Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 21)
- Language
- German
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-22 11, Politische Autonomie der Siedlungen« In der auf Betreiben des Ozet im November 1926 in Moskau abgehaltenen Konferenz über die Frage der jüdischen landwirtschaftlichen Siedlung in Rußland hielt der Präsident der Sowjet-Union, Kalinin, eine längere Ansprache, in der er andeutete, daß die jüdische Kolonisation allmählich zu einer immer weiteren Autonomie und schließlich -vielleicht zur Gründung einer autonomen jüdischen Republik führen könne. Von einem Teile der Versammelten wurde diese Bemerkung enthusiastisch aufgenommen, bei einem anderen Teile fand sie Widerspruch. Es ist nicht leicht, sich vorzustellen, wie die territorialen Grundlagen einer jüdischen Republik beschaffen sein sollen. Die jüdischen Siedlungen in der Krim und in der Ukraine sind zwischen ukrainische, russische, deutsche, tartarische Siedlungen eingesprengt und es gibt keinen einzigen Bezirk mit 100.000 oder sogar nur 50.000 Einwohnern, in welchem die Juden die Mehrheit der Gesamtbevölkerung ausmachen, Es ist auch keine Aussicht vorhanden, dieses Prozentverhältnis durch Zuteilung von neuem Boden an die Juden zu ändern. Denn abgesehen davon, daß in der Krim und der Ukraine überhaupt nur noch wenig Boden für die Verteilung verfügbar ist, werden die Juden von dem verteilten Boden immer nur höchstens ein Viertel oder ein Fünftel bekommen, das übrige wird den anderen Nationalitäten zufallen. Bisher ist nur ein einziger jüdischer autonomer Bezirk gegründet worden, und zwar im Jahre 1927, nämlich der Bezirk Kalinindorf (früher S'de Menucha). Dieser Bezirk hat 19.000 Einwohner, darunter 84 Prozent Juden; er zählt 40 Dörfer, darunter 33 jüdische, 5 ukrainische, 2 deutsche. Die jüdischen Dörfer haben 6 jüdische Dorfsowjets, die ukrainischen Dörfer 1 ukrainisches Dorf so wj et über sich. Die oberste Verwaltungsbehörde im Bezirke Kalinindorf besteht vorwiegend aus Juden; ebenso ist die Amtssprache im inneren Verkehr des Bezirkes das Jüdische. Der Polizeichef und die Polizisten sind Juden. Es besteht hier also in dem Bezirk volle munizipale Selbstverwaltung und nationale Autonomie. Ich hörte, daß die nichtjüdischen Dörfer sich sehr gern dem jüdischen Bezirke angeschlossen haben. Sie haben dadurch gewisse Vorteile, indem z. B. die jüdischen Kolonisationsgesellschaften ihre Hilfe durch den Bau von Schulgebäuden oder durch Gewährung von Krediten auch auf die nichtjüdischen Dörfer des Bezirkes ausdehnen, Der Bezirk Kalinindorf ist zur Zeit der einzige autonome jüdische Bezirk. Es ist beabsichtigt, in allernächster Zeit einen weiteren autonomen jüdischen Bezirk im Rayon Kriwoi Rog zu gründen, der etwa 18.000 Einwohner, darunter 25 Prozent Nichtjuden zählen wird. Ein dritter Bezirk soll in weiteren zwei oder drei Jahren ebenfalls im Rayon Kriwoi Rog entstehen. 12« Aussichten auf Erweiterung der Kolonisation. Die Erweiterung der jetzigen jüdischen Kolonisation hängt, abgesehen von den notwendigen Mitteln zur Einrichtung der Wirtschaften, davon ab, wie viel Boden die Regierung für die jüdische Kolonisation noch zur Verfügung stellen wird. Die russische Regierung hat im Jahre 1926 den Beschluß gefaßt, im Laufe der nächsten zehn Jahre jährlich 10.000 jüdische Familien, insgesamt also 100.000 Familien, in die Landwirtschaft zu überführen. Für diese Siedler würden \y% bis 2 Desjatinen Land erforderlich sein. In der bisherigen Zone der jüdischen Ansiedlung, d. h. in der Krim und in der Ukraine, ist an die Zuteilung einer solchen