gibt da verschiedene Ursachen. Zuerst einmal wird das Futterbei den schlechten Bodenverhältnissen und den heute üblichen Anbaumethoden von vornherein mit Defizit erzeugt, welches von der Milch getragen werden muß. Dann wird ein großer Teil der Milch unrentabel für die Aufzucht verwendet. Die Selbstkosten für die Aufzucht einer Kuh bis zum ersten Kalben stellen sich auf zirka 60 bis 70 äg. Pfd., während man eine gute Kuh in voller Laktationsperiode für 40 bis 50 äg. Pfd. kaufen kann. Aehnliche Beispiele lassen sich auch für die übrigen Betriebszweige anführen. So lebt eine Familie gut mit 30 bis 40 Dunam Pflanzungen, sogar wenn die nötigen Spannarbeiten durch Lohngespanne verrichtet werden. Allerdings müßten dann Unterkulturen getrieben werden. Auch existieren spezielle Geflügelfarmen auf sehr kleiner Fläche und ohne große Unkosten, . Aber die ganze Mühe, so kleine Betriebe auf Viehzucht zu stellen, die ihnen jede Elastizität nimmt, ist verfehlt und wird sich sofort rächen, wenn sich die Milchpreise senken. Ein erfahrener deutscher Landwirt, vom Verfasser über dieses Problem befragt, zeigte sich sehr erstaunt, daß man auf einem Betrieb von 10 Hektar 3 bis 4 Kühe setzen wolle. Seine erste Frage war, wie denn das Wiesenverhältnis in den Wirtschaften sei, d. h. wieviel Wiesen oder Weiden es im Verhältnis zum Ackerlande gäbe. Als ihm darauf erwidert werden mußte, daß mit Ausnahme weniger Sumpfgebiete im trockenen Palästina Wiesen unbekannt seien, fragte er etwas verblüfft, ob wenigstens Luzerne gut gedeihe. Als auch dies verneint 3*

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