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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 31

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 31 (sequence 4)
Language
German
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31 weder die augenblickliehen Verhältnisse, noch die Form der Großsiedlung am Defizit der Kwuzah die Schuld tragen kann, wodurch wird denn dann dasselbe veranlaßt? Es bleibt nur die Antwort, daß die Betriebsmethoden nicht richtig sind, und zwar muß man als Hauptgrund die demokratische Betriebsführung bezeichnen. Die Kwuzoth befinden sich nämlich in einem bedauerlichen Irrtum. Sie glauben, daß es möglich ist, ihre Ideen, die dem Gemeinschaftsleben zugrunde liegen, auch auf die Wirtschaft übertragen zu können. Darauf, daß dies nicht möglich ist, wurde schon weiter oben hingewiesen. Die Wirtschaft gehorcht nur den eisernen Gesetzen, die die Betriebslehre für sie gefunden hat, und jeder Versuch, gegen diese Realitäten anzukämpfen, ist von vornherein aussichtslos. Es wurde schon im ersten Kapitel darauf hingewiesen, daß die Hauptanstrengung der Betriebe sich darauf konzentrieren müsse, die Produktionsunkosten zu verringern. Das ist besonders für die palästinensischen Kwuzoth im Augenblicke wichtig, da sie extensiv wirtschaften müssen und sich eine Ertragsteigerung nur durch Intensivierung erreichen läßt. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß der letztere Weg nicht später auch gangbar ist. (Näheres darüber Kap. 4.) Die Produktionskosten können, wie schön erwähnt, durch rationelle Betriebsführung, Spezialisierung auf wenige Kulturen sowie Betriebszweige und Mechanisierung der Arbeitsmethoden verringert werden. Diese Wege werden aber so lange nicht konsequent beschritten werden können, wie die Kwuzah-Wirtschaften demokratisch geleitet werden. Heute liegen nämlich die Verhältnisse in den Kwuzoth so, daß die Richtlinien, nach denen die Wirtschaft geführt werden soll, von der Versammlung der sämtlichen Mitglieder, in der jedes Mitglied Stimmrecht hat, festgelegt wird. Diese Versammlung, der jeder verantwortlich ist, wählt eine mehrköpf ige Leitung (Waad), die die Geschäfte in den festgelegten Richtlinien nach außen zu führen hat, während für jeden Zweig der Wirtschaft ein Leiter bestimmt wird. So gibt es einen Menschen, dem die Hofaufsicht obliegt, einen, der für den Kuhstall verantwortlich ist, einen, der die Leitung der Fallchah (Ackerwirtschaft) hat usf. Die Arbeitsverteilung geschieht in der Weise, daß jeder Abteilungsleiter die Arbeiten, die er zu machen gedenkt und den Bedarf an Arbeitern dazu angibt. Danach werden dann die Leute, von jemand, der dazu bestimmt ist (Sadran), eingeteilt. Daraus ergibt sich, daß die Abteilungsleiter in ihrem Fach sehr selbständig und ohne fachmännische Kontrolle arbeiten können. Der Wirtschaftsplan für das ganze Jahr wird von der Mitgliederversammlung beschlossen. Das klingt gewiß alles sehr harmlos und wäre es auch, wenn alle Menschen auf der Höhe ihrer Aufgaben und vollkommen, d. h. frei von jedem Ehrgeiz und Egoismus wären. In den meisten Fällen ist das aber zu Ungunsten der Betriebsführung nicht der Fall. Man kann es ja auch keinem Abteilungsleiter übelnehmen, daß er im sein Spezialgebiet ehrgeizig ist und dieses so groß wie möglich haben will. Er wird also bei der Wirtschaftsfestlegung alles daran setzen, um die Chawerim, die von diesen Dingen weniger verstehen als er, von der Wichtigkeit seiner Abteilung zu überzeugen. Ist er suggestiv, so wird ihm dies, trotz eventuell fehlender Fachkenntnisse, gelingen, und zwar auf Kosten anderer Abteilungen, die viel wichtiger für den Betrieb sein könnten, und nur wegen mangelnder Fähigkeit ihres Leiters nicht zu genügender Geltung kommen, Nun gibt aber die landwirtschaftliche Betriebslehre Grenzen für die Ausdehnung jeder Abteilung an, so eine Grenze für die Viehhaltung, eine Grenze für den Anbau bestimmter Kulturen, die immer in einem

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