Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 6)
- Language
- German
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33 noch angeführt. Zuerst einmal ist es wichtig, daß die einzelnen Leute der Kwuzah sich in irgend einem Zweig der Wirtschaft spezialisieren. Bis jetzt ist es nämlich üblich, daß man ziemlich oft die Arbeit wechselt Zwar ist das menschlich begreiflich, widerspricht aber den wirtschaftlichen Erfordernissen, denn dadurch wird Stümpertum gezüchtet. Wer alles etwas kann, kann selten etwas ganz, weil das landwirtschaftliche Gebiet schon zu groß ist, um es in seiner Gesamtheit zu beherrschen, Ueberhaupt wird in bezug auf Arbeit noch viel gesündigt. Nicht, daß an dem guten Willen der Chawerim gezweifelt wird, im Gegenteil! Aber Arbeiten ist etwas, was man nicht allein lernen kann, sondern nur durch Anleitung. Eine höhere Arbeitsleistung braucht absolut nicht mit einem größeren Kraftaufwand verbunden sein. Taylors Gesetze gelten auch für die Landwirtschaft. Es wäre gut, wenn von der Organisation in Palästina Vorarbeiterkurse veranstaltet würden, wozu jede Kwuzah ein paar fähige Leute schickte, die später ihre eigenen Chawerim anleiten könnten. Noch ein Punkt sei hervorgehoben, der sehr stark an der defizitären Wirtschaft schüld ist. Es gibt nämlich in allen Kwuzoth im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftsweise zu viel Leute. Wenn man bedenkt, daß jeder überflüssige Mann den Reinertrag der Wirtschaft um zirka 40 Pfd. St. E. jährlich drückt, so wird man begreifen, welche Wichtigkeit einer Rationalisierung in dieser Beziehung zukommt. Es ist selbstverständlich, daß sich diese Kritik nur bedingt auf die Vergangenheit bezieht. Das war eben die Pionier zeit und damals bildeten die Kwuzoth den Unterschlupf für die meisten Neueinwandernden, die dadurch Gelegenheit hatten, sich im Lande einzuleben und mit der Arbeit vertraut zu machen. Heute gelten aber die harten Gesetze der Wirtschaftlichkeit und da gibt es nur zweierlei: Entweder man paßt die Mitgliederzahl der Wirtschaftsweise an, oder die Wirtschaftsweise der Mitgliederzahl. Die Kwuzah ist also für die Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft als Siedlungsform ebenso nützlich und nötig, wie jede andere; Nur müßte in ihr, um die gegebenen, wirtschaftlichen Möglichkeiten voll ausnützen zu können, die Wirtschaft vom Gemeinschaftsleben streng getrennt werden. Auch muß die demokratische Wirtschaftsführung aufhören und die Leitung einem fähigen Fachmann übergeben werden, der einer übergeordneten Behörde verantwortlich sein könnte. Erst dann werden die Kwuzoth den führenden Platz innerhalb der palästinensischen Landwirtschaft einnehmen können, der ihnen als Siedlungsform zukommt. II. Der Moschaw Owdim. Motto: Warum soll man's sich machen leicht, wenn man's kann haben schwer? Aus dem obigen Motto wird man unschwer ersehen können, daß der Autor dem Moschaw Owdim, der anderen offiziell-zionistischen Siedlungsform, ziemlich kritisch gegenübersteht. Das ist nun nicht so zu verstehen, daß er etwa die Form der Einzelsiedlung überhaupt ablehnt und nur die Kwuzah für möglich hält, im Gegenteil; es hat sich bisher gezeigt, und zeigt sich immer mehr, daß nur durch Einzelsiedlungen jener gesunde Bauernstand geschaffen werden kann, der die Grundlage jeder Nation bilden muß und der der jüdischen bis jetzt leider noch fehlt. Auch entspricht die Form der Einzelsiedlung im großen und ganzen mehr dem individuellen Charakter des jüdischen Menschen. Die Kritik richtet sich also nicht gegen das Prinzip der Einzelsiedlung, sondern nur gegen die 3