Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 18)
- Language
- German
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w solange die Siedler noch keine Einzelhäuser und Einzelställe haben, findet noch die kollektive Bewirtschaftung des Bodens statt. Die Regierung, (jcL h, der Komzet) ist theoretisch zwar der kollektiven Bewirtschaftung geneigt.und rät den Siedlern, die kollektive Form beizubehalten, sie legt aber keinen Wert darauf, daß die Siedler ihren Rat befolgen. Tatsächlich ist heute in allen jüdischen Siedlungen in der Ukraine und Krim das Prinzip angenommen, daß, sobald die Einzelhäuser fertiggestellt sind, jeder Siedler seine eigene Parzelle bekommt und bewirtschaftet. Eine Ausnahme machen nur die drei Siedlungen Tel Chäi, Mischmar und Maajan in der Krim, die von Hechaluz gegründet sind. Diese halten bis heute am System der kollektiven Bewirtschaftung des Bodens fest. Sie sind, wie ich an Ort und Stelle von den Siedlern in Tel Chai erfuhr, mit diesem System sehr zufrieden. Die Wirtschaft in Tel Chai,. die aus 90 Mitgliedern besteht, gilt als einer der besten landwirtschaftlichen Betriebe in der Krim und hat in den vier Jahren seit ihrer Gründung etwa 20.000 RubeL Ueberschuß ergeben. Die Wirtschaft hat eine große Schweinezucht und erzeugt einen besonders guten Saatweizen, den sie zu hohen Preisen verkauft. Der Grund, warum in diesen Wirtschaften des Hechaluz das Prinzip der kollektiven Bearbeitung befriedigende Resultate gibt, während es in den anderen Siedlungen versagt hat, ist wahrscheinlich darin zu sehen, daß in den Wirtschaften des Hechaluz nur junge unverheiratete Leute vorhanden sind, bei denen das Eigeninteresse noch nicht so ausgebildet ist wie bei den Familienvätern der anderen Siedlungen. Es kommt hinzu, daß die Mitglieder der Hechaluz-Wirtschaften bei ihrem Uebergang zur Landwirtschaft von idealen Motiven geleitet sind und sich durch dasselbe Ideal innerlich verbunden, d. h. als eine Gemeins c h a f t fühlen, während dies Gefühl der Verbundenheit in den anderen Siedlungen fehlt. Die Mitglieder der Hechaluz-Wirtschaften rechnen damit, daß sie nicht dauernd an dem Orte ihrer jetzigen Arbeit bleiben werden. Sie hoffen, daß sie von hier aus nach Erlangung der notwendigen landwirtschaftlichen Kenntnisse nach Palästina werden übersiedeln können. 8, Einführung von Milchwirtschaft und Weinbau. Die Mißernte des Jahres 1927 hat sowohl die Siedler wie die Siedlungsgesellschaften zu der Ueberzeugung gebracht, daß die Kolonisation auf der Grundlage der reinen Getreidewirtschaft zu sehr von der Gunst oder Ungunst des Wetters abhängig ist und deshalb einen zu aleatorischen Charakter trägt. Man ist zur Erkenntnis gekommen, daß die Wirtschaft durch Einführung neuer Zweige ergänzt werden muß, die nicht in demselben Maße vom Wetter abhängig sind wie der Getreidebau. Diese Zweige sind Milchwirtschaft und Weinbau. Die .Milchwirfschaft'ist in den alten Kolonien im Chersoner und Kriwoi-Rog-Bezirk schon von früher her verbreitet. Es bestehen im Chersoner Rayon sechs Käsefabriken, die 6000 Liter Milch täglich verarbeiten. In den neuen Siedlungen ist die Milchwirtschaft noch in den Anfängen, da bisher nur wenige Siedler mehr als eine Kuh besitzen und deshalb über ihren eigenen Verbrauch hinaus nur wenig Ueberschuß an Milch haben. Die in der Krim und in der Ukraine am besten eingeführte Kuh ist die sogenannte deutsehe (rote) Kuh. Sie kostet 100 bis 125 Rubel und gibt jährlich etwa 2000 Liter Milch. Die einheimische Kuh kostet nur etwa 75 Rubel, aber ihr Milchertrag ist, da sie nur mit Kalb gemolken 2*