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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdischen Siedlungsformen in Palästina
Date
1928-01-01
Page
Seite 30 (sequence 3)
Language
German
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30 Leider wird es den wenigsten unbekannt sein, daß es damit in beinahe allen Kwuzoth nicht zum besten steht. Statt mit Gewinn arbeitet man meistenteils mit Defizit, Woran liegt das nun? Sind nur die augenblicklichen schlechten Verhältnisse daran schuld? Oder ist die Form der großen Siedlung für Palästina ungeeignet? Vielleicht sind nur die Betriebsmethoden nicht richtig? Das alles soll hier einmal unvoreingenommen untersucht werden. Wir haben schon im ersten Kapitel gesehen, daß die Großbetriebe den kleinen gegenüber bedeutende Vorteile haben, Sie benötigen auf die entsprechende Bodenfläche weniger Gebäude, Maschinen, menschliche und tierische Arbeitskräfte, als kleine Betriebe, Ferner ist es möglich, mit Hilfe von Maschinen die Arbeit viel mehr zu mechanisieren, was die Erzeugungskosten der Produkte erheblich herabsetzt. Ein weiterer Vorteil entsteht dadurch, daß die Produkte ihrer größeren Menge wegen viel besser verkauft und andererseits die für den Betrieb nötigen Materialien, wie Dünger, Geräte und Saatgut günstiger eingekauft werden können. Was aber den Großbetrieben bei der heutigen Wirtschaftslage in Palästina einen ganz besonderen Vorzug den Kleinbetrieben gegenüber gibt, ist ihre erheblich größere Elastizität, Ein Kleinbetrieb ist nicht elastisch. Er ist von Anfang an auf eine bestimmte Wirtschaftsart zugeschnitten, von der er ohne große Verluste nicht abgehen kann, sei die Konjunktur noch so schlecht. Nur ein kleines Beispiel. Wenn ein Ikar (Bauer) von 100 Dunam Bodenbesitz drei Kühe im Stall stehen hat, sp ist alles in der Wirtschaft auf die Versorgung des Viehes eingerichtet. Der größte Teil des Bodens muß mit Futter bebaut werden, und die verfügbaren Arbeitskräfte sind für diese Wirtschaftsweise eingeteilt. Ist die Konjunktur für Milch schlecht, so verlangen trotzdem die Kühe ihr Futter und gibt es eine Mißernte, so muß dieses sogar zugekauft werden. Andererseits kann, wenn eine sehr gewinnbringende Kultur aufkommt, der obige Ikar von ihr sehr wenig profitieren, weil der Boden zum Futterbau dienen muß und nicht für etwas anderes verfügbar ist. Außerdem würden auch die Arbeitskräfte fehlen. Man wird hier einwenden, daß es doch beim Großbetrieb ähnlich sei. Das ist aber nicht richtig. Beim Großbetrieb herrschen ganz andere Verhältnisse, da dieser nie allein auf einem einzigen Betriebszweig steht. Auch hat er viel bessere Möglichkeiten, den Arbeiterstand zu vergrößern, bezw. einzuschränken, (In den Kwuzoth werden bei viel Arbeit Chawerim semanim, Aushilfsgenossen, eingestellt.) Darum darf, wenn man so sagen kann, sich nur ein großer Betrieb den Luxus der Extensität erlauben, während ein kleiner dabei einfach seinen Besitzer nicht ernähren würde. Wegen dieser größeren Elastizität sind auch die Großbetriebe in der ganzen Welt die Pioniere des Fortschritts in der Landwirtschaft. Sie erproben neue Erfindungen und Maschinen auf ihre Brauchbarkeit hin. Sie veranlassen die Heraufzüchtung von Pflanzensorten und Tierrassen. Sie stellen sofort ihre Wirtschaftsweise auf veränderte wirtschaftliche Verhältnisse um und bahnen so den Weg für die langsam und vorsichtig nachfolgenden Kleinbetriebe. Man kann also sagen, daß Großbetriebe in einem bestimmten Verhältnis nicht nur sehr nützlich, sondern auch notwendig für ein Land sind. Besonders gilt das für Palästina, bei den heutigen unsicheren landwirtschaftlichen Verhältnissen, wo sie zweifellos größere Möglichkeiten gegenüber den Kleinbetrieben haben. Wenn aber, wie man gesehen hat,

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