Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 24)
- Language
- German
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25 der Christen) gab es Ende 1926 in Weißrußland 400 Kollektivsiedlungen, die 145 jüdischen Kollektivsiedlungen machten also mehr als ein Drittel dieser Siedlungen aus. In Weißrußland arbeitet von den Kolonisationsgesellschaften nur Ozet. Die Regierung betont in ihrem Bericht, daß nicht nur der Boden, sondern auch der größte Teil der zur Ansiedlung nötigen Mittel von ihr gegeben worden und daß keine ausländische Kolonisationsgesellschaft (Ozet ist eine russische Gesellschaft) dabei beteiligt ist. c Die weißrussische Regierung hat in den letzten drei Jahren durchschnittlich 7500 Desjatinen anbaufähigen Boden für die jüdische Kolonisation in Westrußland zugeteilt. Es ist aber fraglich, ob sie selbst diese bescheidene Ziffer in den nächsten Jahren wird aufrechterhalten können. Es gibt in Weißrußland nur noch wenig freien und für die Landwirtschaft ohne vorherige Ameliorationen tauglichen Boden und für diesen Boden gibt es so viele Kandidaten, daß bereits jetzt eine starke Abwanderung von christlichen Bauern aus Weißrußland nach anderen Gegenden Rußlands stattfindet, weil sie in Weißrußland nicht genügend Boden bekommen können. Neuerdings haben Juden den Versuch gemacht, sumpfigen Boden durch Drainage für den Anbau geeignet zu machen. Die Regierung soll ihnen für diesen Zweck eine große Fläche sumpfigen Bodens überlassen haben. Welche Kosten diese Arbeiten verursachen werden und ob die Ansiedlung auf dem Boden gelingen wird, ist vorläufig eine offene Frage. c) Im Bezirk Odessa sollen sich in jüdischen Siedlungen 1200 Familien und außerdem zerstreut in der Nähe der Städte 200 Familien mit Landwirtschaft beschäftigen. Sie werden von »Ort« unterstützt. d) Im Bezirk Balta (autonome moldavische Republik) hat die Regierung für die Ansiedlung von Juden mit Hilfe der »Ort« 22.000 Desjatinen Land zur Verfügung gestellt. Die Siedler sollen sich hier — auf dem linken Ufer des Dnjester — in derselben Weise wie die jüdischen Kolonien in Bessarabien auf dem jetzt rumänischen rechten Ufer — hauptsächlich mit Wein- und Tabakbau beschäftigen. III. Wirkungen der Kolonisation für die gesamte jüdische Bevölkerung in Rußland. L Wirtschaftliche Wirkungen, Wenn es der Regierung gelingt, zu den bisher angesiedelten 12.000 bis 13.000 Familien in den nächsten drei Jahren noch weitere 12.000 Familien im europäischen Rußland anzusiedeln — was wegen der Bodenknappheit durchaus nicht leicht ist — so würde sie insgesamt 25.000 Familien aus anderen Berufen zur Landwirtschaft überführt haben. Das bedeutet 4 bis 5 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung in Rußland. Der Berufwechsel eines so kleinen Prozentsatzes im Laufe von sechs Jahren kann natürlich keine bedeutenden wirtschaftlichen Resultate für die gesamten Juden Rußlands zeitigen. In derselben Zeit, in der diese 25.000 Familien oder etwa 125.000 Seelen zur Landwirtschaft übergehen, vermehren sich die russischen Juden durch natürlichen Zuwachs um mehr als das Doppelte dieser Zahl; Es besteht deshalb die Frage, ob man für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der russischen Juden und insbesondere der erwerblos gewordenen Händler nicht viel mehr erreichen könnte, wenn man die für die landwirtschaftliche Kolonisation