Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 17)
- Language
- German
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18. sonders mißlich im Beginn der Kolonisation. Erstens ist es gerade in dieser an sich schon genügend schwierigen Anfangszeit besonders wichtig, daß der Mut der Siedler aufrechterhalten und nicht durch eine Mißernte gebrochen wird, und zweitens hat der Siedler in dieser Zeit noch keinerlei andere kleine Einnahmequellen, z. B. noch kein Geflügel. Das Jahr 1927, das eine Mißernte brachte, hat gezeigt, wie verheerend die Folgen einer solchen Mißernte sind. Sie hat auf die Stimmung der Siedler geradezu katastrophal gewirkt. In den von der Mißernte am schlimmsten betroffenen Siedlungen in der Krim und im Chersoner Rayon (im Kriwöi- Rog-Rayon war die Ernte etwas besser) haben viele Siedler nicht einmal die zu ihrem eigenen Lebensunterhalt und als Futter für das Vieh notwendigen Mengen Getreide geerntet, und sie wissen nicht, wie sie sich bis zur nächsten Ernte durchschlagen sollen. Nach den Mitteilungen,- die ich von den Beamten der Kolonisationsgesellschaften erhalten habe, haben bisher 15 Prozent der Siedler, die seit 1925 angesiedelt sind, ihre Wirtschaften aufgegeben und sind wieder in die Stadt zurückgekehrt. Dieser Prozentsatz ist an sich nicht übermäßig hoch, er ist ungefähr derselbe, wie er in allen anderen Ländern bei Neukolonisation vorkommt. Aber es ist zu fürchten, daß noch viele weitere Siedler ihre Wirtschaften verlassen werden, wenn man ihnen nicht aus der durch die Mißernten des Jahres 1927 geschaffenen Notlage heraushilft. Wie ich höre, hat der Agrojoint auch bereits beschlossen, helfend einzugreifen und entweder den Siedlern ein Darlehen zum Ankauf einer zweiten Kuh zu geben, oder sie bei Ameliorationsarbeiten, z. B. bei der Trockenlegung sumpfiger Ländereien, von denen es im Chersoner und Kriwoi-Rog-Rayon einige gibt, zu beschäftigen. Auch die Regierung will den Siedlern durch Transporte Gelegenheit zum Verdienst geben. Zu der schwierigen Lage der Siedler in der ersten Zeit trägt auch der Umstand bei, daß sie, wenn sie auf den Boden kommen, noch keine Einzelhäuser für sich vorfinden. Sie sind gezwungen, zusammen in demselben Gebäude zu leben und auch ihr Vieh und Inventar zusammen zu halten. Auch die erste Bearbeitung des Bodens muß, da die einzelnen Parzellen noch nicht fest abgesteckt sind, gemeinsam erfolgen. Es ist klar, daß diese provisorische Art der Bewirtschaftung zu Verlusten führen muß, besonders da die Siedler noch nicht gelernt haben, mit dem Vieh und dem übrigen Inventar sorgsam umzugehen, wodurch natürlich kleinerer oder größerer Schaden entsteht. Selbstverständlich sind auch die Arbeitsleistungen der Siedler, da sie an solch schwere Arbeit in der Regel nicht gewohnt sind, unter dem Durchschnitt. Fast in allen Fällen haben die Siedler von dem Geld, das sie in die erste kollektive Bearbeitung des Bodens hineingesteckt haben (in der Regel 200 bis 300 Rubel) die Hälfte und manchmal noch mehr verloren. 7, Individuelle und kollektive Bewirtschaftung, Im Beginn der Kolonisation war bei vielen Siedlern die Tendenz vorhanden, die kollektive Bewirtschaftung des Bodens nicht nur in der ersten Zeit, sondern dauernd beizubehalten. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die gemeinschaftliche Bearbeitung, des Bodens die Leistungen des einzelnen herabsetzt und außerdem zu vielen Zwistigkeiten zwischen den Siedlern Anlaß gibt. Infolgedessen haben die Siedlungs^esellschaften alle Böden, die bisher gemeinschaftlich bewirtschaftet wurden, unter die einzelnen Siedler aufgeteilt. Nur für die erste Zeit der Bewirtschaftung,