Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379869-2385481--06284-2385701- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
20 werden kann, nur etwa 1500 Liter jährlich. Nur in denjenigen Siedlungen, die ganz nahe zu einer Stadt liegen, ist es möglich, frische Milch zu verkaufen. In diesen Fällen bekommen die Siedler für die Milch 10 bis 12 Kopeken pro Liter. Aber weitaus die Mehrzahl der Siedlungen liegt nicht in der Nähe einer Stadt und sind diese deshalb gezwungen, ihre Milch zu Käse zu verarbeiten. In diesen Fällen bekommt der Siedler im Durchschnitt nur etwa-5^ Kopeken pro Liter. Bei einem Milchertrage von 2000 Liter und einem Preise von 5V2 Kopeken kann der Siedler also 110 Rubel vom Milchverkauf haben. Das Futter für die Kuh, die Viehversicherung etc. kosten jährlich etwa 40 Rubel. Es bleibt also ein Nettoüberschuß von 70 Rubel. Hierzu kommt eventuell noch der Zuwachs eines Kalbes, das 20. Rubel wert ist. In runden Ziffern kann man sagen* daß jede Kuh bei einem Anschaffungspreise von 100 bis 125 Rubel dem Siedler jährlich etwa 90 Rubel Reinertrag bringt. Der hergestellte Käse ist eine Art holländischer Käse, der drei bis fünf Monate lagern muß. bevor er genußreif ist. Der W e i n b a u ist in den jüdischen Siedlungen erst in den letzten Jahren eingeführt worden. Auch in den russischen und ukrainischen Siedlungen beginnt man, diesem Zweige erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Der Agrojoint hat die ersten Versucht im großen mit der Anpflanzung von Wein unternommen und hat auf dem linken (sandigen) Ufer des Dnjepr bei Kachowka 220 Desjatinen angepflanzt. Ebenso hat er auf dem anderen Ufer des Dnjepr, auf schwerem Boden, 78 Desjatinen mit Wein bepflanzt. Die Anlage eines Weingartens war früher deshalb sehr kostspielig, weil der Boden tief aufgehackt werden muß und diese Handarbeit sich sehr teuer stellte. Jetzt hat der Agrojoint einen Manege- Pflug kommen lassen^ wodurch «diese Arbeit erheblich verbilligt ist. Man schätzt die Kosten der Anlage eines Desjatin Weingarten auf 800 Rubel, Der Ertrag eines Desjatin wird nach den Resultaten der bisher bereits fruchttragenden Weingärten (deren Fläche allerdings noch sehr gering ist) auf 400 Pud Trauben berechnet. Die Trauben finden sowohl als Tafeltrauben, wie zur Herstellung von Wein und Sprit Absatz und haben bisher einen Preis von 4 Rubel pro Pud erzielt. Der Bruttoertrag pro Desjatin würde hiernach 1600 Rubel sein. Die Bearbeitungskosten betragen etwa 400 RubeL Der Reinertrag wäre demnach 1200 Rubel. Selbst wenn man damit rechnet, daß der jetzige Preis von 4 Rubel pro Pud sich auf die Dauer nicht aufrechterhalten läßt, sondern mit der Ausdehnung des Weinbaues in den jüdischen und nichtjüdischen Siedlungen beträchtlich heruntergeht, so scheint doch immerhin der Weinbau noch eine rentable Kultur zu bleiben. Sogar bei einem Preise von nur 2 Rubel pro Pud würde ein Desjatin noch immer 400 Rubel netto erbringen. Wenn man jedem Siedler, wie beabsichtigt, % Desjatin Weingarten zuteilen wird, so würde das für ihn eine Nettoeinnahme von 300 Rubel bedeuten. Ich glaube, daß ohne die Einführung der Milchwirtschaft und des Weinbaues die jüdische Kolonisation in der Krim und der Ukraine auf den jetzigen Bodenflächen nicht selbsterhaltend gemacht werden kann. Wohl aber glaube ich, daß die Wirtschaften selbsterhaltend werden können, wenn jeder Siedler mindestens zwei Kühe und % Desjatinen Weingarten bekommt. Diese Art der Wirtschaft wird eine viel größere Stabilität in die jährlichen Einnahmen des Siedlers hineinbringen, weil Weinbau und Milchwirtschaft von der Verteilung und der Menge des Regens viel weniger abhängig sind als das Getreide. Durch die Einführung-dieser Zweige werden sich die Einrichtungskosten des Siedlers um