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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 26

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
Date
1928-01-01
Page
Seite 26 (sequence 25)
Language
German
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26 benutzten Gelder für die Ueberführung der Juden zu Industrie und Handwerk benützen würde. Es gibt in Rußland zurzeit einen ungeheuren Mangel an Maschinen. Viele Juden könnten sehr leicht ein Handwerk erlernen (viel leichter als die landwirtschaftliche Arbeit) und dabei ein anständiges Auskommen verdienen — ein größeres als in der Landwirtschaft — wenn man ihnen durch Kredit die Anschaffung kleiner Maschinen ermöglichen würde. Ein augenfälliger Beweis hierfür ist die Tatsache, daß viele Tausende von Juden bereits Handwerker geworden sind, wobei sie natürlich diejenigen Handwerke bevorzugen, in denen sie ohne eine längere Lehrzeit sofort Geld verdienen können. Besonders erwähnenswert ist hier die Strumpfstrickerei, die auf kleinen Handmaschinen, von denen eine etwa 120 bis 150 Rubel kostet, betrieben wird. Allein in der Stadt Kiew sollen 2000 Juden sich der Strumpf- Strickerei zugewendet haben und mit Hilfe dieser kleinen Maschinen und unter Zusammenschluß zu Genossenschaften bis zu 80 und 100 Rubel im Monat verdienen. Eine gerechte Abwägung des Für und Wider zwischen der Ueberführung der Juden zur Landwirtschaft einerseits, zu Industrie und Handwerk andererseits, ergibt, daß die Ueberführung zum Handwerk schneller und erheblich billiger ist und in einem viel größeren Prozentsatze zum Erfolg, d. h. zu einer auskömmlichen Existenz führt. Aber dem steht gegenüber, daß die Zukunft dieser Handwerker eine unsichere ist. Sie werden eines Tages, wenn die Großindustrie erstarkt oder der Export vom Auslande erlaubt wird, konkurrenzunfähig werden und dann von neuem nach einem anderen Berufe sich umsehen müssen. Demgegenüber hat die Ueberführung in die Landwirtschaft den Vorzug, daß der Siedler, wenn er einmal die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat, hier normalerweise dauernd mit einer Existenz versorgt ist. Es. ist ferner eine richtige Erwägung, daß die wirtschaftliche Lage der Juden Rußlands um so fester fundiert ist, je mehr sie sich auf alle Erwerbszweige und darunter auch auf die Landwirtschaft verteilen. Eine industrielle Krisis. die natürlich immer im Bereiche der Möglichkeit liegt, läßt dann wenigstens die in der Landwirtschaft tätigen Juden unberührt. Weiter ist zu erwägen, daß in diesem Augenblicke die Regierung noch Land zur Verfügung hat und an jüdische Siedler verteilt; es ist aber als sicher anzusehen, daß in wenigen Jahren die Regierung bereits kein Land mehr zu ihrer Verfügung haben wird. Wenn also jetzt die Gelegenheit zur Erlangung von Boden für die jüdische Siedlung verpaßt wird, so kehrt sie später niemals wieder. Ich glaube, daß es besonders diese letzte Erwägung ist, welche die jüdische Kolonisation in Rußland wirtschaftlich rechtfertigt und welche auch die jüdischen Kolonisationsgesellschaften zu ihrer Tätigkeit veranlaßt hat. Es ist allerdings eine Tätigkeit auf lange Sicht und sie kann vom Standpunkt der ganzen russischen Judenheit nur eine ganz bescheidene Wirkung auf die Verbesserung ihrer Lage ausüben. 2, Kulturelle und nationale Wirkungen, Wir haben oben bereits auseinandergesetzt, daß die jüdische Kolonisation in keinem größeren Gebiete so konzentriert ist, daß die Juden dort die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Ueberall sind die jüdischen Siedlungen zwischen nichtjüdische Siedlungen eingesprengt. Ich sehe deshalb keine Möglichkeit des Zusammenschlusses der Siedlungen zu einer autonomen Republik, Es ist möglich, daß außer dem bereits be-

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