Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 7)
- Language
- German
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34 heute übliche Siedlungsform des Moschaw Owdim. Weiter sei vorausgeschickt, daß sich die Einwände in der Hauptsache nur gegen die Moschawim richten, bei denen kein bewässerbarer Boden vorhanden ist. Bei Nahalal, wo die Möglichkeit besteht, einen Teil des Bodens zu bewässern, treffen sie nur teilweise zu. Drei Dinge sind es, die bei der Beurteilung eines Betriebes beachtet werden müssen — seine Ertragsfähigkeit, die Produktionsunkosten und der Preis, welcher für die Erzeugnisse erzielt wird. Prüft man daraufhin die Wirtschaften der Moschweh Owdim, so kommt man zu einem sehr ungünstigen Ergebnis. Die Erträge sind infolge des vorangegangenen Raubbaus Jahrhunderte hindurch unter allem Durchschnitt- Die Produktionskosten sind ungewöhnlich hoch, dagegen sind die Preise für die meisten Erzeugnisse sehr niedrig und nur für ganz wenige werden derartig hohe Preise erzielt (Milch und Weintrauben), daß sie sich kaum noch lange auf dieser Höhe halten können. Trotzdem nun Milch und Trauben zu den Haupteinnahmequellen gehören, schlagen sich nur die wenigsten Wirtschaften mühselig durch, während der größte Teil am Ende des Jahres seine Schulden ansehnlich vermehrt hat. Das ist ein unmöglicher Zustand, der die Neuansiedler demoralisieren muß. Statt wirksamer Hilfe vertröstet man sie damit, daß die Bruttoerträge mit der Zeit zunehmen werden und später eventuell ein Zeitpunkt eintreten wird, an dem ihre Wirtschaften rentieren werden. Diese Zeit scheint aber noch ziemlich ferne zu sein, denn in Nahalal und Kefar Jecheskiel, die schon fünf Jahre bestehen, schließen noch die Hälfte der Kolonisten mit Defizit ab. Von den übrigen wissen die meisten aus Mangel an Buchführung nicht genau, woran sie sind, was einem Defizit sehr ähnlich sieht. Auch wäre es sehr unrecht, in bezug auf die Zukunft allzu optimistisch zu sein. Die einzige Voraussetzung für die gegenwärtige Wirtschaftsform der Moschweh Owdim beruht darauf, daß die Milchpreise ihre gegenwärtige Höhe behalten, die jetzt etwa das Doppelte des Weltmarktpreises betragen. Wenn sie nun aber infolge von Ueberproduktion (dieser Zeitpunkt ist sehr nahe) stark zurückgehen, so sind die Wirtschaften ohne Bewässerung in ihrer jetzigen Form überhaupt verloren. Denn man kann so kleine Betriebe nicht ohne sehr große Verluste von der Milchwirtschaft auf andere Hauptbetriebszweige umstellen. Muß deshalb angenommen werden, daß die Wirtschaftsform des Moschaw Owdim eine verfehlte ist? Betrachten wir einmal die Wirtschaftsform und -Weise etwas genauer. Die Unterlagen dazu sind den schon erwähnten Tabellen des Herrn Elazari-Volkani entnommen, der als Abteilungsleiter für landwirtschaftliche Betriebskunde der Versuchsstation über diese Dinge gut orientiert sein wird. Die Betriebe des Moschaw Owdim sind als typische Kleinwirtschaften gedacht. Ihre Größe beträgt 100 Dunam, was ungefähr 10 Hektar oder 40 preußischen Morgen entspricht. Diese Fläche soll planmäßig bewirtschaftet werden mit 20 Dunam Weizen, 10 Dunam Pflanzungen, 2 Dunam Gemüse und Tabak sowie 3 Dunam für das Grundstück mit Hof und Hausgarten. Die restlichen 65 Dunam dienen zum Futterbau, und zwa; 20 Dunam allein zum Gerstenbau, um das Maultier zu ernähren. Der Viehstand soll allmählich zu folgender Höhe gebracht werden: 1 Maultier, 4 gute Kühe, 200 bis 300 Hühner und 5 Bienenstöcke. Der erste Einwand, den man gegen diese Form machen muß, ist dei extensive Aufbau der Wirtschaft, deren hoher Viehstand eine Intensivierung auch gar nicht zuläßt. Futter und Getreide sind extensive Kulturen und an sie werden die Kolonisten immer gebunden bleiben, wenn